Neue Halle verlieh Eagles keine FlügelCrash Eagles Kaarst

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Training ist Training und Wettkampf ist etwas ganz anderes. Diese Erfahrung musste das Team um Interimscoach Marcus Drücker machen. Alle im Training einstudierten Züge verpufften gegen die starken Ruhrpöttler. Die Nerven versagten vor dem gegnerischen Tor. Wettkampfpausen von knapp sieben Wochen sind anscheinend nicht kompensierbar.

Die Mannschaft war mental gut eingestellt und wollte unbedingt in neuer Umgebung vor vollem Haus den Einzug ins Pokalfinale schaffen. In den vorher zwar knapp bemessenen Trainingszeiten in der Stadtparkhalle hatte man sich an die neuen Eigenheiten des Bandensystems gewöhnt und mit ihr „gespielt“. Im Spiel merkte man davon leider nur sehr wenig. Es schien, als ob Essen dort vorher schon trainiert hätte, so häufig nutzen sie die Banden wie in einem Billardspiel.

Dabei fing die Partie gut an. Zwar wurde nach 46 Sekunden schon der erste Kaarster Spieler auf die Strafbank verbannt und gleich hinterher der Zweite, aber die drei jeweiligen Feldspieler inklusive des Torhüters Philipp Inger verteidigten geschickt und mit viel Einsatzwillen. In dieser Phase konnte man aber auch schon das gute Zusammenspiel der Gäste bewundern, die den Ball kreisen ließen. Allerdings reichte es zu einem Torerfolg noch nicht. Der stellte sich eher zufällig in der 6. Minute ein, als Sebastian Bürgers den Essener Torreigen eröffnete. In der Folge blieb es spannend, mit Feldüberlegenheit der Gäste. Die Eagles stürmten eher zufällig nach vorne, erarbeiteten sich so manchen Konter und die Stürmer zogen alleine auf das Essener Tor zu. Sie schienen aber heute an einem Zitterarm zu leiden, denn niemand überwand den Keeper Marvin Storb. Zum Ende des ersten Drittels verteilten unmittelbar hintereinander die Schiedsrichter erneut zwei Strafen gegen Eagles-Spieler. Jetzt war das Essener Powerplay eingespielt und zog bis zur Drittelpause auf 0:3 davon. Tore Danny Albrecht (18.) und Damian Schneider (19.). Da ging den Kaarster schon etwas die Luft aus und sie gingen mit betrübten Gesichtern in die Kabine zurück.

Ein verrücktes Drittel sollte folgen. Am Ende dieser 20 Minuten sollten die Gäste 7:2 Tore schießen, Kaarst mit David Neuss einen Spieler mit Roter Karte verlieren und der Kaarster Spielfaden war völlig gerissen. Nach 54 Sekunden Spielzeit interpretierten die Schiedsrichter einen Körpercheck von David Neuss als Kopfstoß. Große Aufregung auf beiden Seiten. Jeder hatte es unterschiedlich gesehen, aber eben nicht eindeutig. Dann verteilten die Schiedsrichter noch einem Essener Spieler aus Versehen die Rote Karte, die sie dann zurückzogen und zeigten sie dem Kaarster David Neuss. Damit war sein  Arbeitstag nach nur 21 Minuten schon beendet und der ganze Trainingsaufwand der letzten Wochen für die Katz. Proteste nutzen nichts, das Spiel ging weiter.

Kaarst musste die Verteidigerreihen umstellen. In diese Lücken stießen die Rockets erbarmungslos. Ihr früherer Vereinsname Moskitos wäre an dieser Stelle passender gewesen. Ein Stich nach dem anderen wurde ins Herz der Adler gestochen. Freundlich unterstützt wurden sie auch in dieser Phase von beiden Schiedsrichtern, die sich dem schwachen Niveau der Eagles anpassten. Es wurde leider mehr diskutiert und geschimpft als sich auf die Sache konzentriert. So fielen zwischen der 26. und 39. Minute sage und schreibe sieben Treffer und Kaarst konnte  nur zwischenzeitlich zwei Erfolge erzielen. Marc André Otten (26. Min. zum 1:3) und Dominik Boschewski ( 32. Min. zum 2:7). Erschwerend kam hinzu, dass auch manche Treffer der Gäste in Unterzahl fielen. Da zog Keeper Inger entnervt die Reißleine und machte für den Youngster Daniel Boschewski Platz. Er musste in der Folge nur noch vier Mal hinter sich greifen.

Nun wollten sich die Eagles noch ordentlich von ihrem Publikum verabschieden und kamen energiegeladen zurück aufs Spielfeld. Ein Doppelschlag von Christoph Glaubach ( 41.) und Jan Taube (42.) brachten Stimmung in die Bude. 4:9 und noch 18 Minuten zu spielen. Nahte ein zweites Wunder von Bern? Leider nein. Essen verharrte in einer fünfminütigen Schockstarre, aber mehr als Kampf und eine phasenweise Feldüberlegenheit konnten sich die Eagles nicht erobern. Danach nahmen die Gäste wieder das Heft des Handels in die Hand. Über Pierre Klein (46.) und Benedikt Hüsken (47.) stellten sie ebenfalls im Minutentakt den alten Abstand wieder her. In der 53. Minute konnte der heute vor dem Spiel für seinen Titel des Junioreneuropameisters geehrte Thimo Dietrich doch noch einmal seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor unter Beweis stellen. Er überwand Marvin Storb mit einer geschickten Körpertäuschung zum 5:12. Den Schlusspunkt in einer aus Kaarster Sicht enttäuschten Partie setzte erneut Pierre Klein zum 5:13 in der 55. Minute. In der 53. Minute erhielt Eagles-Verteidiger David Walczok noch die Gelb-Rote Karte für die beleidigenden Worte „Das ist doch ein Witz“ und auch Jan Taube durfte sich die letzten fünf Minuten auf der Bank ausruhen, nachdem er auf eine Körperattacke gegen seinen Kopf mit Handschuhen im Gesicht des Gegners von den Unparteiischen erwischt wurde. Es war insgesamt kein Ruhmesblatt für Akteure und Schiedsrichter am heutigen Tag.

Nun können sich die Essener auf eine Revanche gegen die Duisburger Enten freuen. An gleicher Stelle werden sie am 8. Dezember um 19 Uhr zum Pokalfinale auflaufen und werden dann sicherlich von ihrem großen Anhang tatkräftig unterstützt. Die neue Stadparkhalle bietet Platz für 600 Personen.

Für Interimscoach Marcus Drücker und für die Mannschaft ist damit die Saison 2012 beendet. Verteidiger Bastian Dietrich hat nach exakt 20 Jahren und über 400 Spielen für die Adlertruppe seine Inliner an den Nagel gehängt. Von den Schülern bis zu den ersten Herren hat er alle Mannschaften durchlaufen und war auch in vielen Teams als Coach aktiv. Ein großes Vorbild und Aushängeschild für den Verein.

Der Verein selber konzentriert sich nun parallel auf den Tag der Pokalendspiele am 8. Dezember mit zwei beteiligten Eagle-Teams (Schüler und Jugend) und wartet gespannt den 15. November ab, um dann vom Verband zu erfahren, in welche Liga der Weg 2013 geht. 2. Liga Nord, 2. Liga Süd oder doch 1. Liga mangels Aufsteiger? Die Hoffnung stirbt zuletzt.