Für die es knapp wirdSaisonvorauschau EBEL (1/3)

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HDD Telemach Olimpija Ljubljana

Die letzten vier Spielzeiten reichte es für die Leibacher nicht zu den Play-offs. Schlimmer noch, seit einiger Zeit scheinen die Slowenen den letzten Tabellenplatz reserviert zu haben. Bojan Zajc hatte im Club schon einige Positionen. Cheftrainer, Co-Trainer, Scout und jetzt ist er wieder Cheftrainer. Er löste im Laufe der Vorsaison den Deutschen Fabian Dahlem ab.

Dazu kommen immer wieder Gerüchte um Zahlungsschwierigkeiten. Spieler werfen dem Club immer wieder vor, nicht oder nur sehr verzögert bezahlt zu werden. Vergangene Saison waren nicht weniger als sechs Torleute lizenziert. Fünf von ihnen kamen zum Einsatz. Bisher ist nur der 19-jährige Tilen Spreitzer geblieben. Der bekannteste Abgang ist Olivier Roy, den es zum Villacher SV zog. Neu sind Jakob Raisp, der aus der INL von  Slavija Ljubljana kam und der Amerikaner Jeff Frazee. Er feierte in Dänemark mit Esbjerg Energy die Meisterschaft.

Die Flut an Spielern setzt sich in der Abwehr fort. 16 Abwehrspieler hatten 2015/16 eine Lizenz. Einige gingen schon im Laufe der Saison. Sechs von ihnen kamen auf nur fünf oder weniger Spiele. Acht kamen aber auch auf über 30 Partien. Kontinuität sieht anders aus. Gegangen ist auch Kapitän Andrej Tavželj. Er spielt nun in Frankreich bei den Ducs d'Angers und Miha Logar, er wechselte zum HDD Jesenice. Unklar ist der Verbleib von Maks Selan. Nach neuesten Gerüchten sieht es aber so, als ob er ein Jahr verlängert. Ein weiteres Jahr sind auch Boštjan Groznik, David Planko und Kristjan Čepon im Team. Aus der zweiten Finnischen Liga von Kokkolan Hermes holte man sich den 22-jährigen Letten Kristaps Bazevics. Von den Kalamazoo Wings aus der ECHL stieß der Kanadier Sacha Guimond zum Team und aus dem französischen Grenoble kam Jonathan Harty, ebenfalls Kanadier.

Im Sturm hatte man 21 Spielern eine Nummer verpasst. Stammspieler Jure Sotlar wurde nach 50 EBEL-Spielen und sieben Spielen in der slowenischen Meisterschaft verliehen und wechselte im Sommer zum HDD Jesenice. Weitere fünf Spieler verließen den Club im Saisonverlauf. Im Sommer wechselte Gregor Koblar nach Frankreich zu den Lions de Lyon. Verblieben sind Aljaž Uduč, Anže Ropret, Žiga Pešut, Nik Pem, Aleš Mušič, Gal Koren, Sebastijan Hadžić und Matej Hočevar. Dazu kommen noch einige Nachwuchsspieler die sicher wieder eine Handvoll Spiele bekommen werden. Bei einigen Spielern, wie dem niederländischen Nationalspieler Nardo Nagtzaam, dürfte es auch anderen Orts weitergehen. Dazu kommen vier Neue. Der 20-jährige Gilbert Gabor ist Schwede mit slowenischem Pass und kam von den Austin Bruins aus der NAHL. Dort konnte er 64 Punkte in 59 Spielen machen. Chris Langkow kam aus der ECHL von den Elmira Jackals und steuerte 47 Punkte in der Vorsaison bei. Aus derselben Liga holte man Raphaël Bussières von den Quad City Mallards. Der junge Austro-Slowene Adis Alagić wechselte vom Villacher SV.

Man kann nicht sagen, dass die Verantwortlichen in Ljubljana nichts tun, doch bei der unglaublichen Spielerzahl kann man die klare Line oft nicht erkennen. Zu den Favoriten zählen die Leibacher aber wieder nicht. Das Erreichen der Play-offs dürfte das Wunschdenken der Fans sein.

