Vorschau auf die neue EBEL-Saison (1/3)EBEL vor dem Start

Fabian Dahlem an der Bande von Olimpija Ljubljana. (Foto: Imago)Fabian Dahlem an der Bande von Olimpija Ljubljana. (Foto: Imago)
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HDD Olimpija Ljubljana

Die letzte Saison war ein wahres Chaos-Jahr für die Slowenen. Je länger die Saison dauerte, umso öfter hörte man von Spielern, die auf ihre Gehaltschecks warten. Einige beklagten das sogar öffentlich via Twitter. Nicht wirklich wunderlich, dass einige noch vor Saisonende den Club verlassen haben. Auch im Sommer wollten nicht alle bleiben. Darunter 40-Punkte-Stürmer Miha Verlič. Ihn zog es zu den Graz 99ers, oder Ken Ograjenšek, der letzte Saison 35 Punkte erspielte, wechselte nach Frankreich zu Gamyo Epinal. Auch bei Twitter war es nicht ruhiger. Als die ersten Verpflichtungen bekannt wurden, meldete sich dort Jeff Ulmer zu Wort. Er hatte die Drachen im Dezember wegen ausstehender Zahlungen verlassen: „Warte…die EBEL lässt Ljubljana neue Trainer und Spieler unter Vertrag nehmen, ohne dass sie ehemalige Spieler bezahlt haben? Da kann doch was nicht stimmen.” Geblieben sind hauptsächlich jüngere Spieler. Nach all diesen Wortmeldungen, die wohl auch nicht aus der Luft gegriffen sind, ist es fast schon verwunderlich, wen man alles nach Laibach lotsen konnte. Der neue Headcoach ist mit dem Deutschen Fabian Dahlem der letzte Trainer der Eispiraten Crimmitschau. Auch kein Unbekannter ist Goalie Andy Chiodo. Er hütete einige Jahre den Kasten des Klagenfurter AC, zuletzt war er in Finnland aktiv. In der Abwehr findet mal ebenfalls alte Bekannte. Der Hintermannschaft Stabilität soll Marvin Degon (Reading Royals) verleihen, den man aus Wolfsburg, Berlin und Ingolstadt kennt. Einige AHL-Erfahrung bringt Kyle Medvec (Iowa Wild) mit. Die übrigen neuen Verteidiger kommen aus zweiten oder Nachwuchsligen. Im Sturm sicherte man sich die Dienste von Hunter Bishop (Manchester Monarchs) und Matt White (Ontario Reign). Letzterer kommt mit der Empfehlung von fast 60 Punkten. Um zum vierten Mal in die Play-offs zu kommen, muss aber wohl alles passen und vor allem Ruhe herrschen – und vereinbarte Gehälter bezahlt werden.

Sapa Fehérvár AV19

Auch in Székesfehérvár steht ein neuer Coach hinter der Bande. Marty Raymond suchte neue Horizonte und die damit verwaiste Stelle übernahm Rob Pallin. Bei den Goalies konnte Zoltán Hetényi gehalten werden, Backup Bence Bálizs spielt nun aber bei Miskolci Jegesmedve. Neuer Ersatzmann könnte der Amerikaner Josh Robinson (Idaho Steelheads) werden, er befindet sich noch im Tryout. Auch wenn Bence Szirányi weiterhin in Székesfehérvár spielt, so reißen die Abgänge der Verteidiger Andy Sertich (Dornbirner EC) und Ric Jackman (Nippon Paper Cranes) ein echtes Planungsloch in die Defensive. Verstärkung holte man sich aus der DEL. Der Schwede Johan Ejdepalm, der in München und zuletzt in Hamburg spielte, soll diese Lücke schließen. Matt Register wurde im Juni als Zugang vermeldet, bestritt jedoch kein Spiel und hat sich inzwischen den Chicago Wolves angeschlossen. Er wäre mit mir der Empfehlung von 44 Punkten (14/30) und einer Plus-Minus-Statistik von +21 gekommen und sicher eine sehr gute Verstärkung gewesen. Aktuell befindet sich auch der aus Schwenningen bekannte Ray Macias im Tryout. Im Sturm hängt Oldie Frank Banham noch ein Jahr dran. Der inzwischen 39-Jährige wird sicher auch wieder eine Führungsrolle einnehmen. Immerhin brachte er es letzte Saison auf stattliche 51 Punkte (20/31). Mit 49 Punkten (19/30) stand Andrew Sarauer dem nicht viel nach und wird das auch kommende Spielzeit wieder versuchen. Unter den namhaften Abgängen im Sturm findet man zum Beispiel Bryan McGregor (KLH Chomutov), Árpád Mihály (ASC Corona Brasov), Adam Naglich (Vienna Capitals) und Colton Yellow Horn (Nippon Paper Cranes). Der wohl bekannteste Neuzugang ist Jeff LoVecchio, der aus Lillehammer kommt. Dort hat er es letzte Saison mit 58 Punkte (32/26) anständig krachen lassen. Krachen lässt er auch mal im Zweikampf, denn in 45 Hauptrundenspielen heimste er stattliche 106 Minuten ein. Mit Brandon Marino (Fort Wayne Komets) hat man sich den punktbesten Spieler der Hauptrunde der ECHL geangelt. Der 28-jährige Amerikaner hat in 72  Spielen 88 Mal (30/58) angeschrieben. Dazu kommen István Bartalis (Troja-Ljungby) und der Ungar Dániel Koger. Er spielte seit 2010 in Nordamerika und kommt von den Elmira Jackals zurück in seine Heimatstadt. Insgesamt hat man im Angriff die Abgänge wenigstens kompensiert, der Problemzone ist aber die Verteidigung. Das Ziel für die Ungarn ist sicher wieder der Einzug in die Play-offs, ob das aber zu schaffen ist, darf man bezweifeln.

