Rockets Essen holen den Europacup

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„Wahnsinn, irre, einfach unfassbar!“ – Treffender als der SHC-Vorsitzende Thomas Böttcher hätte man es kaum umschreiben können. Denn die Rockets feierten beim Skaterhockey-Europacup in der Eissporthalle am Westbahnhof die Sensation und sicherten sich den Titel mit einem 6:5-Erfolg nach Verlängerung über die Hallamshire Hornete (England). Und das, obwohl die Essener nur aufgrund einer Ausrichter-Wildcard teilnehmen durften. Atemraubend umschreibt das, was sich in den vergangenen drei Tagen am Westbahnhof abgespielt hat, allenfalls unzureichend. Denn zum einen präsentierten sich die Raketen einmal mehr als guter Gastgeber und zauberten eine rundumgelungene Veranstaltung herbei. Und zum anderen sorgte die Mannschaft für einen eigentlich nie für möglich gehaltenen Erfolg. Es wird wohl eine ganze Weile dauern, bis es tatsächlich jeder realisiert hat: die SHC Rockets sind Europacup-Sieger 2011.

Nachdem der SHC schon in der Vorrunde mit zwei 5:1-Siegen gegen Den Haag und London für Furore gesorgt hatte, knüpfte er in der Zwischenrunde nahtlos an die starken Auftritt an. Auf das 4:1 gegen die Red Devils Altenberg (Österreich) ließen die Essener ein 11:3 über den SHC Givisiez (Schweiz) folgen. Und im Viertelfinale fertigten die Raketen den Schweizer Meister SHC Rossemaison mit 5:1 ab. „Die Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und ist immer weiter in einen Lauf geraten. Die Jungs haben unfassbare Auftritte gezeigt und alles aus sich herausgeholt“, lobte SHC-Coach Martin Sychra sein Team schon nach dem Einzug in das Halbfinale. Denn auch Sychra hätte nicht daran geglaubt, dass die durch Verletzungen dezimierten Rockets solch einen Europacup abliefern könnten. Doch es kam noch besser. Noch viel, viel besser.

Im Halbfinale wartete mit dem TV Augsburg der deutsche Vizemeister. Noch im Viertelfinale hatte Augsburg den Titelverteidiger und aktuellen deutschen Meister HC Köln-West bezwungen und damit seine Ambitionen unterstrichen. Doch der SHC schwang sich einmal mehr zu einer Glanzleistung auf und setzte sich mit 6:2 durch, so dass er im Finale gegen die Hallamshire Hornets stand.

Es sollte ein denkwürdiges Endspiel werden, eines für die Geschichtsbücher. Denn die Hornets, Europacupsieger von 2009 und aktueller englischer Meister, lagen eigentlich die ganze Zeit vorn. Rund vier Minuten vor dem Ende führten die Britten sogar mit 5:3. Und kaum jemand hätte jetzt wohl noch auf die Rockets gesetzt. Doch Pier Klein und Danny Albrecht, der 13 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit traf, brachten den SHC in die fünfminütige Verlängerung. Und hier sorgte Tobias Stöckhardt mit dem 6:5 (62.) dafür, dass die Stimmung am Westbahnhof förmlich explodierte. Mit Mann und Maus, mit Einsatz, Kampf und Leidenschaft verteidigten die Raketen in der Folge ihren Vorsprung. Doch bevor die Spannung in dem finalen Jubel aufging, mussten Mannschaft und Zuschauer noch eine Schrecksekunde durchleben. Denn der letzte Schuss von Hallamshire landete im Netz! – Doch die Schiedsrichter entschieden, dass der Schuss erst nach der Sirene abgefeuert wurde. Aus, vorbei, gewonnen! Denn der Rest war eine einzige und wohl auch einzigartige Jubelorgie.

Der HC Köln-West verlor in seinem ersten Platzierungsspiel gegen den SHC Rossemaison mit 1:4 und musste in das Spiel um Platz gegen die Admiral Red Dragons Altenberg. Auch gegen den Meister aus Österreich tat man sich zunächst schwer, konnte dann aber mit 8:5 doch recht sicher den siebten Platz erreichen.

Im kleinen Finale spielte der TV Augsburg gegen Vesterbro Starz, eine Mannschaft, die seit Jahren in der europäischen Spitze mitmischt. Beide Teams zeigten starkes Hockey und lagen leistungsmäßig gleich auf, wobei die Dänen zweimal in Führung gingen und Augsburg jeweils ausglich. Am Ende der regulären Spielzeit stand es 2:2 und das Spiel ging in die Verlängerung, die torlos blieb. So wurde Platz drei im Penaltyschießen vergeben, bei dem sich die Dänen als treffsicherer erwiesen.

Halbfinale: SHC Rockets – TV Augsburg 6:2, Vesterbro Starz – Hallamshire Hornets 2:6.

Platzierungsspiele 9-12: Durch Mustangs Den Haag – El Diablo Rödovre 1:4, Marsjanie Opole – SHC Givisiez 7:1.

Platz 5-8: HC Köln-West Rheinos – SHC Rossemaison 1:4, Red Dragons Altenberg – London Street Warriors 1:4.

Spiel um Platz 11: Durch Mustangs Den Haag – SHC Givisiez 3:1.

Spiel um Platz 9: El Diablo Rödovre –Marsjanie Opole 3:4.

Spiel um Platz 7: HC Köln-West Rheinos – Red Dragons Altenberg 8:5.

Spiel um Platz 5: SHC Rossemaison – London Street Warriors 3:0.

Spiel um Platz 3: TV Augsburg – Vesterbro Starz 3:4.

Finale: SHC Rockets Essen – Hallamshire Hornets 6:5 n.V.

Fair Play Cup: London Street Warriors

All Star Team:

Torwart:
James Tanner, London Street Warriors

Feldspieler:

Richard Walsh, Hallamshire Hornets
Oliver Sommer, Vesterbro Starz
Lukas Fettinger, TV Augsburg
Danny Albrecht SH
C Rockets Essen

Die meisten Tore:

Jonas Vejby, Vesterbro Starz

Die meisten Assists:

Mika Pierron, Admiral Red Dragons Altenberg