EC Moser Medical Graz 99ers

Der Slowene Ivo Jan geht bei den 99ers in seine dritte Saison als Coach. Er baut weiter auf sein bewährtes Torhüterduo aus den Dänen Sebastian Dahm, der wohl wieder die klare Nummer eins wird und dem Österreicher Thomas Höneckl.

Nach dem Verpassen der Play-offs in der Vorsaison wurde die Verteidigung radikal umgebaut. Den Cut überstanden haben nur Kristof Reinthaler und Clemens Unterweger. Für die beiden slowenischen Nationalspieler Sabahudin Kovačevič und Aleš Kranjc reichte es nicht mehr. Kovačevič ist noch ohne Club und Kranjc wechselte in die neue Alps Hockey Liga zum HDD Jesenice. Der 36-jährige Amerikaner Kevin Mitchell lässt seine Karriere bei den Nikko Icebucks ausklingen. Für mehr Stabilität soll nun unter anderem der aus der DEL bekannte Schwede Robin Weihager sorgen. Er kam aus Villach. Ebenfalls aus der Liga kam Sven Klimbacher von den Vienna Capitals. Der Finne Atte Pentikäinen kam aus Kärpät, machte aber von seiner „Pre-Season-Ausstiegsklausel für die DEL“ gebrauch. Brendon Nash aus der zweiten tschechischen Liga vom HC Kladno, wo er vergangene Saison 36 Vorlagen geben konnte. Kurios: Der 22-jährige US-Boy Troy Vance war eigentlich vom finnischen Erstligisten Porin Ässät gewechselt. Allerdings fiel er durch den Fitness-Test und wurde prompt wieder vor die Tür gesetzt.

Im Sturm fiel der Umbau weniger groß aus. Kyle Beach, Evan Brophey, Alexander Feichtner, Stephen Werner und Daniel Woger spielen nach wie vor an der Mur. Getrennt hat man sich von den Österreichern Roland Kaspitz der nach Frankreich zu den Lions de Lyon wechselte und Philipp Pinter der noch ohne Engagement ist. Der Däne Morten H. Poulsen setzte seine Europareise in Finnland bei den Lahden Pelicans fort. Ins Team geholt hat man dafür Oliver Setzinger aus Klagenfurt, wo er letzte Saison 57 Punkte machen konnte, Ken Ograjenše aus Epinal und Kurtis McLean, der letzte Saison bei den Vienna Capitals und den Grizzlys Wolfsburg spielte.

Abgerundet wir sowohl die Verteidigung als auch der Sturm mit jungen Nachwuchsspieler. Graz stand zuletzt 2012/13 in den Play-offs. Auch in der nun anstehenden Saison brauchen die 99ers eine große Portion Glück, um reinzurutschen. Eine Play-off-Teilnahme wäre sicher ein kleines Wunder.

Fehérvár AV19

Coach Tyler Dietrich bat Ende August um die Vertragsauflösung, was für die Ungarn ein schwerer Schlag war. Denn so kurz vor der Saison den Trainer wechseln zu müssen, ist nicht leicht. Er sollte eigentlich Hannu Järvenpää ablösen, der nun bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 coacht. Gefunden hat sich ein alter Bekannter aus der DEL. Benoît Laporte, der im März bei den SCL Tigers in der ersten Schweizer Liga seinen Hut nehmen musste, wurde Dietrichs Nachfolger.

Im Tor heißt das altbewährte Duo erneut Zoltán Hetényi und Miklós Rajna. Beide sind auch ungarische Nationalspieler.

Erhalten blieben Laporte auch die drei Verteidiger Attila Orbán, Bence Szirányi und Antonin Manavian. Ryan Martinelli versucht sich nun in der EIHL bei den Belfast Giants. Kevin Wehrs wechselte zum Konkurrenten Villacher SV. Vom DVTK Jegesmedvék ist Kalvin Sagert gekommen und Chris Owens von den Missouri Mavericks aus der ECHL.

