Teamcheck, Teil 2: Dritter gegen „Skandal“-SechstenEBEL, Play-offs

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Den Skandal gab es bereits vor dem ersten Viertelfinalspiel zwischen SAPA Fehervar AV19 und HDD TILIA Olimpija Ljubljana, dass es so vielleicht gar nicht gegeben hätte. Ljubljanas Torhüter Matija Pintaric verließ im letzten Zwischenrundenspiel gegen Red Bull Salzburg sein Tor und schenkte den Roten Bullen damit den Sieg im Penaltyschiessen. Aufgrund dieser unsportlichen Aktion verhängte der Strafsenat der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) harte Strafen. Olimpija Ljubljana muss 10.000 Euro Strafe zahlen. Coach Hannu Järvenpää wurde wegen sportlicher Schädigung für vier Pflichtspiele gesperrt. Zwei davon musste er absitzen, für die beiden übrigen steht er nun für drei Monate unter Bewährung. Der Torwart selbst hat eine Sperre von zehn Pflichtspielen erhalten, sechs davon werden sofort verhängt, für die Restlichen vier läuft danach ebenfalls eine dreimonatige Bewährungsfrist.

Favorit: Fehervar

Sportlich dürfte kaum ein Zweifel daran bestehen dass die Ungarn aus Fehervar als Favorit in diese Serie gehen. In der Regulären Saison gewann die Mannschaft von Trainer Kevin Primeau drei der vier Spiele. Die ersten beiden klar mit jeweils 5:2, der dritte Vergleich endete mit einem 7:6. Nur das letzte Spiel konnten die Laibacher mit 4:3 für sich entscheiden. Zwei weiter Spiele, jedoch ein gleiches Bild in der Platzierungsrunde. Beide Spiele gingen an die Ungarn.

Inzwischen sind drei Runden im Viertelfinale gespielt, wobei Olimpija Ljubljana sein Heimspiel für sich entscheiden konnte. Aber auch wenn die momentane Auswärtsschwäche des SAPA Fehervar anhalten sollte, zu Hause lässt man wenig anbrennen, somit stehen die Zeichen klar auf Halbfinale für die Ungarn. Für den finnischen Cheftrainer Olimpijas, Hannu Järvenpää, ist die Situation jedoch nicht neu: „Wir stehen eigentlich seit Dezember unter Druck, deshalb ist es für uns keine besondere Ausgangslage.“

Das Problem der Laibacher ist, dass sie nur einen John Hughes in ihren Reihen haben. Der 24-jährige Kanadier, der in seiner Vita auch 26 Spiele für die Hannover Indians stehen hat, ist punktbester Spieler der Liga. In 53 Spielen konnte er 69 Punkte (22Tore/47Assits) sammeln. Doch im Viertelfinale hat auch er Ladehemmung. Anders sieht es beim Ungarn István Sofron aus. Er ist im Viertelfinale, gemeinsam mit dem Salzburger Brent Aubin und dem Klagenfurter Raphael Herburger, fleißigster Punktesammler. Sofron ist mit 34 Toren auch der treffsicherste Spieler der Liga.In Hinblick auf die kommenden Runden ist interessant, das Fehervar fünf Spieler unter den elf besten Punktesammlern platziert hat. Unterschätzen sollte man den SAPA Fehervar AV19 also nicht.

Auf der Torhüterposition herrscht eine ausgeglichene Situation. Beide Clubs haben eine klare Nummer eins, und beide haben nahezu identische Fangquoten. Auf Seiten von Ljubljana steht der Amerikaner Jean-Philippe Lamoureux im Tor und kann 92,0 Prozent der Schüssen abwehren. Für Fehervar hält der Kanadier Adam Munro zu 92,1 Prozent den Kasten sauber. Dass Lamoureux einen Gegentorschnitt von 3,01 hat liegt daran, dass er gut 400 Schüsse mehr aufs Tor bekam. Munro liegt hier bei 2,72.

Ein weiterer Fakt, der Fehervar vielleicht sogar bis ins Finale hieven könnte, ist die Fair Play Statistik. Gerade mal etwas mehr als zwölf Strafminuten pro Spiel kassierten die Ungarn. Als einziges Team ist man noch ohne Spieldauerdisziplinarstrafe. Ljubljana ist mit etwas mehr als 18 Minuten hier im Mittelfeld. Schaut man auf die Powerplay und Penalty Killig Rankings, sieht man, dass hier beide Mannschaften etwa gleichstark sind.

Aus deutscher Sicht findet man nicht nur den bereits angesprochenen Ex-Indian John Hughes, sondern auch den Slowenen David Sefic, der letzte Saison sechs Spiele für den EV Landsberg absolviert hat, im Kader von Olimpija. Bei Fehervar gibt es nur einen Spieler mit Deutschland-Vergangenheit. Der Kanadier Harlan Pratt stand in Diensten der Augsburger Panther und der Kölner Haie. Allerdings hat man mit Headcoach Kevin Primeau einen Trainer, der auch schon beim den Berliner SC Preussen und den Kölner Haien die Verantwortung trug.

Wenn man sich an die Zeit vor der Saison erinnert und die angestrebten Saisonziele zurate zieht, ist Ljubljana klar im Soll. Letzte Saison schaffte man den Einzug ins Viertelfinale, das wollte man natürlich wiederholen. Verstärkt wurde vor allem die Defensive, was sich ausbezahlt hat. Alleine die österreichischen Eishockey-Experten trauten dem Team die Play-offs nicht zu, das Team straft diese nun Lügen.

Anders die Situation in Fehervar. Die Ungarn scheiterten letzte Saison knapp an den Play-offs und wollten die Scharte dieses Jahr wieder ausgleichen. Kann man sich im Viertelfinale gegen Ljubljana durchsetzten, hat man auf jeden Fall die beste EBEL-Saison seit dem Ligabeitritt 2007 geschafft. Nach dem man im Grunddurchgang, so bezeichnet die EBEL ihre Hauptrunde, nur Rang sieben erreichte, steigerte man sich kontinuierlich. Auch wenn man im Halbfinale sicher Chancen hat, egal gegen wen, dürfte man dort das Ende der Fahnenstange erreicht haben.