Vorschau auf die neue EBEL-Saison (2/3)EBEL vor dem Start

Mario Simioni ist der neue Trainer beim EBEL-Meister HC Bozen. (Foto: Imago)Mario Simioni ist der neue Trainer beim EBEL-Meister HC Bozen. (Foto: Imago)
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Moser Medical Graz 99ers

Das muntere Trainerwechseln machte auch in Graz nicht halt. Auf Petri Matikainen folgt nun der Amerikaner Todd Bjorkstrand. Er stand letzte Saison mit Herning im dänischen Finale und hat in Graz eine weitere Runderneuerung der Mannschaft in Angriff genommen. Dabei setzt er im Tor nach wie vor auf Dany Sabourin. Backup Sebastian Stefaniszin wechselte jedoch zu den Kölner Haien in die DEL. Hier ist man mit dem 21-jährigen Wolf Imrich und dem 20-jährigen Mario Still etwas sehr unerfahren besetzt. Die Verteidigung ist nach dem Abgängen von Alexandre Picard, Patrick Coulombe (Dragons de Rouen), Mario Scalzo (KLH Chomutov) und Dustin VanBallegooie (HC Innsbruck) arg ausgedünnt. Geblieben sind Stefan Lassen und Andreas Wiedergut. Unter den neuen Verteidigern findet man mit Mitch Ganzak den ersten Spieler, den der neue Coach mitgebracht hat. Ebenfalls neu ist Jake Marto, der von Södertälje SK kam, Jesse Jyrkkiö aus Tappara und Matt „Bud“ Kelly, der die letzten beiden Jahre in der DEL2 bei den Ravensburg Towerstars tätig war. Aktuell ist Martin Oraze im Tryout. Im Sturm konnte man Olivier Latendresse halten, ansonsten gibt es einige schmerzhafte Abgänge. Roland Kaspitz, Olivier Labelle, Ryan Kinasewich, Francis Lemieux und Greg Day sind noch ohne neuen Club, Guillaume Lefebvre wechselte nach Frankreich zu den Ducs d’Angers und Josh Soares spielt künftig für den norwegischen Meister Stavanger Oilers. Über die Zugänge kann man geteilter Meinung sein. Tomáš Petruška ist der zweite Spieler, den der Coach aus Herning mitbrachte. Luke Walker kommt zwar von Medveščak Zagreb aus der KHL, hat dort in 36 Spielen jedoch nur drei Punkte gemacht. Der in Johannesburg geborene Willie Coetzee kommt aus der AHL von den Grand Rapids Griffins, hat im letzten Jahr jedoch kein Spiel bestritten. Er ist zurzeit noch wie der junge Finne Tomi Wilenius im Tryout. Fabian Scholz kommt vom Ligakonkurrenten Black Wings Linz, Philipp Pinter von den Lausitzer Füchsen aus der DEL2. Viel Verantwortung wir wohl auf den norwegischen Nationalspieler Anders Bastiansen, der von Färjestads BK aus Schweden zum Team gestoßen ist und Miha Verlič, der Topscorer bei Olimpija Ljubljana war, zu kommen. Mit Sabourin hat man einen Topgoalie, verletzen darf sich der aber nicht. In der Verteidigung hat man interessante Leute geholt, doch ob die besser sind, müssen sie erst beweisen. Im Sturm sieht es ähnlich aus, daher hat Graz sicher beste Aussichten auf das Viertelfinale und wäre damit schon weiter als im letzten Jahr. Um das Halbfinale zu erreichen braucht es jedoch einige dicke Überraschungen.

