Vorschau auf die neue EBEL-Saison (1/3)Vor dem Saisonstart

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Sapa Fehérvár AV19

Die Ungarn aus Székesfehérvár schafften es in den letzten sechs Jahren zweimal in die Play-offs und werden sich wohl auch kommende Spielzeit schwer tun. So musste Coach Jan Neliba im Sommer gehen und wurde durch Marty Raymond, der zuletzt Medvescak Zagreb trainierte, ersetzt. Damit sind die positiven Nachrichten aber auch schon fast genannt, denn die beiden Leistungsträger wanderten nach Deutschland ab. Márton Vas ist bei den Löwen Frankfurt und István Sofron bei den Krefeld Pinguinen gelandet. Zudem fängt Torhüter Adam Munro die Pucks nun in Innsbruck. Alles in allem sehr bittere Abgänge. Besonders schwierig gestaltet sich offenbar die Suche nach einem neuen Nummer-1-Goalie. Denn bisher stehen mit Bence Bálizs und Miklós Rajna nur zwei ungarische Nachwuchskeeper im Kader. Dass man mit diesen durch die Saison will, scheint eher abwegig. Auch sonst sind Neuzugänge, die aufhorchen lassen, Mangelware. Erwähnenswert wohl nur Adam Naglich, der seinem Coach aus Zagreb folgte und Colton Yellow Horn, der vom ECHL-Team Ontario Reign den Sprung über den großen Teich machte. Letzte Saison hatte er aber auch 32 Einsätze für Manchester Monarchs in der AHL. Für ihn ist es eine EBEL-Rückkehr, denn 2008/09 bestritt er bereits elf Spiele für die Salzburger. Der erfahrenste Zugang ist Verteidiger Ric Jackman. Ihn fand man bei Anyang Halla in der Asia League. Dort konnte der 35-Jährige in den letzten beiden Jahren insgesamt 97 Punkte einheimsen. In jüngeren Jahren machte er insgesamt 238 Spiele für die Dallas Stars, die Boston Bruins, die Toronto Maple Leafs, die Pittsburgh Penguins, die Florida Panthers und die Anaheim Ducks in der NHL. Mehr Spieler seiner Klasse würden gut tun, doch zuerst muss dringend ein Torwart gefunden werden.

HC Tiroler Wasserkraft Innsbruck - Die Haie

Nach dem Wiederaufstieg geht es für die Tiroler in die zweite Saison. Im ersten Jahr sprangen gerade mal zehn Siege nach regulärer Spielzeit heraus. Es ist also noch jede Menge Potenzial, sich zu verbessern. Mit Präsident Christian Kaltschmid hat Naud einen neuen Chef bekommen, der wohl auch den einen oder anderen neuen Euro mitgebracht hat. Man würde erwarten, dass es im Team von Headcoach Daniel Naud einen ordentlichen Umbruch geben würde, doch weit gefehlt. Auf dem Eis hat man sich Goalie Adam Munro vom Ligarivalen Sapa Fehérvár geangelt. Er wird mit Sicherheit klare Nummer 1 vor Patrick Machreich. Dass ausgerechnet Jon Insana einer von zwei Verteidigern ist, die nicht mehr im Team sind, deutet wohl eher darauf hin, dass er den Club verlassen wollte. Neu im Team ist der Amerikaner Shane Sims, der vom dänischen Team der Aalborg Pirates verpflichtet werden konnte und der 756-fache tschechische NHL-Spieler Marek Malík. Er ist bereits 38 Jahre alt und spielte zuletzt in Tschechien beim HC Vitkovice. Für ein Team das am Ende einer Saison auf dem letzten Platz gelandet ist, ist es sicher doppelt schmerzhaft, vier der besten Offensivkräfte zu verlieren. Bryan McGregor wechselt nach Kasachstan zu Beibarys Atyrau, Francis Lemieux zu den Graz 99ers und Aaron Fox ist nun Manager Sport beim neuen KHL-Club aus Zagreb. Center Mike Bartlett hat hingegen noch kein neues Team gefunden. Bei den offensiven Neuzugängen bediente man sich vornehmlich in Norwegen. Luke Salazar kommt von Frisk Asker und das italo-kanadische Brüderpaar Tyler und Justin Donati von Vålerenga IF. Alle drei konnten in der vergangenen Saison über 50 Punkte scoren. Beim HKM Zvolen konnte Lukáš Jurík ebenso fleißig punkten, darum darf er das nun auch in Innsbruck versuchen. Alles durchaus vielversprechend, allerdings stehen bisher nur elf Stürmer unter Vertrag. Das ist auf jeden Fall zu dünn, darum darf man gespannt sein, wie sich die Tiroler weiter verstärken werden. Trotzdem, ein Play-off-Platz dürfte nicht in Reichweite sein und wäre ein Riesenerfolg. Präsident Kaltschmid sieht das realistisch: „Wir wollen einen weiteren Schritt nach vorne machen.“

