Nur noch acht Stimmen fehlenBozen und die EBEL

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Wie berichtet, ließ der HC Bozen auf der Ligatagung der Lega Italiana Hockey Ghiaccio (LIHG) in Verona eine wahre Bombe platzen und teilte mit, dass sie sich nicht mehr am italienischen Ligenbetrieb beteiligen möchten und stattdessen lieber in der EBEL spielen würden. Verständlicherweise schlugen die Abwanderungsgedanken des Rekordmeisters hohe Wellen im italienischen Eishockey. Letzten Endes bekamen die Südtiroler jedoch die Freigabe des Verbandes. FISG-Präsident Giancarlo Bolognini lässt sich mit den Worten zitieren: „Der Verband hat beschlossen, Bozen die Freigabe zu erteilen, weil es die gesamte Eishockeybewegung in Italien ankurbeln kann.“ Dies war jedoch nicht das Ende, sondern vielmehr erst der Anfang einer turbulenten Woche, denn die italienische Freigabe bedeutete nicht, dass der Club in der EBEL auch aufgenommen wird. Darum reiste HCB-Geschäftsführer Dieter Knoll noch am selben Tag nach Österreich, um mit EBEL-Chef Christian Feichtinger die Details zu klären.

Als erstes wurde der Coach der italienischen Nationalmannschaft, Tom Pokel, verpflichtet. Pokel ist auch in Deutschland kein Unbekannter. So war er Co-Trainer und Trainer in Timmendorf, Trier, Bietigheim, Schwenningen und Ingolstadt. Zuletzt war er Coach des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen HC Alleghe. Das österreichische Portal hockeyfans.at meldete außerdem, dass die Foxes mit acht Legionären antreten möchten, aber natürlich die Trumpfkarte der Italo-Kanadier und Italo-Amerikaner ausspielen werden. Der angepeilte Zuschauerschnitt soll bei 2.000 Zuschauern liegen. Der Schnitt der Saison 2012/13 lag bei 1.142 Fans. Zudem berichtet hockey-news.info, dass Bozen den Etat um 60 Prozent erhöhen will und mit etwa zwei Millionen Euro kalkuliert. Das Ziel solle sein, um die Play-offs mitzuspielen.

Doch neben der Aufgabe, ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen, den Etat und in der Saison den Zuschauerschnitt zu erhöhen, hat der HC Bozen auch von der EBEL einen Packen an Arbeit auferlegt bekommen. So benötigten sie, wie alle EBEL-Clubs, eine hinterlegte Bankgarantie, um zu beweisen, dass sie den Spielbetrieb über die komplette Saison aufrechterhalten können. Außerdem muss die Infrastruktur EBEL-gerecht angepasst werden. Gegenüber Laola1.at bestätigte Christian Feichtinger, dass Bozen „eine lange Liste abarbeiten muss“.

Anfang der Woche kristallisierte sich heraus, dass bis Mittwoch (3.7.2013) 12 Uhr eine Entscheidung fallen würde. Doch der Tag verstrich und es passierte nichts. Tags darauf berichtete hockeyfans.at, dass Bozen Probleme habe, die Bankgarantie zu beschaffen. Die Zeichen standen nun eher auf Rot. Laut des Berichtes soll Bozen auch versucht haben, das Einstiegsgeld auf mehrere Spielzeiten zu verteilen. Diesen Vorschlag folgte die EBEL offenbar nicht. Zudem soll die Verbandsfreigabe lediglich für ein Jahr ausgesprochen sein. Liganeulingen schreibt die EBEL jedoch vor, eine mindestens auf drei Jahre ausgelegte Verbandsfreigabe vorzulegen. Inzwischen wurde die Ziellinie auf Donnerstag (4.7.2013) 11 Uhr verschoben. Dieser Termin wurde erst auf 12 Uhr und später auf 16 Uhr verschoben. Doch die Stunden verstrichen ohne Meldung. Stattdessen gab es mit Freitag (5.7.2013) 12 Uhr eine nächste Deadline. Ein mehrmaliges Verschieben einer Deadline kennt man vom Fall HK Acroni Jesenice vor einigen Jahren. Damals ging die Angelegenheit negativ aus.

Heute nun die erneute Kehrtwende. Verschiedene Südtiroler und österreichische Medien melden, dass der HC Bozen nun noch alle Auflagen erfüllen kann und die EBEL die Aufnahme befürwortet. Das letzte Puzzlestück ist nun, dass mindestens acht der restlichen elf Teams per Umlaufbeschluss bis Montag dem Einstieg zustimmen müssen. Etwas verzögert bestätigte auch die Liga, dass der HC Bozen alle Liga-Vorgaben akzeptiert hat. Zudem war offenbar auch noch eine Vorstandsentscheidung des HCB nötig, denn diese fand gestern statt. In dieser hat sich Bozens Vorstand mehrheitlich für eine Teilnahme an der EBEL-Saison 2013/14 ausgesprochen. Das Bozener Sportportal sportnews.bz zitiert HCB-Geschäftsführer Dieter Knoll: „Wir freuen uns auf die Erste Bank Eishockey Liga und sehen unsere Teilnahme als große Chance. Nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch im organisatorischen kommt nun sehr viel Arbeit auf uns zu.“ Und weiter: „Sportlich ist unser Ziel im ersten Jahr klar das Erreichen der Play-offs!“