Dornbirner Eishockey Club

Als erstes galt es für Headcoach Dave MacQueen, einen neuen Goalie zu finden, denn Adam Dennis hatte vom DEC zwar ein Angebot, dieses schlug er wegen anhaltender Hüftprobleme jedoch aus. Nachfolger ist Mike Murphy geworden. Der Kanadier kommt aus der Organisation der Carolina Hurricanes und spielte für die Charlotte Checkers in der AHL. Ein wichtiger Baustein in der Verteidigung ist der Verbleib von Jonathan D'Aversa, der letztes Jahr beachtliche 41 Punkte (13/28) beisteuerte. Auch Olivier Magnen ist hier ein wichtiger Spieler den man halten konnte. Weg hingegen sind Kevin Montgomery (HC Banska Bystrica), Alex Plante (Lørenskog IK) und Martin Oraze (Graz 99ers). Mit Andy Sertich der aus Székesfehérvár kommt und Garnet Exelby, der Kapitän der Norfolk Admirals war, hat man zwei sehr gute Transfers getätigt. Im Sturm konnte man zwar Jamie Arniel (37 Punkte) und Chris D'Alvise (50 Punkte) halten, doch beim Topscorer schlechthin hatte man keine Chance mehr. Luciano Aquino, der in den letzten beiden Jahren 79 bzw. 71 Punkte machte, wechselte zu Färjestads BK in die erste schwedische Liga. Graham Mink hört ganz auf und hat seine Karriere beendet, Patrick Jarrett geht wieder in die DEL2, diesmal zum EV Landshut und Brett Sonne geht zum Mora IK. Durchaus keine leichte Aufgabe diese Leute zu ersetzen. Einer, der das machen soll, ist Andy Bohmbach, der beim SC Riessersee 60 Punkte (24/36) in der DEL2 markierte. Dazu kommt Justin DiBenedetto, der die Liga aus einem Jahr in Salzburg kennt und dort schon Punkte über dem Durchschnitt anschrieb. Guillaume Desbiens kommt aus der AHL, wo er bei den Lake Erie Monsters nicht durch viele Punkte auffiel, sondern durch viele Strafen. Letzte Saison waren es in 62 Spielen ganze 200 Minuten. Spannend wird sicher auch, wie sich Adam Miller einbringen kann. Er kommt aus der Asia League von den Nippon Paper Cranes. Mit 73 Punkten (24/48) war er nach 42 Hauptrundenspielen Punktbester. Das Handicap der Mannschaft ist die zurzeit dünne Abwehr, denn mit nur sechs Verteidigern wird man nicht über die Saison kommen. Doch nicht nur in der Hintermannschaft will und muss man aufrüsten, denn es soll auch noch einen weiteren Stürmer verpflichtet werden. Die Play-offs und damit das Viertelfinale sollten allemal drin sein, wenn dann nicht wieder ausgerechnet Salzburg wartet, kann man vielleicht sogar bis ins Halbfinale vorstoßen.

HC Bozen Foxes

Für den Meister war es alles andere als ein vergnüglicher Sommer. Zu oft stand ein Streit mit der Liga um die Verteilung von TV-Geldern im Mittelpunkt. Zwischenzeitlich kursierten gar Gerüchte, dass man entgegen allen Verträgen die EBEL wieder verlassen möchte. Dazu kommt, dass man erneut Probleme hatte, ein Budget für die anstehende Saison zusammenzubringen. Dass Meistercoach Tom Pokel zu den Vienna Capitals wechselt, war recht schnell fix. Ihm folgt ein anderer Meistermacher. Der Italo-Kanadier Mario Simioni, der seit seiner Entlassung 2005 in Krefeld beim dänischen Topclub SønderjyskE Ishockey hinter der Bande das Sagen hatte und dort fünf Titel eingespielt hat. Im Tor bleibt jedoch alles beim Gleichen, sowohl Günther Hell als auch Jaroslav Hübl werden weiterhin Pucks fangen. In der Defensive sagten Davide Nicoletti (HC Valpellice), Joe Charlebois, Matt Tomassoni (Kassel Huskies) und vor allem Topverteidiger Sébastien Piché (Black Wings Linz) Ciao. Neu sind dafür Richie Crowley von den Diables Rouges de Briançon, der italienische Nationalspieler Roland Hofer, John Lee von den San Antonio Rampage und Sean McMonagle der letztes Saison für Bad Nauheim in der DEL2 spielte, im Team. In der Offensivabteilung kann man nach wie vor auf die Dienste von Marco Insam und Meistertorschütze Žiga Pance zählen. Nicht mehr in Südtirol sind hingegen Matt Beaudoin, David Laliberté, Trent Whitfield, Angelo Esposito (Fort Wayne Komets), Mark Santorelli (Villacher SV), Kim Strömberg (Klagenfurter AC) und MacGregor Sharp (Schwenninger Wild Wings). Dadurch musste der Sturm nahezu komplett neu aufgebaut werden. Fündig wurde man unter anderem in Salzburg. Vom Vizemeister kommt Mark Cullen, ebenfalls aus der Liga kommt Justin Keller von den Vienna Capitals. Paul Zanette kommt aus Asiago, Mathew Sisca von den Alaska Aces, Philip DeSimone vom IF Björklöven, Derek Nesbitt von den Chicago Wolves und Tom Zanoški der zuletzt für Troja Ljungby spielte befindet sich im Tryout. Insgesamt hat man damit zwei Italo-Amerikaner und drei Italo-Kanadier im Team. Den Coup vom Vorjahr zu wiederholen, dürfte nur schwer zu schaffen sein. Auch für die Italiener gilt, das Viertelfinale sollte zu schaffen sein, alles mehr wäre eine Zugabe. Doch schon im letzten Jahr wusste Bozen die Konkurrenz zu überraschen.