In der Offensive sind Brance Orban, Andrew Sarauer und Dániel Koger noch wichtige Spieler da. Noch nicht offiziell, doch mit 41 Jahren dürfte die Laufbahn von Frank Banham beendet sein. Sicher weg sind Gergő Nagy (Cracovia Krakow), Csaba Kovács (MAC Budapest), Ladislav Sikorčin (Újpesti Torna Egylet), Chris Francis (Quad City Mallards) und István Bartalis, der nun in der DEL für die Schwenninger Wild Wings spielt. Auch mit den Zugängen der Ungarn kann man eine halbe Weltreise machen. János Vas kam vom HC Slavia Praha, Justin Maylan von Val Pusteria, Csanád Erdély spielte vergangen Saison in der USHL für Sioux Falls Stampede. Mit István Sofron vom Klagenfurter AC und Adam Courchaine vom HK Hradec Kralove finden sich auch zwei ehemalige DEL-Spieler im neuen Kader.

Nachdem letztes Jahr die Play-offs verpasst wurden, kann das Ziel nur sein, dort wieder hinzukommen. Die größte Verstärkung fand allerdings auf der Trainerbank statt. Fehérvár dürfte ein Kandidat für die Qualifikationsrunde sein. Dass es in der anstehenden Saison weiter geht, sollte man eher nicht erwarten.

HC Orli Znojmo

Die Tschechen sind eigentlich Dauergast in den Play-offs, trotzdem war die letztjährige Finalteilnahme eine Überraschung. Doch im und um das Team aus Mähren scheint offensichtlich zumeist gut gearbeitet zu werden. Daher ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Jiří Režna in seine viertes Jahr als Cheftrainer geht.

Er baut im Tor auch wieder auf Patrik Nechvátal. Auch der talentierte Tomáš Fučík gehört noch zu Team. Neu ist Marek Schwarz der von Bili Tygri Liberec der zuletzt an den HC Benatky nad Jizerou verliehen war. Damit hat man im Tor auf jeden Fall ein Upgrade geschafft.

Doch dann? In der Verteidigung bilden Marek Biro, André Lakos und Jan Lattner den Kern der Vorsaison. Abgewandert sind Martin Bača (HK Hradec Kralove), Antonín Bořuta (HC Zlin) und Lubomír Štach (HC Innsbruck). Als nennenswerten Zugang gibt es in der Verteidigung aber nur Sean McMonagle den man in Deutschland aus Bad Nauheim kennt. Er wechselte vom HC Bolzano zu den Tschechen.

Auch im Sturm gibt es mehr namhafte Abgänge als Zugänge. Allerdings konnte man mit David Bartoš, Jiří Beroun, Radek Číp, Peter Pucher, Jan Šeda und Roman Tomas auch einen Teil halten. Martin Podešva (HC Zlin), Ondřej Fiala (LHK Jestřábi Prostějov), Branislav Rehuš (Herning Blue Fox), Ondrej Šedivý (HC Innsbruck), Colton Yellow Horn (HC Plzen) und Corey Trivino (Torpedo Ust-Kamenogorsk) sind aber durchaus schmerzhafte Verluste. Aufgefangen sollte das durch eine illustre Mischung werden. Mit Kevin Bruijsten hat man einen 29-jährigen Niederländer aus dem französischen Amiens geholt. Dort hatte er in der Vorsaison in 29 Spielen magere acht Tore geschossen. Ebenfalls in Frankreich fand man den Tschechen Petr Kalus. Auch er machte in Grenoble nur 20 Spiele und schoss dabei sechs Tore. Vom polnischen MMKS Podhale Nowy Targ wechselte Patryk Wronka nach Mähren. Der polnische Nationalspieler schaffte 53 Punkte in 54 Spielen. Aus Sterzing schnappte man sich den 25jährigen Kanadier Adam Hughesman. Dass er die 74 Punkte aus der italienischen Liga wiederholen wird, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber er weiß offensichtlich wo das Tor steht. Das bewies er auch schon in der WHL und ECHL.

Znaim dürfte so etwas wie eine Wundertüte werden. Im Tor zwar verstärkt und ansonsten namhafte Spiele gegen solche die es werden wollen ersetzt. Jiří Režna geht sicher ein gewissen Risiko mit diesem Team ein. Als sicheren Play-off-Kandidaten sind die Tschechen aber nicht zwingend zu sehen.