Der Fisch mit der Japan-Fahne

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Er trägt sie stolz: Wolfgang Fischer, Betreuer der Mannheimer Jungadler,

ist an diesem Tage von Kopf bis Fuß auf Japan eingestellt. Die Mannschaftsjacke

kleidet ihn gut und außerdem hat er die Jungs ins Herz geschlossen. Die flitzen

derzeit eine Woche über Mannheims Eis und bereiten sich auf die

B-Weltmeisterschaft in Polen vor. Mit an Bord, wenns am Sonntag losgeht: Der

Deutsche, den alle liebevoll Fisch nennen.


Seit 32 Jahren ist er Betreuer, 24 Jahre in seiner Heimat Selb, danach bei

den Jungadlern. Und zu den Japanern ist er gekommen wie die Jungfrau zum Kinde.

Bei einer WM baten die Asiaten um Hilfe bei den anderen Jugendteams. Insgesamt

gibts in ganz Japan zwei Eishockeybetreuer für solche Einsätze und die ziehen

meist mit dem A-Team. Auf gut Glück fährt man in die Fremde und hofft auf

nachbarschaftliche Hilfe anderer.

 

Was sich in diesem Fall als Glück erwies. Denn Fischer sagt nicht nur ja

zur kurzen Hilfe, er blieb auch dabei und betreut, so es seine Zeit erlaubt, die

Nationalteams, die aus Japan nach Europa kommen. Zwar ist es nicht ganz leicht,

sich zu verständigen, die japanischen Jungs sprechen praktisch kein Englisch,

die Offiziellen haben einen ziemlichen Akzent, aber, grinst Fischer, wozu gibt

es Hände und Füße. Er jedenfalls fühlt sich heimisch, ist gerne mit von der

Partie, organisiert alles zwischen Eiszeit und Mahlzeiten, ist auch mittendrin,

wenn die Truppe in einem Hotel unterkommt an den jeweiligen Spielstätten.


Schlittschuhtechnisch seien die Japaner schon super, sagt er, mit dem

Stock könnten sie noch etwas üben. Und er wundert sich, wie klein und leicht die

unter 18-Jährigen diesmal seien. Das kann dann ein 1,92 Meter Mann auch nicht

mehr rausreißen.

 

Eishockey, sagt Trainer Hiruaki Sasaki, sei nicht eben der Nationalsport in

Japan, aber in Hokaido, wo 90 Prozent der Cracks herkommen, schreibe man den

Kufensport riesengroß. Immerhin. Und zwei der Jungs spielten in Kanada. Und dann

holt er Yuhei, der natürlich Englisch spricht. Ein Scout hat den heute

17-Jährigen nach Übersee geholt und ihm gefällt es gut dort. Die Mama zu Hause

habe schon Sehnsucht nach ihm, sagt er, schließlich sei er auch noch Einzelkind,

aber er freut sich über die Chancen, die sich ihm im Eishockeyland Kanada

bieten.


Am Sonntag fährt die Truppe - mit Wolfgang Fischer natürlich- nach Polen.

Dort treffen die Jungs auf Dänemark, Norwegen, Polen, England und die Ukraine.

Wie sie da wohl bestehen können? Trainer und Crack lächeln geheimsnisvoll: "Das

wissen wir noch nicht." Und dann sagen sie noch ein Lob für Wolfgang Fischer:

"Der ist einfach super, wir sind so froh, dass wir ihn getroffen haben." Das

gilt umgekehrt genauso, und Fisch wird wieder mitfiebern mit seinen Jungs aus

dem fernen Land, wie er das bei den Jungadlern auch tut.

Angelika von Bülow

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