Vorschau auf die neue EBEL-Saison (3/3)EBEL vor dem Start

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UPC Vienna Capitals

Matt Zaba war und ist die klare Nummer 1 im Tor des Hauptstadtclubs, trotzdem hinterlässt der Abgang von Fabian Weinhandl zum Ligarivalen Klagenfurt ein tiefes Loch. Offenbar will man mit dem 19-jährigen David Kickert als Backup in die Saison gehen, doch der junge Österreicher hat bisher nicht eine Minute EBEL-Erfahrung und spielte nur in der eigenen U20-Mannschaft. Auch wenn Kickert als Talent gilt, das Risiko, das die Caps hier eingehen, ist unverständlich hoch. In der Abwehr hingegen konnte man die Abgänge von Dan Bjornlie, der als 35-Jähriger keinen neuen Vertrag bekam, und André Lakos, der zu seinen Europaausflügen nun das tschechische Team KLH Chomutov hinzuzählt, wenigstens gleichwertig abfangen. Justin Fletcher, der auch schon bei den Augsburger Panthern spielte, kommt von den Tohoku Free Blades aus der Asia League und Mark Matheson vom AHL-Team der Chicago Wolves würde auch so manchem DEL-Team gut zu Gesichte stehen. Im Sturm konnte man zwar viele Leistungsträger halten, doch mit Tony Romano (VIK Västerås HK) und Josh Soares (IK Oskarshamn) wechseln 90 Scorerpunkte in die 2. schwedische Liga. Führungsspieler und Assistenzkapitän Philipp Pinter wird man hingegen bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 wiederfinden. Ausgleich dafür soll unter anderen der Wunschspieler von Coach Tommy Samuelsson schaffen. Gemeint ist der 24-jährige Dustin Sylvester der zuletzt zwei Jahre für Abbotsford Heat in der AHL spielte, zuvor gab er ein Gastspiel beim EHC Freiburg. Als Krachertransfer kann man den Wechsel von Mike Ouellette von den Linzern bezeichnen, der Rest der Zugänge kommt jedoch aus der zweiten österreichischen Liga. Insgesamt fällt es daher eher schwer, die Caps erneut im Finale zu sehen. Vor allem wenn Matt Zaba schwächeln oder gar aus ausfallen sollte, stehen den Wienern schwere Tage bevor. Wenn das Goalieduo jedoch funktioniert, ist man durchaus ein Titelkandidat.

EC Klagenfurter AC

Trotz des Abgangs von Andy Chiodo dürfte der KAC eines der besten, wenn nicht das beste Torhütergespann haben. René Swette verdrängte Chiodo letzte Saison in den Play-offs und mit Fabian Weinhandl, der von den Capitals kam, hat man nun einen weiteren österreichischen Nationalkeeper. Neben Weinhandl ist Verteidiger Thomas Pöck der einzige Neuzugang der Kärntner. Mit 122 NHL-Spielen für die New York Rangers und die New York Islanders sowie 274 AHL-Spiele und weitere Stationen in europäischen Topmannschaften holte man sich damit ein ordentliches Pfund Erfahrung. Die Abgänge sind jedoch auch namhaft. Martin Schumnig wechselte zu den Cincinnati Cyclones in die nordamerikanische ECHL, Raphael Herburger zum Schweizer Erstligisten EHC Biel und Thomas Hundertpfund  zu den Timrå Red Eagles in die zweite schwedische Liga. Dazu kommt eine Handvoll Spieler, die keinen Vertrag mehr bekamen oder ihre Kariere beendeten. Nach Aussagen der Clubführung will man wohl auch keine weiteren Spieler mehr holen, stattdessen sollen einige Nachwuchsspieler wie Patrick Berr oder Markus Steiner herangeführt werden. Im ersten Moment hat man also nicht nur an Quantität verloren, doch das, was der schwedische Coach Christer Olsson aufs Eis schickt, ist immer noch eine respektable Truppe. Das Erreichen der Play-offs sollte für die Rotjacken keine allzu große Hürde sein, und auch in der EBEL gilt die Eishockey-Weisheit, dass dann alles möglich ist. Das Halbfinale sollte drin sein, doch aufgrund der Umstrukturierung hin zu mehr und jüngeren Österreichern im Team, ist der KAC aber nicht der große Favorit.

