Der Weg zum Titel führt über Salzburg – und WienEBEL vor dem Start – Teil 3

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In unserem letzten Teil der EBEL-Vorschau geht es um die „Top-Four“. Sie sind die Kandidaten fürs Halbfinale und dürften den Titel unter sich ausmachen. Allen voran erneut Wien und Salzburg.

EC Klagenfurter AC

Die letzten beiden Jahre waren deutlich unbeständiger, als man sich das vorgestellt hatte. Zweimal keine direkte Play-off-Platzierung nach dem Grunddurchgang und nur letzte Saison über die Zwischenrunde selbige noch erreicht. Doug Mason, der auch schon angezählt war, schaffte jedoch den Turnaround und brachte den KAC vergangene Saison noch ins Halbfinale. Für Mason geht es in die zweite Saison, die erste von Beginn an, bei den Rotjacken.

Im Tor gib es nichts Neues. Pekka Tuokkola und der österreichische Nationalkeeper René Swette bilden erneut das Kärnener Duo. Allerdings muss Swette verletzungsbedingt noch mindestens einen Monat pausieren. Aktuell sucht der KAC, zumindest für die Ausfallzeit von Swette, einen weiteren Torwart. Für den 19-jährigen Thomas Stroj, der in der eigenen U20 spielt, ist die EBEL sicher noch eine Nummer zu groß. Spekuliert wird dabei auch über Bernd Brückler, der die letzte Jahre bei Red Bull Salzburg unter Vertrag stand, zur neuen Saison jedoch kein Angebot mehr erhalten hat und noch ohne neuen Arbeitgeber ist.

Auch in der Verteidigung baut Doug Mason auf Altbewährtes. Jason DeSantis, Thomas Pöck, Johannes Reichel, Martin Schumnig und Mike Siklenka werden wieder das KAC-Trikot tragen. Die Karriere beendet, aber den Club nicht verlassen hat Kirk Furey. Er ist neuer Co-Trainer. Mark Popovic (Medveščak Zagreb) und Kevin Kapstad (Leksands IF) kommen dafür ins Team. Interessant ist die Verpflichtung von Steven Strong. Er kommt aus der CIS (Canadian Interuniversity Sport) von der University of Guelph und verfügt neben seines kanadischen Passes auch über den österreichischen, da er vor 22 Jahren in Villach geboren wurde. Er ist der Sohn von Ken Strong, der insgesamt acht Jahre in Österreich spielte, sieben davon für den Villacher SV. Zudem spielte er drei Weltmeisterschaften und einmal Olympische Spiele für Österreich.

Auch im Sturm bleiben mit dem Brüderpaar Stefan und Manuel Geier, Thomas Hundertpfund, Jean-François Jacques, Thomas Koch, Jamie Lundmark und Oliver Setzinger viele Stammkräfte. Trotzdem hat man sich auf ein paar Positionen verändert. Dabei wechselt Marcel Rodman zu den Dresdner Eislöwen in die DEL2, David Schuller zum HC Innsbruck, der Finne Kim Strömberg verlässt die EBEL nach drei Jahren bei drei verschiedenen Teams wieder und  wechselt in seine Heimat zu Saimaan Pallo. Nur Luke Pither steht noch ohne neues Engagement da. Richtig viel nachgelegt hat man aber nicht. Mit Manuel Ganahl (Graz 99ers) und dem Schweden Jonas Nordqvist (Brynäs IF) fällt die Einkaufstour eher mager aus.

Im Tor hat man zwei in etwa gleichstarke Goalies, zumindest wenn beide fit sind, Mark Popovic wird die Verteidigung sicher stabilisieren und im Sturm setzt man auf Altbewährtes, obwohl es dort in der vergangenen Saison lange Zeit nicht wirklich klappte. Doug Mason wird sicher versuchen, seinen Mannen neues Selbstvertrauen einzuhauchen, was er letzte Saison ab der Zwischenrunde schon geschafft hat. Damit ist der KAC ein klarer Halbfinalkandidat.

