Das Mittelfeld der LigaEBEL vor dem Start – Teil 2

Das tschechische Team HC Orli Znojmo (in rot) und der ungarische Club Sapa Fehérvár AV19 gehören zum Mittelfeld der EBEL. (Foto: Imago)Das tschechische Team HC Orli Znojmo (in rot) und der ungarische Club Sapa Fehérvár AV19 gehören zum Mittelfeld der EBEL. (Foto: Imago)
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Nachdem wir gestern die Teams der EBEL, die es am schwersten haben werden, in die Play-offs zu kommen, beleuchtet haben, schauen wir heute auf das Mittelfeld der Liga.

Dornbirner Eishockey Club

Für die Vorarlberger geht es in vierte EBEL-Saison. Bisher schafften sie es einmal in die Play-offs und schieden im Viertelfinale aus. Letzte Saison reichte es hingegen nicht. Coach Dave MacQueen, für den es ebenfalls ins vierte Jahr bei den Bulldogs geht, musste diesen Sommer einige wichtige Spieler ersetzen.

An erster Stelle brauchte man Ersatz für Torwart Nathan Lawson, der zum Ligakonkurrenten Vienna Capitals wechselte. Seinen Platz übernimmt der französische Nationaltorwart Florian Hardy, der letzte Saison für das DEL-Team von Red Bull München spielte. Als Backup vertraut man weiterhin auf den österreichischen Jungnationalspieler David Madlener.

In der Abwehr muss man nur den Abgang von Andy Sertich (Stavanger Oilers) kompensieren, da Nick Crawford, Jonathan D'Aversa und Olivier Magnan den Club erhalten geblieben sind. Die entsprechende Verstärkung fand man in der ECHL mit Mike Caruso (Reading Royals) und Drew MacKenzie (South Carolina Stingrays).

Im Angriff sind die Umbaumaßnahmen größer ausgefallen. Weg, aber noch ohne neuen Club sind Luciano Aquino, Zdeněk Blatný und Ryan Kinasewich. Innerhalb der Liga wechselten Guillaume Desbiens (Olimpija Ljubljana) und Alexander Feichtner (Graz 99ers). Andy Bohmbach hingegen ist zu den Nottingham Panthers auf die Insel gewechselt. Doch nicht alle sind gegangen, mit Jamie Arniel, Chris D'Alvise, Martin Grabher-Meier, Nikolas Petrik konnte man ein Handvoll guter Spieler halten. Das neue Sturmpersonal hat man großteils in der EBEL gefunden. Dustin Sylvester (Vienna Capitals), Matt Siddall (HC Innsbruck) und Marek Zagrapan (Graz 99ers), doch auch einen DEL-Spieler konnte man in die zehntgrößte Stadt Österreichs locken. Kyle Greentree von den Schwenninger Wild Wings will in der EBEL wieder bessere Tage erleben. Zu guter Letzt holte man mit James Livingston (Idaho Steelheads) noch einen Mann aus der ECHL.

Auf den Abgang von Nathan Lawson hat man recht gut reagiert, doch ob Florian Hardy das Loch füllen kann, muss er erst noch beweisen. In der Abwehr dürfte man sich leicht verbessert haben und im Sturm bietet der sich schmerzvolle Abgang von Luciano Aquino einige Möglichkeiten. Der wichtigste Aspekt dabei ist, dass man deutlich schwerer auszurechnen sein wird und wenn Kyle Greentree an seine Leistungen in Basel und Zagreb wieder anknüpfen kann, hat man ein echtes Pfund. Eine Play-off-Teilnahme würde nicht überraschen.

HC Orli Znojmo

Bei den Tschechen setzt man auf Kontinuität. Beständig sind auch die bisherigen Erfolge in der EBEL. Sechsmal in Folge schaffte man es ins Viertelfinale. Coach Jiří Režnar geht in seine dritte Saison mit Znaim und änderte nur das Nötigste. Allerdings hat er auch eine Baustelle, die noch nicht geschlossen ist.