HC Orli Znojmo

Bei den Tschechen hat man eine komplette Runderneuerung durchgeführt und gesteht auch gleich, dass diese noch nicht abgeschlossen ist. Denn im Laufe der Saison sollen noch ein oder zwei Verteidiger kommen. Coach Jiri Reznar ist derselbe wie im letzten Jahr und hat sich mit seinem neuen Manager Rostislav Dočekal ein neues Team aufgebaut. Goalie Sasu Hovi ist etwas überraschend bei den Abgängen zu finden, sein Nachfolger ist der Torwart des Jahres der Extraliga, Lukáš Cikánek vom HC Kladno. Dieser Wechsel darf durchaus als spektakulär bewertet werden. Weniger spektakulär sieht es in der Verteidigung aus, so wundert es nicht, dass man hier noch nachlegen will. Momentan stehen Andy Thomas, Zdeněk Blatný  und auch Michael Kolarz auf der Liste der Abgänge. Während die ersten beiden noch keinen neuen Club haben, hat es Kolarz zum SC Riessersee in die DEL2 verschlagen. Der 39-jährige Oldie und Ur-Krefelder Richard Pavlikovský ist neben Lubomír Štach die Stütze der Abwehr. Die Neuzugänge rekrutieren sich aus der zweiten tschechischen und zweiten slowakischen Liga und sind auch dort nicht die Topleute gewesen. Zum Saisonstart dürfte man in Znaim die schwächste Verteidigung der Liga haben. Im Angriff sieht es deutlich besser aus. Topscorer Adam Havlík (56 Punkte) bleibt genauso wie Ondřej Fiala, Jan Lattner, Martin Podešva oder Peter Pucher. Von den nennenswerten Zugängen ist Branislav Rehuš (Herning) mit 25 Lenzen der deutlich jüngste. Der Slowake Roman Tomas (MsHK Zilina) lässt sich von seinen 34 Jahren nicht aufhalten und schaffte letzte Saison in der slowakischen Liga 50 Punkte. Mit dem 37-jährigen Tschechen Pavel Rosa holt man sich vor allem Erfahrung ins Team. Zuletzt spielte er bei den Pelicans in der obersten finnischen Liga. In seiner Vita finden sich aber auch 36 NHL-Spiele für die Los Angeles Kings, 148 AHL-Spiele, 80 Spiele in der ersten Schweizer Liga über 200 Spiele in der jeweils höchsten russischen Liga und, und, und. Auch Znojmo gehört zu den Play-off-Wackelkandidaten, die eigentlich nur zwei Möglichkeiten haben. Entweder man verstärkt, wie angekündigt, die Verteidigung, oder man nutzt die Offensivkraft aus und schießt immer mehr Tore als man kassieren wird.

HC Tiroler Wasserkraft Innsbruck

Auf der Torhüterposition gibt es mit Adam Munro und Patrick Machreich nichts Neues, was man von den anderen Positionen nicht sagen kann. In der Verteidigung wird man von allem Marek Malík, der seine Karriere beendet hat, vermissen. Craig Switzer zog es hingegen zu den Nikko Icebucks und auch Shane Sims wird man nicht mehr sehen. Neu im Kader ist mit dem Ex-Augsburger Nick Ross, der von Asiago kommt, auch ein in Deutschland bestens bekannter Verteidiger. Topverteidiger Dustin VanBallegooie schnappte man sich von den Graz 99ers und mit dem Schweden Johan Björk ist ein weiterer Coup gelandet worden. Auch wenn er mit Malmö „nur“ in der zweiten schwedischen Liga spielte, eine +23 am Ende der Hauptrunde lassen bei einem Verteidiger aufhorchen. Im Angriff konnte man Alexander Höller und vor allem Jeff Ulmer binden, doch alleine mit den Brüderpaar Justin und Tyler Donati haben 103 Punkte den Club verlassen. Auch mit Lukáš Jurík und Luke Salazar sind zwei fleißige Punktesammler abgewandert. Zu den Neulingen gehören auch im Angriff zwei Schweden. Zum einen Andreas Valdix, der aus Oskarshamn kommt, und zum anderen Marcus Olsson aus Malmö. Viel hat er dort aber nicht gespielt, sondern verbrachte den Großteil der Saison bei den Vienna Capitals und kennt sich damit bestens in der Liga aus. Auch Kris Beech war im vergangenen Jahr für mehr als einen Club tätig. Erst im Oktober ließ er ein Tryout bei den Straubing Tigers über sich ergehen und hat dieses mit Bravour bestanden. Ende Februar wurde er dann aber an die Vienna Capitals verliehen und konnte dort die Erfahrung von sieben EBEL-Spielen sammeln. Vierter im Bunde ist Matt Siddall der mit Ritten/Renon italienischer Meister wurde und dabei insgesamt 69 Punkte beisteuern konnte. Auch hinter der Bande tat sich was, denn auf Coach Daniel Naud, der nun sein Glück bei den Ravensburg Towerstars in der DEL2 versucht, folgt Ex-KAC-Trainer Christer Olsson. Er soll die Innsbrucker erstmals ins Play-off-Viertelfinale führen. Kein Zweifel, man hat das Team nicht schlechter gemacht, doch ob das unter dem Strich reicht? Chancenlos auf die Play-offs ist man sicher nicht, aber sicher dabei ist man auch nicht.