Vorschau auf die neue EBEL-Saison (3/3)EBEL vor dem Start

Salzburg oder Wien? Die Red Bulls und die Capitals sind die großen Favoriten in der EBEL. (Foto: Imago)Salzburg oder Wien? Die Red Bulls und die Capitals sind die großen Favoriten in der EBEL. (Foto: Imago)
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EC Klagenfurter AC

Auch in Klagenfurt fand ein Wechsel hinter der Bande statt. Christer Olsson trainiert nun Innsbruck, stattdessen ist Martin Stloukal der Mann am Ruder. Im Tor ist nur René Swette geblieben, da Wolf Imrich nach Graz ging und man sich überraschend von Fabian Weinhandl trennte. Gekommen ist dafür der Finne Pekka Tuokkola. Er hat die letzte Saison in Färjestad beendet, spielte die meiste Zeit jedoch beim finnischen Erstligisten Kalevan Pallo, besser bekannt unter dem Kürzel KalPa. In der Verteidigung sind Recken wie Thomas Pöck, Mike Siklenka, Johannes Reichel oder Kirk Furey geblieben, verzichten muss man nur auf Florian Iberer, der zu den Vienna Capitals wechselte. Neu ist der Kanadier Kyle Wharton, den man vom HC Slavia Prag holte. Auch im Sturm gibt es wenig Neues bei den Kärntnern. Das, was sich getan hat, ist jedoch mindestens überraschend. Jamie Lundmark und Tommy Koch sind geblieben, wobei dieser aber nicht mehr Kapitän ist. Diesen Job macht nun Reichel. Etwas überraschend auch die Trennung von Colton Fretter (Sheffield Steelers), John Lammers (Villacher SV), Tyler Scofield und Tyler Spurgeon, die beide noch ohne Club sind. Hier war die Wohlfühlzone anscheinend doch zu ausgedehnt. Zurückgekommen ist dafür ein alter Bekannter. Thomas Hundertpfund beendet sein schwedisches Abenteuer beim Timrå IK und geht wieder für seinen Heimatclub auf Scheibenjagd. Drei Jahre in der EBEL und schon die dritte Station sind die Rotjacken für den Finnen Kim Strömberg, der vom Meister Bozen kam, Luke Pither kam wie der neue Goalie ebenfalls von Kalevan Pallo und mit Jean-François Jacques hat man von den Springfield Falcons einen gestandenen AHL-Spieler geholt. Nach einem sehr enttäuschenden letzten Jahr kann es für den KAC eigentlich nur nach oben gehen. Zweimal in Folge die Play-offs zu verpassen, will man sich erst gar nicht vorstellen. Mit Tuokkola hat man sich im Kasten einen ausgezeichneten Keeper geholt, der Swette wieder in die Rolle des Jägers schickt, die Verteidigung ist zum Großteil zusammengeblieben und im Sturm hat man punktuell nachgebessert. Alles in alles sollte man damit das letzte Jahr zu einem Ausrutscher, wenn auch zu einem großen, abstempeln und wieder ein erster Halbfinalkandidat sein.

EHC Liwest Black Wings Linz

Coach Rob Daum geht in sein viertes Jahr bei den Stahlstädtern und setzt auf Kontinuität. Viel Grund zum Ändern hat er ohnehin nicht. Daum ist ein echter Erfolgscoach, der Linz einmal zum Meister machte und zweimal im Halbfinale stand. Im Tor setzt man wieder auf Michael Ouzas, Lorenz Hirn hat hingegen seine Karriere mit nur 24 Jahren beendet. Als Backup spielt der erst 21-jährige Thomas Dechel. Weg sind auch die Verteidiger Andy Hedlund, ebenfalls Karriereende, Mathias Müller (Straubing Tigers), und Fabian Scholz (Graz 99ers). Oldie Curtis Murphy (38) gibt sich noch ein Jahr und ist weiterhin dabei, genauso wie Marc-André Dorion, Robert Lukas oder Franklin MacDonald. Gekommen ist nur einer, aber das dafür ein echter Kracher. Sébastien Piché gehörte wohl zu den meistgejagten Verteidigern des Sommers und wurde mit einigen Clubs aus einigen Ländern in Verbindung gebracht. Der Meister aus Bozen entschied sich aber für die Black Wings. Auch im Angriff beendete ein Spieler seine aktive Laufbahn. Pat Leahy machte im Alter von 35 Jahren Schluss. Doch auch hier ist das Grundgerüst kaum verändert. Rob Hisey, Andrew Kozek, Brian Lebler, Brad Moran und Jason Ulmer machen in Linz weiter und bekommen Unterstützung von Fabio Hofer aus Salzburg und Chad Rau der aus der AHL von den Worcester Sharks kam. Linz geht mit vielen Vorteilen in die neue Saison. Coach Daum hat ein Team, an dem er nur wenig verändern musste, und hat dabei die frei gewordenen Plätze ausgezeichnet besetzt. Wie bei einigen anderen Teams auch ist nur die zweite Torhüterposition verbesserungswürdig, da es dort vor allem an Erfahrung fehlt. Die Verteidigung macht einen stabilen Eindruck und im Sturm kann man von genügend Firepower sprechen. Linz wird wieder ganz oben mitspielen und aller Voraussicht nach auch erneut im Halbfinale stehen.