Torwart Chris Holt wechselte in die EIHL zum Braehead Clan und behauptet, dass der Club ihm noch Geld schulde. Znojmo reagierte darauf mit der Meldung, das Holt seine Ausrüstung im Wert von 4.000 Euro mitgenommen habe und man ihm deshalb von seinem letzten Lohn 2.000 Euro einbehalten hat. Was aber in Hinblick auf die nächste Saison schwerwiegender ist, ist, dass man bisher noch keine starke Nummer eins geholt hat. Bisher stehen nur die beiden jungen Tschechen Tomáš Fučík und Patrik Nechvátal im Kader. Fučík spielte letztes Jahr in der Nachwuchsliga MHL und Nechvátal spielte in der dritten tschechischen Liga und hat selbst dort keine berauschenden Leistungen gezeigt.

In der Defensive verabschiedete man den inzwischen 40-jährigen Richard Pavlikovský. An Aufhören denkt dieser aber noch nicht und spielt nun für HK Dukla Trencin in der slowakischen Extraliga. Im Verhältnis dazu ist Jakub Grof mit seinen 34 Lenzen ein Jungspund. Er wechselt zu HC Prerov in die zweite tschechische Liga. Der ehemalige Hannoveraner und aktuelle lettische Nationalspieler Māris Jass ist hingegen noch auf Vereinssuche. Die Tschechen Martin Bača, Antonín Bořuta und Lubomír Štach bilden das Abwehrgerüst für die neue Saison. Verstärkung erhalten sie von Marek Biro, der vom slowakischen HC Banska Bystrica kam. Mit Ondřej Šťáva holte man von der U20 von BK Mlada Boleslav ein hoffnungsvolles Talent, das allerdings erst das Try-out überstehen muss.

Große Änderungen gab es auch in der Abteilung Attacke nicht. David Bartoš, Jiří Beroun, Radek Číp, Ondřej Fiala, Jan Lattner, Martin Podešva, Peter Pucher, Branislav Rehuš, Jan Šeda und Roman Tomas sind schon mal eine ausgezeichnete Grundlage. Man muss nur Adam Havlík (HC Pardubice) und Pavel Rosa, der seine Karriere beendet hat, ersetzen. Bisher hat man das mit dem EBEL-erfahrenen Colton Yellow Horn getan. Er machte letzte Saison 59 Punkte (21 Tore / 38 Vorlagen) bei den japanischen Nippon Paper Cranes.

Wer sechsmal infolge im Viertelfinale steht, will mindestens wieder dorthin. Obwohl man im Tor sicher noch eine große Baustelle hat, läuft es in der Vorbereitung sehr gut. Trotzdem kann man sich nur schwer vorstellen, dass man mit zwei unerfahrenen Nachwuchstorleuten in die neue Saison geht. In der Defensive hat man sich etwas verjüngt und im Sturm bleibt vieles, wie es war. Die Play-offs sind fest gebucht.

EC Villacher SV

Seit dem die „Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG“ zur Saison 2003/04 das Ligasponsoring übernahm, verpassten die Kärntener nur einmal die Play-offs. Auch zuvor war man stets in den Ausscheidungsrunden und sogar sechsmal in Serie im Finale. In Sachen Trainer geht der Finne Hannu Järvenpää in sein viertes Jahr beim VSV.

Im Tor verabschiedete sich Thomas Höneckl, der bei den Graz 99ers auf mehr Einsätze hofft. Nach wie vor klare Nummer eins ist Jean-Philippe Lamoureux. Lukas Herzog ist sein Backup und damit um einen Platz nach oben gerutscht.

Im der Abwehr muss man hingegen neue Wege gehen. Mario Altmann verschlägt es zu den Black Wings Linz, Klemen Pretnar, der kurz auch ein Thema in der DEL war, wechselte zu den Vienna Capitals. Geoff Waugh setzt seine Karriere bei den Nottingham Panthers fort und Cole Jarrett geht nach Asien zu den Tohoku Free Blades. Der 39-jährige Gerhard Unterluggauer macht hingegen bei den Villacher Adlern weiter. Die neuen Verteidiger können sich aber sehen lassen. Matt Kelly konnte man von den Graz 99ers loseisen. Andy Canzanello kam von den Straubing Tigers aus der DEL und Florian Mühlstein vom Meister Red Bull Salzburg. Die restlichen Plätze besetzt man mit jungen Nachwuchskräften.

