Eishockey-Nationalmannschaft: Mehr Charakter gefordertDas DEB-Team nach dem Deutschland-Cup

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Besonders auffällig: Der Nationalmannschaft gelang es nicht, die starke Druckphase zu Beginn über die Dauer des Spiels aufrecht zu erhalten. Stattdessen wurden die US-Boys immer stärker und spielten ihre individuelle Klasse aus. „Man muss auch einfach neidlos anerkennen, dass die Amerikaner besser waren“, gab Patrick Hager (ERC Ingolstadt) nach dem 4:7 neidlos zu Protokoll.

Dabei war bei der „Mission Titelverteidigung" alles für ein Happy End gerichtet: Eine ausverkaufte und stimmungsvolle Olympia-Eissporthalle, der 2:0-Sieg vom Vortag gegen die Slowakei im Rücken sowie viele kleine Privatduelle zwischen den Clubspielern hüben wie drüben auf dem Eis. Doch es wurde nichts daraus, weil die zunächst stark startenden Gastgeber nach und nach die Kontrolle über das Spiel aus der Hand gaben - und den technisch wie läuferisch auftrumpfenden Amerikanern so das Zepter überließen. 

Dass es für die deutsche Auswahl am Ende nicht zum Turniersieg reichte, lag aber nicht allein an der Niederlage gegen die US-Boys. Auch in der Auftaktpartie gegen die Schweiz (2:3 n.P.) startete die Nationalmannschaft stark, zeigte sich in der Folge aber phasenweise zu unkonzentriert. Gerade international aber darf man sich keine Schwächephasen erlauben. 

Stabile Defensive und geradliniges Angriffsspiel

Beim 2:0 am Samstag gegen die Slowaken am Samstag wurde das von Cortina vorgegebene System (stabile Defensive und geradliniges Angriffsspiel) dagegen vorzüglich umgesetzt: Alle Mannschaftsteile harmonierten perfekt, Grund zur Klage gab es keine. 

Dagegen wechselten sich Hochs und Tiefs im Duell gegen Team USA wieder ab: „Wir haben gesehen, wo wir stehen und woran wir noch arbeiten müssen", meinte Cortina: „Es war eine gute Woche. Wir haben zwei gute Spiele gemacht und uns weiterentwickelt.“

Dennoch zeigte sich der Bundestrainer von seiner jungen Truppe angetan, attestierte ihnen Kampfgeist und Moral. Keiner der Spieler, die verletzungsbedingt vor dem Turnier absagen mussten, hätten einen Bonus, einfach wieder zurück in das Aufgebot zu gelangen. 

Christoph Ullmann, einer der Leitwölfe im DEB-Team unterstrich: "Jeder muss seine Rolle im Team annehmen. Auch wenn sie nicht mit dem seines Heimat-Teams identisch ist!". Gerade bei den Tugenden der Deutschen, dem defensiv und körperlich ausgerichteten Spiel. Wahrscheinlich ein Indikator dafür, dass oft die besten Deutschen in der DEL ihr Potenzial im Nationalteam nicht abrufen können. 

So sollte Pat Cortina bei seiner nächsten Nationalmannschsafts-Kader-Auswahl nicht nur die Talent-, sondern auch die Charakterfrage stellen.