EC Villacher SV

In Villach steht nach wie vor Hannu Järvenpää hinter der Bande und auch im Tor steht das bekannte Duo Thomas Höneckl und die unumstrittene Nummer eins Jean-Philippe Lamoureux. In der Verteidigung gibt es auch nur einen Wechsel. Scott Hotham musste gehen und wird durch Geoff Waugh, der aus Zagreb kommt, ersetzt. Ansonsten trifft man mit Cole Jarrett, Klemen Pretnar, Gerhard Unterluggauer oder Mario Altmann viele alte Gesichter. Im Sturm sind die Änderungen schon gravierender. Zwar sind Eric Hunter, Brock McBride oder Marco Pewal geblieben, doch vor allem die Abgänge der Topscorer Derek Ryan und John Hughes schmerzten. Letzte Saison kam Ryan auf 84 Punkte (38/46) und Hughes auf 85 Punkte (24/61). Derek Ryan versucht sich nun in der obersten schwedischen Liga bei Örebro HK und John Hughes ging zum Ligakonkurrenten Red Bull Salzburg. Ebenfalls weg sind Curtis Fraser, der seine Karriere wie Markus Peintner beendet hat. Peintner bleibt aber bei VSV und ist neuer Co-Trainer. Der kurz vor Ende der Hauptrunde geholte Mario Lamoureux konnte offensichtlich nur genug überzeugen. Die beiden Toptorjäger zu ersetzten, dürfte nahezu unmöglich sein. Versuchen wird man es unter anderem mit François Fortier. Er markierte vergangenes Jahr bei den Vienna Capitals immerhin 61 Punkte (28/33). Vom Klagenfurter AC stieß John Lammers zum Team und aus Bozem kam Mark Santorelli. Einziger, der nicht aus der Liga kommt, ist der Kanadier Sean Ringrose, den man im Team der University of Alberta fand. Er war der Wunschcenter des Trainer und kommt mit der Empfehlung den Titel der CIS mit den Golden Bears gewonnen zu haben. Obwohl man ohne Ryan und Hughes dem einen oder anderen Scoringpunkt nicht mehr machen wird, so ist deren Abgang sicher auch eine Chance für Spieler, die bisher hinter beiden zurückstehen mussten. Man steht vor einem Jahr mit vielen Fragezeichen. Zum Problem könnte es werden, wenn sich Jean-Philippe Lamoureux verletzten sollte. Alles in allem ein unter dem Strich doch leicht unsicheres Konstrukt das sich neu beweisen muss. So sind die Villacher sicher ein großer Kandidat auf das Viertelfinale, aber ein Top-Four-Team sind sie wahrscheinlich nicht.