Im Sturm sind mit Eric Hunter, Brock McBride und Mark Santorelli zwar drei wichtige Spieler geblieben, doch es gibt auch Abgänge zu vermelden. Am schwersten wiegt wohl der von François Fortier, den es zum Ausklang der Karriere in die unterklassige LNAH zu den Jonquière Marquis verschlagen hat. Marco Pewal hat mit 36 Jahren seine Karriere beendet. Jason Krog geht nach Frankreich zu den Dragons de Rouen, John Lammers zum HC Innsbruck und nur der 35-jährige Darren Haydar ist noch ohne neuen Club. Hier drängt sich natürlich der Verdacht des Karriereendes auf. Die Nachfolger kommen vor allem aus der EBEL. Mit Žiga Pance und Rick Schofield hat man gleich ein Duo vom HC Bolzano verpflichtet. Miha Verlič fand man bei den Graz 99ers. Nur Dustin Johner kommt vom VIK Västerås HK aus der zweiten schwedischen Liga.

Der Play-off-Stammgast setzt im Tor auf Altbewehrtes, dafür geht man in der Verteidigung ein gewisses Risiko. Hier würde vielleicht ein weiterer etablierter Defender helfen. Im Sturm ist man nach wie vor gut besetzt und hat sich von einigen älteren, dafür aber sicher überdurchschnittlich bezahlten, Spielern getrennt. Die Nachfolger sind dabei sicher keinen Deut schwächer. Von daher schielen die Villacher auf die Play-offs. Allerdings läuft es in der Vorbereitung alles andere als rund.

Sapa Fehérvár AV19

Viertelfinale oder nix! Das sind die Ungarn seit sie in der EBEL spielen. Coach Rob Pallin steht bereits die dritte Saison hinter der Bande. Anfangs als Co-Trainer, seit letzter Saison als Chef.

Für den abgewanderten Goalie Christian Engstrand (Espoo Blues) hat man niemanden verpflichtet, stattdessen sieht es momentan so aus, dass man den gebliebenen Zoltan Hetényi und Miklós Rajna das Vertrauen schenkt.

Die Hintermannschaft verlassen hat der ehemalige DEL-Verteidiger Johan Ejdepalm, der zu den Belfast Giants in die EIHL gewechselt hat. Auch Michael Boivin ist nicht mehr Teil der Mannschaft, er hat jedoch noch keinen neuen Club. Die Nachfolger hat man in Deutschland gefunden. Vom DEL-Vizemeister ERC Ingolstadt kam Aaron Brocklehurst und von den Fischtown Pinguins aus der DEL2 wechselte Ryan Martinelli nach Székesfehérvár. Weiterhin stehen Attila Orbán, Bence Szirányi und Kevin Wehrs unter Vertrag.

Genauso wie die Stürmer Frank Banham, Andrew Sarauer, István Bartalis, Dániel Koger, Csaba Kovács und Ladislav Sikorčin. Eigentlich gibt es mit Brandon Marino (Brampton Beast) nur einen nennenswerten Abgang in der Offensive. Zudem wechselte der junge Csanád Erdély zu den Sioux Falls Stampede in die USHL. Dafür kaufte man kräftig in der ECHL ein. Judd Blackwater (Ontario Reign), Brendan Connolly und Chris Francis (beide Alaska Aces) und Gergő Nagy (Kalamazoo Wings) sind die neue Verstärkung. Nur Tihamer Becze kommt von Miskolci Jegesmedve JSE aus der MOL Liga. Alle machten in ihren Ligen deutlich über 50 Punkte.

Die neue Verantwortung für Zoltan Hetényi ist eine große Herausforderung. Er war letzte zwar im Club, hat aber kein Spiel in der EBEL bestritten hat. In der Verteidigung hat sich wenig geändert und doch dürfte man sich leicht verbessert haben. Im Sturm konnte ein sehr solider Grundstamm gehalten werden und auch hier sollte man unterm Strich noch besser geworden sein. Fehérvár muss einfach nur das zeigen, was sie letztes Jahr gezeigt haben. Diesmal wäre man aber nicht mehr die Überraschung der Liga, sondern würde die starke Leistung bestätigen.