Briza oder Reindl: Wer wird neuer Präsident des Eishockey-Weltverbands?IIHF-Kongress in St. Petersburg

DEB-Präsident Franz Reindl möchte sich in St. Petersburg zum mächtigsten Mann im Welteishockey wählen lassen. (dpa / picture alliance / Sven Simon)DEB-Präsident Franz Reindl möchte sich in St. Petersburg zum mächtigsten Mann im Welteishockey wählen lassen. (dpa / picture alliance / Sven Simon)
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Insgesamt fünf Kandidaten stehen den Teilnehmern des turnusmäßigen Halbjahres-Kongresses der IIHF in St. Petersburg an diesem Wochenende zur Wahl: DEB-Präsident Franz Reindl, der Tscheche Petr Briza, der Franzose Luc Tardif, der Däne Henrik Bach-Nielsen und der Weißrusse Sergej Gontcharov. Sie alle streben das höchste Amt Welteishockey an. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Franz Reindl und Petr Briza, der in Deutschland kein Unbekannter ist. Er wechselte 1993 mit 28 Jahren aus dem finnischen Rauma nach Landshut und wurde dort zur absoluten Kultfigur. 1999 kehrte er in seine Heimatstadt Prag und gewann dort mit Sparta zwei Meisterschaften. Mit über 40 Jahren beendete er 2006 seine glanzvolle Karriere, in der er neben zahlreichen indivuellen Auszeichnungen mehrere Medaillen bei Weltmeisterschaften und olympischen Spielen gewann.

Sollte es tatsächlich auf einen Zweikampf der beiden hinauslaufen, wäre das eine wichtige Weichenstellung für den Verband: Während Briza, der nach seiner aktiven Laufbahn bei Sparta als General Manager wirkte, als Mann der Clubs gilt, wird Reindl eher im Lager der Verbände verortet. Ausgerechnet aus den heimischen Landesverbänden regte sich jedoch Widerstand gegen Reindls Kandidatur. Drei Provinzfürsten machen ihre Bedenken sogar öffentlich. Dies ist nun offenbar befriedet, aber ein Kommentator aus der Schweiz bezeichnete die beteiligten Funktionäre als "Witzfiguren des Welteishockeys". Eine harmonische Nominierung sieht wohl anders aus. 

So oder so wird der Ausgang der Wahl ein Signal setzen, denn wo wüsste man besser als hierzulande, wie außerordentlich kompliziert das Verhältnis zwischen den Verbänden und den Clubs sein kann. Das jährliche Sommertheater ziwschen DEL und DEB ist beinahe schon legendär - auch wenn es dem Ansehen des Sports sicher nicht genutzt hat.

"Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte?"

Vielleicht entscheidet der Kongress aber auch ganz anders und wählt einen MIttelweg aus den beiden scheinbaren Gegenpolen Reindl und Briza. Insbesondere der 58jährige gebürtige Frankokanadier Luc Tardif, der seit 2006 erster und bislang einziger Präsident des französischen Eishockeyverbands ist, könnte als eine Art Geheimfavorit auch noch ein Wörtchen mitreden. Sein Sohn Luc Tardif jun. spielt ebenfalls Eishockey: Er wurde in Rouen geboren und hat bis auf zwei kurze Zwischenspiele in Finnland und bei den Florida Everblades in der ECHL ausschließlich in Frankreich gespielt und für das französische Nationalteam an mehreren WM-Turnieren teilgenommen. Die beiden anderen Kandidaten sind bislang nicht groß in Erscheinung getreten, aber vielleicht ist auch gerade das ihr Vorteil.

Am morgigen Samstag fällt nun die Entscheidung darüber, wer dem Schweizer Rene Fasel, der 27 Jahre an der Spitze der IIHF stand, in diesem Amt nachfolgen wird. Während seiner Amtszeit stieg die Zahl der IIHF-Mitglieder von 50 auf 81, die Zahl der Verbände, die an den verschiedenen Weltmeisterschaften teilnehmen, von 35 auf 54. Fasel hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr das Zepter abgeben wollen. Wegen der Corona-Beschränkungen musste er allerdings noch ein Jahr dranhängen.