Flüchten NHL-Stars vor Pagé?Verwirrung in Salzburg

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Seit den frühen Dienstagmorgenstunden nimmt das zuweilen undurchsichtige Schauspiel in der Mozartstadt seinen Lauf. Im Internet tauchten Berichte darüber auf, dass die beiden NHL-Spieler Tobias Enström (Winnipeg Jets) und David Clarkson (New Jersey Devils) nach einem Zerwürfnis mit Coach Pierre Pagé den Club verlassen haben und sich in die Heimat „abgesetzt“ haben.

Die Zeitung Kurier berichtet von kuriosen Szenen. Demnach soll Verteidiger Enström nach einem Streit mit Coach Pagé seit Dienstagfrüh auf der Heimreise sein, Stürmer Clarkson hätte dies am Dienstag auch vorgehabt.

Von Seiten des Clubs gab es nur eine Meldung in dessen Facebook-Account. „Die NHL-Spieler David Clarkson und Tobias Enström sind aus Salzburg abgereist“, heißt es dort. Dies habe „verschiedene persönliche Gründe“. Ein Grund soll sein, dass die Gespräche zwischen NHL und NHLPA wieder aufgenommen wurden und Clarkson als Mitglied der NHLPA in die Gespräche involviert ist. Jedoch kein Wort über Enströms Gründe oder einen Streit. Jedoch „der plötzliche Aufbruch ist aber auch für die Red Bulls sehr enttäuschend.“ Die Fans schenken dieser Meldung jedoch wenig glauben und fordern stattdessen den Club auf, Coach Pagé zu entlassen.

Auslöser für den Zwist soll vor allem sein, dass einige Spieler mit der Verteilung der zugewiesenen Eiszeit nicht zufrieden sind und darum das Gespräch mit Pagé suchten. So berichten die Salzburger Nachrichten: „Weil der Trainer (nach Aussage der Spieler) aber drei Tage lang keine Zeit für ein Gespräch mit dem Stanley-Cup-Finalisten Clarkson und dem 28-Millionen-Mann Enström hatte, beendeten die Legionäre ihre Tätigkeit.“

Aber Enström und Clarkson sollen nicht die einzigen sein, die lieber anderswo spielen wollen. Im Laufe des Mittwochs kreisten auch Gerüchte, dass ein dritter Importspieler den Club verlassen wird. Bisher konnte dies jedoch nicht bestätigt werden. Laut einem Bericht von sport10.at handelt es sich dabei um Tormann Alex Auld. Diesem wurde vor kurzem Bernd Brückler zur Seite gestellt. Offenbar beide gleichberechtigt, aber beide unzufrieden. Auld wurde als Nummer eins geholt und gibt sich als Zuschauer unzufrieden. Unzufrieden ist auch Brückler. Er sagte gegenüber den Salzburger Nachrichten, dass er sich auf die Nationalmannschaft  freut, da er dort zumindest spielt. Die Situation bei Red Bull möchte er jedoch nicht kommentieren.

Doch die Geschichten werden noch verwirrender. Red Bull Salzburg hat gegenüber den Salzburger Nachrichten die Abreise von Enström bestätigt, jedoch immer noch keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht. Ominös hingegen ist die Tatsache, dass man Enströms Dienstauto sucht und noch nicht gefunden hat. Über den Verbleib von Clarkson hat man keine Ahnung.

Gegen Mittag fand man in einem Blog, der sich mit den New Jersey Devils befasst, dann aber eine Wortmeldung des Vermissten. „Ich bin hierhergekommen, um zu trainieren und in Form zu kommen, aber ich bin nicht hierhergekommen, um jemandem anderen den Job wegzunehmen. Ich bin noch nicht abgereist, aber ich habe dem Team mitgeteilt, dass ich es hier genossen habe und dass das ein fantastischer Ort zu spielen ist, aber ich möchte niemandem den Job wegnehmen.“

In der EBEL werden für jeden Spieler null bis vier Punkte vergeben. Nach Ablauf der sogenannten Try-out-Phase darf jede Mannschaft in Summer nur auf 60 Punkte kommen. Diese Phase läuft am kommenden Wochenende ab und der Salzburger Kader hat acht Punkte zu viel auf dem Konto. Das bedeutet, dass mindestens zwei Spieler den Club verlassen müssen. Clarkson entkräftet aber auch die Meldungen über Streitigkeiten zwischen Spielern und Trainern: „Das alles hat gar nichts mit dem Trainer zu tun, ich habe es genossen, für diese Organisation zu spielen.“

Nun äußerte sich Coach Pagé gegenüber dem ORF: „Vielleicht hatte Enström Probleme mit unserem Training, vielleicht war es zu hart für ihn. Aber das ist unsere Ideologie hier. In Salzburg trainieren wir mehr als in Russland, in der NHL oder in Schweden. Und wir haben mit Tobias vor seiner Vertragsunterzeichnung gesprochen und haben ihm das gesagt und er meinte nur: ‚Kein Problem.‘ Und Clarkson meinte: ‚Pierre, ich bin ein Fitnessfreak und ich freue mich mehr zu trainieren.‘ Also die Arbeit kann es bei ihm nicht gewesen sein.“ Das wiederum, hört sich nun nicht nach eitel Sonnenschein an.

Dass sich Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz auch äußert, gibt der Lage eher zusätzliche Brisanz. Mateschitz gilt als medienscheu, gibt wenige Interviews und hält sich in der Öffentlichkeit eher dezent zurück. Gegenüber der Salzburger Nachrichten sagte er: „Natürlich haben wir registriert, dass es im Eishockey nicht so läuft wie geplant. Aber bei uns bekommt jeder die Chance, die Dinge wieder zu richten.“

Übersetzt man die Mateschitz-Aussage, bedeutet es wohl: Die Luft für Pierre Pagé wird dünn.