EHC Liwest Black Wings Linz

Die Linzer gehören ebenfalls wieder zu den Teams, die für höhere Aufgaben in Frage kommen. Auch bevor Coach Rob Daum das Team im Sommer 2011 übernommen hat, waren die „Linza“ eine Topadresse der EBEL. Mit Daum konnten die Oberösterreicher gleich in dessen erstem Jahr ihre zweite Meisterschaft einfahren. Auch wenn man wieder einmal hochkarätige Abgänge verzeichnen muss, stehen die Zugänge dem in nichts nach. Wer nun der größte Verlust ist und welcher Zugang der große Kracher ist, ist nur schwer zu sagen, da sowohl die Abgänge als auch die Neulinge durchaus beachtlich sind. So kommt für Goalie David LeNeveu, der zu hohe Gehaltsansprüche stellte und aktuell noch ohne Team ist, Michael Ouzas aus Zagrab. Brett Engelhardt hat seine Karriere beendet, Martin Grabher-Meier und Martin Mairitsch wechselten nach Dornbirn, Mike Ouellette nach Wien und Danny Irmen stürmt nun für Thurgau in der NLB. Dem gegenüber steht zum Beispiel der in der DEL bestens bekannte Jason Ulmer, der zuletzt in München spielte. Nationalspieler Matthias Iberer war drei Jahre bei den Graz 99ers eine der treibenden Kräfte und kehrt nun zu den Stahlstädtern zurück. Andrew Kozek war ein Teil des überragenden Sturmduos in Dornbirn, bei denen er 58 Punkte erspielte. Dazu kommt Brad Moran, der aus Finnland von Saimaan Pallo zum Team gestoßen ist. Auch mit von der Partie ist der in Füssen geborene Mathias Müller. Er kam vom ESV Kaufbeuren und spielt in Linz mit einem österreichischen Pass. Wie oft er zum Einsatz in der ersten Mannschaft kommt, muss der Saisonverlauf zeigen, denn Müller ist auch für die Linzer U20-Mannschaft spielberechtigt. Insgesamt gehören die Linzer zu dem Kreis, den man Titelanwärter nennt.

EC Red Bull Salzburg

Egal wie man es dreht und wendet, Salzburg wird, wie die letzten Jahre auch, erneut zu den Titelkandidaten gehören. Die entscheidendste Veränderung gab es zweifelsohne auf dem Trainerstuhl. Berlins Erfolgscoach Don Jackson ersetzt Pierre Pagé, der dem österreichischen Brausehersteller nun mit dem DEL-Club aus München Titel bringen soll. Für Jackson gilt es vor allem, einen Stolperstart wie in der Vorsaison zu vermeiden. Geschuldet dem EBEL-Spielerbewertungssystem waren letzte Saison insgesamt 56 immer wieder wechselnde Spieler spielberechtigt und eingesetzt. Trotzdem sprang nach dem Grunddurchgang und der Qualifikationsrunde nur der letzte Play-off-Platz heraus. In diesen lief es besser, sodass man bis ins Halbfinale vorstoßen konnte. Die Liste der Spieler, die nicht mehr für die roten Bullen spielen, ist schier endlos. So sind zum Beispiel Keeper Alex Auld, Verteidiger Ross Lupaschuk oder Stürmer Mike Duco noch ohne neues Team, Rob Davison wechselte in die AHL zu den Worcester Sharks, Danny Richmond und Ryan Duncan folgten ihrem alten Coach nach München, Stürmer Justin DiBenedetto ging zum schwedischen Örebro HK oder Rob Schremp zum EV Zug in die erste Schweizer Liga. Doch das neue zusammengestellte Team kann sich alle mal sehen lassen. Jackson-typisch ist es eine Mischung aus gestandenen und erfahrenen Spielern, kombiniert mit aufstrebenden, jüngeren einheimischen Nachwuchskräften. Der aus deutscher Sicht bekannteste Neuzugang ist sicher der aus Ingolstadt gewechselte Joe Motzko. Dazu kommen unter anderem Verteidiger wie Brian Fahey vom KHL-Club Vityaz Podolsk oder Troy Milam vom tschechischen Topverein HC Sparta Prag. Die Offensive verstärken neben Motzko auch Evan Brophey (Portland Pirates/AHL), Garrett Roe (Adirondack Phantoms/AHL) oder Matt Keith vom Ligakonkurrenten aus Dornbirn. Fakt ist, nach zwei titellosen Jahren sind die Mozartstädter unter Don Jackson doppelt heiß.