Klein, aber fein

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War das die Geburtsstunde einer neuen Kernmannschaft? Mit nur zehn Feldspielern und zwei Torhütern traten die Kaarster in Assenheim an. Dafür erlebten die mitgereisten Fans eine aufopferungsvoll kämpfende Truppe, die sich zudem an die taktischen Maßnahmen des Trainers Jan Opial hielt. Die Disziplin stimmte sowohl auf dem Feld als auf der Bank. Der Energielevel lag hoch und somit war auch Mentalcoach Klaus Regnault voll auf zufrieden. „Diese Stimmung und auch der Umgang untereinander verbunden mit konstruktiver Ansprache zwischen den Spielern, habe ich schon lange nicht mehr in Kaarst erlebt“, fügte er hinzu.

Dass es am Ende ein Punktgewinn für den Gegner war, lag lediglich an einem Gewaltschuss von Assenheims überragender Spieler Marco Forster, der die Kaarster Träume auf einen Auswärtssieg 90 Sekunden vor dem Ende zunichtemachte. Bis dahin spielten die Adler auf Augenhöhe und lagen stets in Führung. In den ersten 10 Minuten fiel auf beiden Seiten kein Treffer. Eine Seltenheit im Verlauf der Saison aus Kaarster Sicht. Kaarst spielte anfangs nur mit zwei Reihen und konnte zum Teil Druck auf das Assenheimer Tor aufbauen und verteidigte geschickt den eigenen Kasten. Im Tor stand Philipp Inger, der wieder Spielpraxis sammeln muss für die letzten Begegnungen im September, weil Christoph Oster den Eagles nur noch im August zur Verfügung stehen wird. Er machte ein gutes Spiel und fand schnell wieder zurück. In der zwölften Minute durften die Gelb-Schwarzen das erste Mal jubeln. Eine Kombination zwischen David Walczok und Thimo Dietrich schloss der Youngster eiskalt zur 1:0-Führung ab. Assenheim machte viel Druck und Kaarst hatte bei zwei Pfostenschüssen auch Glück. Dennoch blieb die Partie offen und beide Seiten schenkten sich nichts. In der 18. Minute glich Assenheim aus, als gerade eine Strafzeit gegen die Eagles erfolgreich überstanden war. Der heutige dreifache Torschütze aufseiten der Gastgeber Marco Forster legte zum ersten Mal den Ball über die Torlinie des Kaarster Gehäuse. Nur kurz währte die Freude der Zuschauer. 90 Sekunden später rollte wieder ein Angriff auf das Tor von Felix Dombrowski. Jetzt legte Thimo Dietrich auf Kapitän Sascha Drehmann auf, der den Ball nur leicht über die Schienen des Torhüters lupfte. Da sich das Netz bei diesem Roller nicht bewegte, dachten die eigenen Anhänger, dass der Ball neben das Tor gegangen wäre. Aber der Jubel des Torschützens und der Mannschaft bestätigte die erneute 2:1-Führung. Pause.

Im zweiten Abschnitt dasselbe Bild. Kaarst fightete überwiegend mit zwei Reihen und nutzte dabei die Routine der ersten Reihe mit Christian Müller, Bastian Dietrich, Jan Taube und Udo Schafranski, die den Ball gut abschirmten und gleichzeitig Impulse nach vorne setzten. Die zweite Reihe lebte vom Spielwitz des David Walczok, Thimo Dietrich und der Ruhe der beiden Verteidiger Sascha Drehmann und Michael Geiß, der trotz Rückenproblemen durchhielt. Ergänzt und phasenweise eingesetzt wurden die beiden Reihen heute von Jonas Dietrich und Dominik Boschewski, die sich auf und neben dem Spielfeld an der Motivation des Teams lautstark beteiligten. Dennoch konnten sie alle nicht verhindern, dass der Gastgeber fünfMinuten nach Wiederbeginn ausglich. Jan Erik Bannenberg war der Torschütze zum 2:2. Kaarst wurde nicht nervös und zog seine taktische Linie durch. In der 35. Minute gab es wieder Grund zum Jubeln. In unnachahmlicher Manier umkurvte David Walczok ungewollt dreimal das Tor des Gegners, immer wieder gestört von deren Verteidigern, der Ball wurde mehrmals aufs Tor geschossen, abgewehrt, wieder erkämpft und endlich war es bei der dritten Umrundung soweit. Der polnische Vulkan explodierte förmlich nach seinem Treffer zum 2:3 aus Kaarster Sicht. Damit nicht genug in diesem Drittel. Zwei Minuten später nutzte Udo Schafranski ein Zögern der Assenheimer Abwehr, ging entschlossen dazwischen und legte in der 38. Minute zum 2:4 auf. Leider fiel unmittelbar danach der 3:4-Anschlusstreffer als sich Kaarst kurzfristig zu siegessicher war. Marco Kluin war dafür verantwortlich. Erneute Pause und Konzentration auf die letzten 20 Minuten.

Dieses Drittel hatte einen Sieger: Marco Forster. Er egalisierte nicht nur in der 44. Minute mit seinem ersten Gewaltschuss auf 4:4 sondern setzte wie schon beschrieben auch den Schlusstreffer in ähnlicher Manier. Dazwischen lagen 15 Minuten voller Power, Dynamik, Kampf, Einsatz, Glück und Emotionen. Die sehr gut leitenden Schiedsrichter hatten dennoch kaum Probleme mit den Akteuren und brachten die insgesamt sehr faire Partie ordentlich zu Ende. Auch ein weiteres Plus der Kaarster in den letzten drei Begegnungen:  Die niedrigere Strafzeitenanzahl. Nach unzähligen Angriffsbemühungen auf beiden Seiten überwand zwei Minuten vor Schluss erneut Udo Schafranski den neu ins Spiel genommenen Torhüter Marcel Kempf und der Jubel war riesengroß. Kaarst führte 4:5, wie im Vorjahr. Sollte sich das Märchen wiederholen? Nein, leider hatte Marco Forster etwas dagegen. Drei Kaarster blockten in einer Linie ihre Gegenspieler und er zog außen an seinem letzten Abwehrspieler vorbei und drosch den Ball unhaltbar zum 5:5 in den Winkel.