EHC Liwest Black Wings Linz

Die Stahlstädter sind absoluter Dauergast in den Play-offs, besser noch, für das Halbfinale hatten sie zuletzt ein regelrechtes Abo. Coach Rob Daum, der auch in Augsburg gehandelt wurde, aber stets betonte, dass er sich in Linz sehr wohl fühle, startet bereits in die fünfte Saison bei den Black Wings.

Im Tor gibt es nichts Neues. Das Duo heißt weiterhin Michael Ouzas und Thomas Dechel, wobei Ouzas die klare Nummer eins ist.

Robert Lukas ist zwar schon 36 Jahre alt, aber weiterhin genauso in der Verteidigung wie Marc-André Dorion und Sébastien Piché. Verabschiedet haben sich nur Curtis Murphy, bei dem wohl das Karriereende im Raum steht, und Franklin MacDonald, der noch vereinslos ist. Dafür hat man Mario Altmann vom Villacher SV verpflichten können. Dazu kommt der aus der DEL bekannte Brett Palin, der letzte Saison in der zweiten schwedischen Liga beim Mora IK verteidigte.

Im Sturm ist der schmerzvollste Abgang sicher der von Brian Lebler, der sich nun beim ERC Ingolstadt in der DEL versucht. Matthias Iberer hat im Alter von 30 Jahren bereits komplett aufgehört, der 36-jährige Brad Moran macht bei den Nottingham Panthers weiter und Mike Ouellette ist noch auf Suche. Doch ein Großteil wie Rob Hisey, Fabio Hofer, Andrew Kozek, Philipp Lukas, Daniel Oberkofler, Patrick Spannring und der 36-jährige Jason Ulmer sind geblieben. Wenn der Coach schon nicht nach Augsburg geht, dann holt man sich wenigstens einen Spieler von dort. Dan DaSilva (Augsburger Panther) soll in Leblers Spuren wandeln. Dazu kommt mit Olivier Latendresse von den Graz 99ers zusätzliche Qualität. Mit 37 Jahren verfügt Brett McLean vom HC Lugano über eine riesige Erfahrung, die er hauptsächlich in der NHL und zuletzt in der NLA sammelte.

Viel hat sich in Linz nicht geändert, warum auch? Rob Daum hat seine Mannschaft im Griff und blieb trotz anderer Angebote dem Club treu. Wahrscheinlich hat auch das den ein oder anderen zum Bleiben bewogen. Fasst man alles zusammen, fällt es schon sehr schwer einen Grund zu finden, warum die Linzer nicht erneut ins Halbfinale einziehen sollten.

UPC Vienna Capitals

Wien hat in den letzten drei Jahren zweimal das Finale verloren. Die letzte Meisterschaft ist sogar schon elf Jahre her und stammt aus der Spielzeit 2004/05. Der aktuelle Coach kam im Laufe der vergangenen Saison und brachte wieder die verlorengegangene Ordnung zurück. Dieses Jahr kann Jim Boni schon vom ersten Eistag coachen.

Im Tor musste Boni allerdings reagieren, denn Matt Zaba hat mit 32 Jahren seine Karriere beendet. Die neue Nummer eins fand man in der Liga und lotste Nathan Lawson von Dornbirner EC in die Hauptstadt. Backup bleibt David Kickert.

Ebenfalls bleiben Jamie Fraser, Florian Iberer, Sven Klimbacher und Philippe Lakos in der erfahrenen Verteidigung. Nur Brett Carson konnte man nicht halten. Er wechselte in die erste finnische Liga zu Saimaan Pallo. Dafür konnte man aber gleich zwei gestandene Verteidiger ins Team holen. Zum einen wilderte man beim Meister und holte Troy Milam von Red Bull Salzburg und zum anderen den Villacher Top-Defender Klemen Pretnar, an dem auch DEL-Teams interessiert waren.

