„China sollte man niemals unterschätzen“Joachim Ziesche berichtet über die DDR-Länderspiele gegen China

Joachim Ziesche als Trainer der Eisbären Berlin währen eines DEL-Spiels im Jahr 1995. (Foto: dpa/picture alliance)Joachim Ziesche als Trainer der Eisbären Berlin währen eines DEL-Spiels im Jahr 1995. (Foto: dpa/picture alliance)
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Schon 1960 hatte sich die Nationalmannschaft der DDR auf den Weg nach China gemacht. „Einen Teil der Reise haben wir damals mit dem Zug absolviert. Das dauerte eine Nacht und einen Tag“, erinnert sich Ziesche. „Wir haben ein 14-tägiges Trainingslager in China und auch einige Spiele absolviert. An die einzelnen Ergebnisse kann ich mich nicht mehr erinnern – wir haben aber alle Partien eindeutig gewonnen“, berichtet der 80-Jährige. Tatsächlich ist das so eine Sache mit DDR-Länderspielen. Die Auswahl hat neben den großen Turnieren zahlreiche Reisen und Spiele absolviert – und nicht alle haben es in mehr oder wenige offizielle Statistiken geschafft. Also geht es ab in ein Online-Archiv der Staatsbibliothek Berlin: Dort findet sich unter anderem die archivierte Berliner Zeitung, die berichtet, dass es am 17. Januar 1960 zunächst mit dem Flieger losging. Vier Jahre zuvor war bereits eine chinesische Studentenauswahl in der DDR zu Gast und absolvierte Freundschaftsspiele gegen Mannschaften der DDR-Oberliga. Beim Gegenbesuch von 1960 spielte die DDR-Auswahl allerdings nicht gegen die chinesische Nationalmannschaft, sondern gegen Regionalauswahlen. Zunächst gab es ein 3:0 gegen die Auswahl von Harbin, dann ein 5:1 gegen die Provinzauswahl von Heilongjiang, ehe die Reise mit einem 12:1 gegen die Auswahl von Peking endete. Allerdings soll dies das vierte Spiel der Reise mit einem Gesamttorverhältnis von 40:2 gewesen sein – hieße also, ein bemitleidenswerter Gegner wurde mit 20:0 vermöbelt. Wer das war, findet sich in der damaligen Berichterstattung nicht wieder. Aber es war voll: So berichtet die Berliner Zeitung, dass die ersten beiden Spiele gegen Harbin und Heilongjiang von insgesamt 13.000 Zuschauern verfolgt worden waren.

Zweite Reise 1984 – diesmal „echte Länderspiele“

„Als wir 24 Jahre später, also 1984, erneut in China waren, war bereits zu bemerken, welchen Fortschritt die Chinesen gemacht hatten“, berichtet Joachim Ziesche. Damit meint die Trainerlegende nicht nur das Sportliche. „Wenn man sieht, wo China heute steht, muss man sagen, dass dies schon damals seinen Anfang genommen hat.“ An die Gastfreundschaft kann sich Ziesche noch bestens erinnern. „Sie haben wirklich versucht, uns jeden Wunsch zu erfüllen“, berichtet er. „Wir haben natürlich versucht, das nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen.“ Zwei chinesische Betreuer kümmerten sich um die DDR-Mannschaft. „Die beiden waren äußerst bemüht und sprachen sehr gut Deutsch, weil sie in Berlin an der Humboldt-Universität studiert hatten“, so Ziesche. An eine Bitte kann sich der Nationaltrainer aber noch gut erinnern: „Das Essen war wirklich ein Problem für uns – es war halt so gewürzt, wie es die Chinesen für sich gewohnt waren. Als wir darum baten, es etwas ‚europäischer‘ zu würzen, haben sie sich alle Mühe gegeben, dass es uns schmeckt.“

Auch bei dieser zweiten Reise gab es gemeinsame Trainingseinheiten der DDR- und der chinesischen Mannschaft. „Die Spieler, das weiß ich noch sehr gut, waren ungeheuer wissbegierig. Sie haben viel aufgenommen“, so Ziesche. „So ähnlich war das auch drei Jahre später bei unserer Reise nach Nordkorea.“ Diesmal gab es dann auch offizielle Länderspiele, die die DDR in Peking mit 10:3 und 7:4 gewann. „Mit Blick auf Olympia 2022 kann ich nur sagen, dass die deutsche Mannschaft sicher favorisiert sein wird, aber dass man die chinesische Mannschaft, erst recht im eigenen Land, niemals unterschätzen sollte. Man weiß auch nicht, was China in den nächsten zwei Jahren noch auf die Beine stellen wird, um mithalten zu können“, schätzt Ziesche die Leistungsfähigkeit der kommenden Olympia-Gastgeber.

Damals gab es übrigens noch ein kulturelles Programm – rund um die Reise von 1984. „Wir haben den Kaiserpalast gesehen, die Große Mauer und vieles mehr. Das war eine tolle Reise“, sagt Ziesche.

20 Tore in einem B-WM-Spiel

Zweimal standen sich die DDR und China im Rahmen einer B-WM gegenüber. 1982 gewann die DDR in Klagenfurt mit 13:7 gegen die Chinesen. „Das ist wie so oft in solchen Spielen. Man warnt davor, Gegner, denen man sich überlegen glaubt, nicht zu unterschätzen. 13 Tore sind ja völlig okay – aber du kannst dann einfach nicht sieben Gegentore bekommen. Aber immerhin haben wir uns dennoch nicht blamiert, sondern sicher gewonnen“, so Ziesche.

Auf Olympia freut sich Joachim Ziesche merklich – denn seine Erinnerungen an 2018 sind noch frisch. „Die Jungs waren näher an Gold, als man es sich jemals erträumt hätte. Und Silber ist einfach eine große Sensation“, sagt der frühere DDR-Nationaltrainer.

Die Spiele gegen China in der Statistik

Insgesamt spielte die DDR sechsmal gegen China – und gewann alle Partien mit einem Gesamttorverhältnis von  54:19. 1982 waren die Chinesen in (Ost-) Berlin zu Gast, dieses Freundschaftsspiel ging mit 6:4 an die DDR. 1984 gewann die DDR im Rahmen eines Turniers in Grenoble mit 13:3 und bei der China-Reise im gleichen Jahr mit 10:3 und 7:4. Bei der B-WM 1982 in Klagenfurt setzte sich die DDR mit 13:7, bei der B-WM 1987 in Canazei mit 5:1 durch.

Zwei westdeutsche Begegnungen mit China gab es dann doch. Im Dezember 1978 nahm die westdeutsche Junioren-Nationalmannschaft an einem Turnier in Peking teil und unterlag der chinesischen A-Nationalmannschaft mit 2:3. Am 10. März 1979 traf der damalige Zweitligist Duisburger SC in Nordhorn auf China und gewann mit 5:3.

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