UPC Vienna Capitals

Der Hauptstadtclub will wieder nach ganz oben und dafür wurde mächtig aufgerüstet. Zuerst hat man sich mit Tom Pokel den Meisterchoach geangelt. Er hat letzte Saison ein Team, das großteils aus Nobodys bestand, zu einer echten Einheit geformt und das geschafft, was kein einziger Experte vor der Saison für möglich gehalten hat. Im Nordamerika gibt es dafür das geflügelte Wort der „Cinderella Story“. Pokel beerbt den glück- und erfolglosen Tommy Samuelsson. Im Tor steht nach wie vor Matt Zaba, Jürgen Penker hingegen gehört dem Team nicht mehr an. Nummer zwei ist der sehr talentierte David Kickert, der langsam aufgebaut und an das Team herangeführt wird. Über seine ersten Einsätze in der Champions Hockey League hörte man mehrfach die Worte: „starke Leistung“. In der Verteidigung wird man Adrian Veideman (Stavanger Oilers) sowie Justin Fletcher und André Lakos nicht mehr in Wien sehen. Dessen Bruder Philippe oder auch Jamie Fraser und Sven Klimbacher sind geblieben. Neu eingebaut wurden der vom KAC gekommene Florian Iberer und Topverteidiger Brett Carson (AIK Ishockey). Er wurde von halb Europa umworben und würde sicher auch in vielen DEL-Teams eine Führungsrolle übernehmen können. In der Abteilung Attacke muss vor allem François Fortiers Wechsel zum Villacher SV verkraftet werden, neben ihm sind auch Justin Keller (HC Bozen), Mike Ouellette und der von den Straubing Tigers geliehene Kris Beech nicht mehr im Team. Jonathan Ferland, Benoît Gratton, Rafael Rotter oder Dustin Sylvester sind das schon noch. Und was man sich geholt hat, ist aller Ehren wert. Die Neuen kommen aus der AHL, KHL und DEL, da ist der Wechsel von Adam Naglich von Székesfehérvár schon fast als schwach. Nein, ist er natürlich nicht, Naglich kennt die Liga bestens und gehörte bei allen Teams, in denen er tätig war, immer zu den Leitungsträgern. Peter MacArthur kommt aus der DEL von Augsburger Panthern, wo er von Coach Larry Mitchell praktisch aussortiert wurde. Hugh Jessiman kommt von KHL-Team aus Zagreb und hatte zuvor über 500 AHL-Spiele absolviert. Kris Foucault war die letzten Jahre bei Iowa Wild, bzw. deren Vorgängerteam den Houston Aeros, und Matt Watkins kommt aus der „Chocolatetown“, wo er für die Hershey Bears spielte. Unter dem Strich passt die Zusammenstellung des Teams ausgezeichnet, was die Caps zu einem echten Titelkandidaten macht. Man darf großes in der Hauptstadt erwarten.

EC Red Bull Salzburg

Nach nur einem Jahr hat Don Jackson die Bullen wieder verlassen, aber „nur“ die österreichischen, denn konzernintern wechselte dieser in die DEL nach München. Sein Nachfolger kommt ebenfalls aus der DEL. Dan Ratushny war drei Jahre lang Cheftrainer bei den Straubing Tigers und führte den Club erstmals in deren Geschichte in die DEL-Play-offs und stand mit den Tigers gar im Halbfinale. Ratushny ist auch neuer Coach des österreichischen Nationalteams. Im Tor beleibt mit Bernd Brückler und Luka Gračnar alles wie gehabt. Auch wenn Brücklers Werte nicht immer die besten waren, so sind beide zusammen wahrscheinlich das beste Gespann der Liga. Es wird sicher ein heißer Kampf um den Platz im Tor, bei dem sich ein sehr erfahrener und ein sehr junger, aber sehr talentierter Torwart in jedem Training beweisen müssen. In der Defensive kann man ebenfalls auf Altbewehrtes zurückgreifen. Michael Boivin, Brian Fahey, Troy Milam und Matthias Trattnig bilden wieder den Kern und bekommen mit dem tschechischen Nationalspieler Zdeněk Kutlák, der aus Davos kommt, nochmal richtig Verstärkung. Im Angriff musste man großflächiger umbauen. Evan Brophey und Garrett Roe bleiben in der Organisation, folgen aber ihrem Coach nach München, Matt Keith ging zum Braehead Clan auf die Insel, Mark Cullen wechselte zum Meister HC Bozen und Joe Motzko und Andreas Nödl haben noch keinen Club. Letztgenannter dürfte vielleicht wieder auf einen Wechsel nach Nordamerika hoffen. Dem Club erhalten sind aber immer noch eine Menge an sehr guten Spielern. Darunter findet man David Meckler, Matthias Trattnig, Manuel Latusa, Thomas Raffl, Konstantin Komarek, Andreas Kristler oder Daniel Welser. Diese Auswahl ist für den Nationaltrainer sicher ein Vorteil. Eine der entstandenen Lücken wurde mit Ryan Duncan, der aus München kommt, ebenso intern geschlossen. Doch Duncan alleine reicht natürlich nicht. Mit John Hughes hat man innerhalb der Liga nur bei Villacher SV gewildert, wobei so viel wildern gar nicht nötig war, denn Hughes bekam wegen disziplinarischen Vorfällen keinen Vertrag mehr beim VSV. Mit Brett Sterling kommt ein NHL-erfahrener Stürmer aus Örebro, Ben Walter kommt von Helsingin Jokerit und hat wie Sterling um die 25 NHL-Spiele. Ansonsten haben beide etliche AHL-Spiele auf dem Buckel. Letzter Neuer ist Kyle Beach von Hartford Wolf Pack aus der AHL. Der 20-jährige Kristoff Kontos, der von Toledo Walleye kam, hat sein Tryout hingegen nicht überstanden und befindet sich wieder auf Clubsuche. Es ist schlichtweg wie all die Jahre zuvor, wer Meister werden will, muss Salzburg schlagen. Wer sein Geld auf Salzburg setzt, setzt auf den Topfavoriten und geht das kleinste Risiko ein, denn nur Salzburg kann Salzburg schlagen – oder doch Wien?