Im Sturm hat Jim Boni allerdings für mehr Veränderung gesorgt. Adam Naglich beendete seine Laufbahn und Top-Stürmer Kris Foucault spielt jetzt in der zweiten Schweizer Liga bei den GC Küsnacht Lions. Er kam in der vergangenen Saison auf 60 Punkte in 68 Spielen. Peter MacArthur (Graz 99ers) und Dustin Sylvester (Dornbirner EC) wechselten innerhalb der Liga. Matt Watkins zog es ebenfalls nach Finnland, allerdings zu Kouvolan Edustuskiekko. Nur Ken Magowan ist noch ohne neues Arbeitspapier. Die Verstärkungen kommen mit Matt Dzieduszycki (Grizzlys Wolfsburg), MacGregor Sharp (Schwenninger Wild Wings) und Derek Whitmore (Iserlohn Roosters) vornehmlich aus der DEL. Auch Simon Gamache (Vålerengens Idrettsforening) verfügt über DEL-Erfahrung. Kurtis McLean konnte sich in der KHL nur bedingt durchsetzen und wechselt von Medveščak Zagreb. Die Jahre zuvor war er in der ersten Schweizer und finnischen Liga jedoch ein fleißiger Punktesammler. Auf Danny Bois, Jonathan Ferland, Mario Fischer, Andreas Nödl und Rafael Rotter setzt der Coach nach wie vor.

Im Tor musste man die größte Baustelle bewältigen und hat das sehr gut gelöst. In der Verteidigung hat man sich nochmal verbessern können und auch im Sturm konnte man den Abgang von Kris Foucault sehr gut auffangen. Wien sollte diese Saison wieder von Anfang an vorne mitspielen und ein heißer Meisterschaftsanwärter sein.

EC Red Bull Salzburg

Fünf EBEL-Meisterschaften stehen in den Büchern der Salzburger. Mit Ausnahme der ersten Saison war man immer in den Play-offs. Der aktuelle Titelverteidiger ist natürlich auch in diesem Jahr ein großer Meisterschaftsanwärter. Er kam, sah und siegte – Dan Ratushny brachte die Meisterschaft nach drei Jahren ohne Titel zu den roten Bullen zurück und steht auch zu kommenden Saison wieder hinter der Bande.

Im Tor ist Luka Gračnar geblieben, Bernd Brückler hingegen erhielt keinen neuen Vertrag. Für ihn hat man einen anderen erfahrenen Österreicher geholt. Fabian Weinhandl war vergangene Saison vom Klagenfurter AC an Ritten/Renon Sport verliehen und wechselte nun zum Meister.

Auch in der Verteidigung sind mit Brian Fahey, Dominique Heinrich, Zdeněk Kutlák, Alexander Pallestrang und Matthias Trattnig die meisten noch immer beim Champion. Für Troy Milam (Vienna Capitals) und Florian Mühlstein (Villacher SV) holte man sich Brian Connelly (Leksands IF) und den WHL-Spieler Layne Viveiros (Portland Winterhawks). Der 20-Jährige, der auch über einen österreichischen Pass verfügt, ist der Sohn des aktuellen Trainers des ERC Ingolstadt, Manny Viveiros.

Im Sturm gab es sogar noch weniger Änderungen. Nur Markus Pöck wechselte zum Klagenfurter AC. Auch ihn hat man mit Benn Ferriero von den Chicago Wolves hochkarätig ersetzten können. Eine weitere Meisterschaft wollen sich Kyle Beach, Ryan Duncan, John Hughes, Konstantin Komarek, Manuel Latusa, Brett Sterling, Ben Walter und Daniel Welser sichern. Ebenfalls noch unter Vertrag, aber vielleicht doch ein Abgang ist Thomas Raffl. Er wird am Camp der Winnipeg Jets teilnehmen und dann sehen, was passiert. Dass für Raffl im „hohen Alter“ von 29 Jahren der Traum von der NHL doch noch wahr wird, darf aber nicht verwundern. Er ist nicht nur ein Arbeitstier und technisch sehr gut ausgebildet, sondern er ist auch ein zuverlässiger Punktesammler. Letzte Saison steuerte er in 65 Spielen 62 Punkte (31 Tore / 31 Vorlagen) bei.

Dan Ratushny hat eine eingespielte Mannschaft, was vor allem am Saisonanfang ein riesiges Plus ist. Dazu kommen die großartigen Trainingsmöglichkeiten in Liefering. Es gibt sicher keinen Zweifel daran, dass der Weg zum Titel auch in diesem Jahr nur über Red Bull Salzburg führt.