Die Eishockey-Akademie in St. PöltenDie Okanagan School und Österreichs neue Young Stars League

Genau zuhören! In St. Pölten ist die Eishockey-Akademie der Okanagan School beheimatet, die am regulären Nachwuchsspielbetrieb teilnimmt. (Foto: OHS Europe)Genau zuhören! In St. Pölten ist die Eishockey-Akademie der Okanagan School beheimatet, die am regulären Nachwuchsspielbetrieb teilnimmt. (Foto: OHS Europe)
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Tony Thiel hat schon viel erlebt. 1980 kam der Eishockey-Torhüter nach Deutschland. Der Deutsch-Kanadier spielte zuerst im Süden der Republik, für Deggendorf und Straubing. Dann ging es weiter. Preußen Berlin, Duisburger SC, EC Kassel, EV Stuttgart und noch einmal zurück nach Duisburg. Einen Mann mit so viel Erfahrung könnte es doch ins Trainergeschäft ziehen. Das tat es auch. Aber ins Rampenlicht drängt es den 56-Jährigen nicht. „Eine erste Mannschaft trainieren? Darauf habe ich keine Lust!“

Der frühere Goalie hat sich dem Nachwuchs gewidmet. Zuletzt bei den Jungfüchsen in Duisburg, aktuell bei Dinslakener Kobras. Ein Kanadier richtet seinen Blick aber stets über den Tellerrand hinaus. Kein Wunder, sind doch die Distanzen in Nordamerika ganz andere. So widmet sich Thiel auch einem anderen Projekt – einem Projekt, das vor allem in Österreich viel Anerkennung findet. Die Okanagan Hockey School.

„Wir sind die älteste Eishockeyschule der Welt“, berichtet Elias Vorlicek. Auch er ist Deutsch-Kanadier – und in Deutschland alles andere als unbekannt. Mit dem Mannheimer ERC wurde er 1980 Deutscher Meister. Und vor nicht allzu langer Zeit trainierte er auch die Jungadler. „Mit Elias habe ich einige Zeit lang in Kassel gespielt. Gegen ihn noch viel länger“, berichtet Thiel. „Er hat irgendwann Anteile an der Schule erworben.“ Das war zu einer Zeit, als Vorlicek bereits nach Kanada zurückgekehrt war. Als seine deutsche Ehefrau schwer krank wurde, kehrte er ihr zuliebe nach Europa zurück – und baute den europäischen Ableger auf. „Da hat er mich gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte“, so Thiel.

Ursprünglich in Penticton, British Columbia beheimatet begann Vorlicek, zusammen mit Partnern wie Tony Thiel zunächst Camps zu organisieren. Überall. In Deutschland, England, im Osten Europas. Dass St. Pölten in Österreich nun zur Zentrale und zum Sitz Okanagan Hockey School Europe geworden ist, ist einem Zufall zu verdanken. „Der Sohn des Präsidenten der Vienna Tigers war bei einem Camp in Eppelheim dabei. Er hat vorgeschlagen, dass ich mal nach St. Pölten kommen soll“, berichtet Vorlicek.

Heutzutage gibt es die Camps immer noch. Was besonders gut ankommt, sind die positionsspezifischen Camps: „Da wird den Jungs genau erklärt, was ein Verteidiger zu tun hat, was ein Stürmer macht, welche Laufwege es gibt“, so Thiel. „Da geht es weniger um Spielzüge. Das ist eine Sache der Vereinstrainer.“ Später gibt es dann Spiele zwischen Stürmern und Verteidigern.

Bemerkenswert ist allerdings, die seit 2008 entstanden Akademie von Okanagan in St. Pölten. Dort ist ein Sportinternat entstanden, das nicht nur von Eishockeyspielern genutzt wird. Fußball. Basketball. In der Stadt unweit von Wien werden viele Sportler gefördert. Rund 230 Studenten gibt es dort. „90 von ihnen sind Eishockeyspieler von Okanagan“, sagt Vorlicek. Unterrichtet wird auf Englisch. Jedes Jahr bewerben sich viele junge Spieler, um für die „Lower Austria Stars“ zu spielen, wie sich die Akademiemannschaften nennen und die im regulären Spielbetrieb Österreichs integriert sind. Inzwischen hat die Schule zwei U20-, eine U17- und eine U15-Mannschaft.

Zuletzt spielten die L.A. Stars in der österreichischen U20-Liga. In der neuen Spielzeit 2012/13 geht die Akademie aus St. Pölten gleich mit zwei (!) Mannschaften in der neu geschaffenen Erste Bank Young Stars League an den Start – der Nachwuchsliga der EBEL.

In Kooperation zwischen dem Österreichischen Eishockey-Verband (ÖEHV), der EBEL und dem Namenssponsor spielt der Nachwuchs der internationalen Profiliga nun in einer eigenen Spielklasse. Bis auf Neuling EC Dornbirn, der für diese Saison eine Ausnahmegenehmigung bekommen hat, sind alle EBEL-Teams mit ihrem Nachwuchs auch in der Young Stars League dabei. Die 14 Teams spielen zunächst in zwei Gruppen und kommen mindestens auf 38, einschließlich Play-offs auf bis zu 54 Spiele.

In der Gruppe A spielen der HC TWK Innsbruck, SG Red Bull Salzburg/Zell am See, SAPA Fehervar AV19, Vienna Capitals Silver L.A. Stars Prep Juniors, Black Wings Linz und HC Orli Znojmo. Die Gruppe B bilden die L.A. Stars Prep, LLZ Steiermark Süd/Graz 99ers, KHL Medvescak Zagreb, Olimpija Ljubljana Junior, Villacher SV, Klagenfurter AC und HD Mladi Jesenice. Mit Jan Bernhardt aus Mannheim und Timo Gleß aus Köln sind auch zwei Deutsche in den Akademie-Mannschaften dabei, die europäischen Auswahlmannschaften gleichen, so weitläufig ist die Herkunft der Spieler.