Die Außenseiter auf Play-off-KursNationalliga A

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Böse Zungen behaupteten jahrelang in der Schweiz, die einzige Tabelle, in der der HC Ambri vorne stehen würde, wäre das Alphabet. Tatsächlich lagen die Tessiner noch in einer weiteren Tabelle weiter vorne und zwar bei den Schuldenkönigen. Zusammen mit den Kloten Flyers konnten sie dem Finanztod in letzter Sekunde von der Schippe springen und nicht wenige Auguren der NLA behaupteten, dass beide Vereine sich auf Grund ihrer Spielerabgänge wohl mehr oder weniger in den Play-outs wieder finden würden.

Vier Wochen nach Saisonbeginn kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass genau das Gegenteil eingetreten ist. Vor allem beim HC Ambri-Piotta kommen die Experten aus dem Staunen nicht mehr raus. Nach dem guten Start brachten es die Ambri-Cracks auf fünf Siege in sieben Partien und damit katapultierten sie sich auf Rang Vier. Damit hätten sie in der ersten Play-off-Runde sogar Heimrecht. Der allseits beliebte Trainer Serge Pelletier hat aus seiner Truppe einen ernsthaften Anwärter auf einen der ersten sechs Plätze gemacht und das, obwohl Starverteidiger Kutlak das Team in Richtung Bratislava verlassen hat und sein legitimer Nachfolger, Maxim Noreau ebenfalls wegen einer Verletzung ausfällt. Der in der Verteidigernot von Jokerit Helsinki ausgeliehen Markus Nordlund ist jedenfalls ein 90-prozentiger Ersatz, da er sein Ziel weniger im Erreichen von Scorerrekorden sieht sondern, skandinavisch kühl, in reiner Verteidigerarbeit. Vorne glänzen Richard Park und Inti Pestoni und natürlich Alexander Giroux. Auch wenn Ambri zuletzt 0:1 gegen Genf verloren hat, man muss dieses Team im Auge behalten.

Die zweite Überraschung kommt aus Kloten. Die Flyers setzten zum Höhenflug an und machen keinerlei Gestalten, den Platz an der Sonne freiwillig zu verlassen. Die Flyers spielen nervenstark, vor allem auswärts und sehr konstant. Niederlagen, wie das heimische 1:4 gegen Lugano werden weggesteckt und auch beim 0:3 in Bern spielte man Ressourcen sichernd. Dafür gab es drei Auswärtssiege mit nur einem Tor Differenz (1:0 in Davos, 2:1 in Zug und 3:2 in Rapperswil). Das man auch das Offensivspektakel liebt, zeigte das Team des Altinternationalen Felix Hollenstein beim 7:5 gegen Zug, als man sieben Minuten vor Schluss noch 4:5 zurücklag, um dann in einem sensationellen Endspurt mit drei Toren in drei Minuten noch zu gewinnen.

Dritter im Bunde der führenden Teams ist der Vorjahresvorrundenmeister HC Fribourg Gotteron. Die Westschweizer hätten eigentlich am heutigen Tage auf Rang 1 stehen müssen, aber sie leisteten sich ausgerechnet gegen das Schlusslicht Rapperswil Lakers eine peinliche 3:6-Schlappe. Dabei hatten die Fribourger in den letzten Wochen sehr konstant gespielt, zu Hause drei 3:2-Siege in Folge eingefahren und bis auf ein 3:6 in Davos mit drei Auswärtssiegen geglänzt.

Auf Rang Zwei steht ein erwarteter Altmeister. Der HC Davos gewinnt seine Heimspiele, zum Teil deutlich (7:1 gegen Biel) und nur auswärts sollte die Sturmschwäche abgestellt werden. Dann winkt der berühmte Platz an der Sonne.

Wieder an die Spitze herangekämpft hat sich der Meister von 2012, der Zürcher SC. Auswärts mäßig, zuhause eine Macht. Die letzten fünf Partien konnten durchweg gewonnen werden und stellenweise klar. Lediglich im 179. Derby gegen die Flyers vor 8.700 Zuschauern musste beim 4:3 gezittert werden.

Mit einem Rückstand von sechs Punkten auf Zürich belegt einer der Geheimfavoriten nur Rang Sechs. Servette Genf muss noch in die Saison komplett hinein finden. Allerdings scheint man den richtigen Weg eingeschlagen zu haben mit der Stärkung der Defensive. Ein erstes Anzeichen könnte das 1:0 in Ambri gewesen sein. Auswärts kassierte man zuletzt in vier Spielen nur sechs Gegentore, traf aber auch nur fünf Mal. Wenn dieses Manko ausgemerzt wird, dann sollte einem Aufschwung nichts mehr im Wege stehen.

Mit 19 Punkten zieht Aufsteiger HC Lausanne Rang sieben. Eigentlich könnte man am Genfer See zufrieden sein, aber die letzten Spiele haben Sorgenfalten auf das Gesicht von Präsident Patrick de Preux entstehen lassen. Von sieben Spielen konnten nur zwei  Partien siegreich gestaltet werden, und ausgerechnet beide gegen den Rivalen vom Genfer See, Servette. Mit 2:1 und 4:1 war der HCL erfolgreich, aber ansonsten traf man das Tor nicht. Im Schnitt nur 1,5 Tore pro Spiel sind eindeutig zu wenig und Trainer Heinz Ehlers muss ihr wohl den Hebel ansetzen, wenn es wieder nach oben gehen soll.

Auf den Rängen Acht bis Elf tummeln sich mit 18 bzw. 17 Punkten der EV Zug, Titelverteidiger SC Bern, der EHC Biel sowie der HC Lugano. Bis auf Biel hatte man die restlichen drei Vertretungen deutlich oberhalb der Tabelle vor der Saison eingeordnet. Allerdings muss man Bern und Lugano zugutehalten, dass beide Mannschaften mehrere verletzte Stammspieler zu beklagen haben und das dieser Ausfall doch schwerer wiegt als erwartet.

Platz Zwölf hat zurzeit und wohl noch einige Weile der Klub vom Züricher See, die Rapperswil Lakers inne. Nach acht Niederlagen in Folge ist es kein Wunder, dass die Lakers das Tabellenende zieren und ob der 6:3-Erfolg von Fribourg verborgene Kräfte wecken kann, darf bezweifelt werden. Besonders die fatale Heimschwäche im Oktober (2:3 gegen Kloten, 0:5 gegen Ambri, 3:6 gegen Zürich und 2:4 gegen Bern) brachte die Fans in Wallung. Erste Konsequenzen: Niklas Danielsson wurde von Lev Prag verpflichtet, der scorerstarke, aber defensivschwache Roby Earl wurde freigestellt. Ob es hilft, wird man sehen.