HC Orli Znojmo

Beim tschechischen EBEL-Club steht mit Jiri Reznar ebenfalls ein neuer Cheftrainer hinter der Bande. Zuletzt trainierte er den polnischen Club JKH GKS Jastrzebie und holte letzte Saison den Sieg im polnischen Pokal. Er ersetzt Martin Stloukal. Ansonsten gibt es im Team, das in sein drittes Jahr in der Liga geht, nur wenig Spektakuläres. Bemerkenswert ist jedoch, das Znojmo weitgehend auf Importspieler verzichtet. Der US-Boy Andy Thomas, der von Olimpija Ljubljana kam, ist gar der einzige Nordamerikaner. Dazu kommt der 20-jährige finnische Goalie Richard Ullberg, der von Saimaan Pallo aus der ersten finnischen Liga wechselte. Aleksandar Magovac kam aus der zweiten österreichischen Liga und ist Slowene. Geblieben sind die Slowaken Peter Pucher und Juraj Rožník. Aber das war es dann auch schon, alle anderen Spieler verfügen über einen tschechischen Pass, wobei es sich hierbei um „echte“ und nicht eingebürgerte Tschechen handelt. Stammtorhüter dürfte Jakub Čech, der zuletzt bei den Eispiraten Crimmitschau spielte, werden. Ein Teil der letztjährigen Verteidigung spielt nun in der tschechischen Liga, ein anderer hat keinen Vertrag mehr erhalten. Wenn man die Zugänge ansieht, ist der acht Jahre für Krefeld spielende, 38-jährige Richard Pavlikovský wohl die Topverpflichtung. Ob die Abwehr oder der Sturm die Schwachstelle der kommenden Saison ist, wird man sehen. Tatsache ist aber, dass man auch in der Offensive nicht zulegen konnte. Der Finne Kim Strömberg wechselte zum Liganeuling Bozen Foxes, dieser wird durch Zdeněk Blatný, der von den Vienna Capitals geholt werden konnte, ersetzt. Warum man mit dem 36-jährigen Tschechen Milan Procházka einen Stürmer holt,  der letzte Saison in der ersten und zweiten tschechischen Liga in 50 Spielen gerade einmal 14 Scorerpunkte sammeln konnte, ist eher verwirrend denn aufschlussreich. Ansonsten setzt man auf junge Nachwuchsspieler. Mit gerade einmal 23,7 Jahren, ist Znaim ein bemerkenswert junges Team. Die Play-offs zu erreichen, wäre sicher als Erfolg zu werten.

HC Bozen Foxes

Lange dachte man, dass die EBEL diese Saison mit nur elf Teams an den Start geht, doch dann meldeten sich die Südtiroler. Wenig Zeit und eine meterlange Liste, die man erfüllen muss, um auch tatsächlich in der EBEL mitspielen zu können, kamen zur kompletten Umstrukturierung hinzu. Neben all diesen Veränderungen gab es auch noch einen Trainerwechsel von Brian McCutcheon zu Tom Pokel, der zuvor als Headcoach beim HC Alleghe und der italienischen Nationalmannschaft tätig war. Torhüter Günther Hell ist einer von neun Spielern die den Ligawechsel mitmachen können. Neuer erster Keeper wird aber der Tscheche Jaroslav Hübl der aus der ersten finnischen Liga von Ilves-Hockey Oy wechselte. Viel vom letzten Kader ist also nicht mehr übrig. Unter anderen befinden sich Andy Delmore, der seine Kariere beendet hat, und Mark McCutcheon, der nun für die Norweger in Vålerenga spielt, unter den Abgängen. Bekanntester Neuverteidiger ist Matt Tomassoni, der aus Iserlohn kam. Neben dem Italiener Enrico Miglioranzi (Asiago) sicherte man sich die Dienste von den drei ECHL Spielern Joe Charlebois (Kalamazoo Wings), Dave Nicoletti (Cincinnati Cyclones) und Sébastien Piché (Greenville Road Warriors). Da im Moment nur sieben Verteidiger unter Vertrag stehen, ist damit zu rechnen, dass man hier nochmal aktiv wird. Im Sturm konnte man sich einige hochinteressante Spieler ins Team holen. So kommt Trent Whitfield von den Providence Bruins aus der AHL und soll Sturmführer der ersten Reihe werden. Mit Rick Schofield (Rochester Americans) und Matt Beaudoin (Rockford IceHogs) hat man zwei weitere AHL-Spieler. Einziger Spieler der die Liga aus der jüngeren Vergangenheit kennt, ist der Finne Kim Strömberg. Er wechselte von Orli Znojmo ins Trentino. Vom schwedischen Team VIK Västerås HK konnte man Mark Santorelli verpflichten und mit John Esposito (Cornell University/NCAA) und David Civitarese (Reading Royals/ECHL) befinden sich zwei Spieler im Try-out. Alles in allem eine spannende Mischung, die letztlich jedoch nicht so spektakulär wie angekündigt ist. Die italo-kanadische Karte konnte „nur“ viermal ausgespielt werden. Direkt nach der Ligaaufnahme wollte man auf jeden Fall in die Play-offs, wenig später hieß es, dass man um die Play-offs mitspielen will. Inzwischen wurde daraus jedoch: „Wir wollen lernen“. Die Schwachstelle scheint bisher die Defensive zu sein, darum wird man in diesem Jahr wohl einiges lernen.

Morgen stellen wir mit Dornbirn, Ljubljana, Villach und Graz die nächsten vier Teams vor.

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