Inline: Das doppelte Lottchen und ein lachender Dritter

Ein Spiel - zwei (Inlinehockey-) Pucks. Die "Sommervariante" des Eishockeys gibt es gleich doppelt. (Foto: the)Ein Spiel - zwei (Inlinehockey-) Pucks. Die "Sommervariante" des Eishockeys gibt es gleich doppelt. (Foto: the)
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Die erste wichtige Unterscheidung: Es gibt Inlinehockey und Skaterhockey. Bei Inlinehockey wird mit einem Puck, aber ohne Körperkontakt gespielt, beim Skaterhockey mit einem kleinen Ball, dafür aber mit Körperkontakt. International scheint Inlinehockey die immer noch etwas größere der beiden Varianten zu sein, national gesehen ist Skaterhockey in Deutschland aber mit Abstand besser aufgestellt. Es gibt beim Skaterhockey ein funktionierendes Ligensystem mit 1. und 2. Bundesligen, darunter Regional- und Landesligen, die von Landesverbänden organisiert werden, funktionierende Nachwuchsarbeit, Nationalmannschaften.

Beim Inlinehockey kommt als Nachteil die Verdopplung dazu: Seit die „Sommer-Disziplin“ des Eishockeys in den Neunzigern immer populärer geworden ist, sahen sich zwei internationale Verbände berufen, Inlinehockey unter ihre Fittiche zu nehmen: der Eishockey-Weltverband IIHF und der Rollsport-Weltverband FIRS. Beide mit guten Argumenten: Inlinehockey ist – auch wenn es kleinere Regelabweichungen gibt – nun einmal aus dem Eishockey heraus entstanden. Anderseits wird es auf Rollen aufgetragen.

Das führt dazu, dass es seit 1995 bzw. 1996 zwei Weltmeisterschaften gibt. Die IIHF-Inlinehockey-Weltmeisterschaft, die gerade mit dem erstmaligen Titelgewinnen Tschechiens in Pardubice zu Ende gegangen ist – und die FIRS-Inlinehockey-Weltmeisterschaft, die für Frauen und Junioren am 3. und 4. Juli in Roccaraso, Italien beginnt. Die Männer beginnen ihr Turnier am 10. Juli. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die FIRS zwar als „Governing Body“, also als den für das Inlinehockey zuständigen Verband, anerkannt, doch letztlich ist es wohl so, dass die tendenziell besseren Teams bei der IIHF an den Start gehen.

Auch auf deutscher Ebene gibt es diese Doppelung. Der Deutschen Eishockey-Bund organisiert die Deutsche Inlinehockey-Liga (DIHL), die in Gruppenform mit wenigen Spielen und anschließender Endrunde einen Meister ermittelt, und die IHD-Bundesliga des Deutschen Rollsport- und Inlieverbandes (DRIV; IHD ist die Sportkommission Inlinehockey Deutschland im DRIV). 2008 hatten sich beide Verbände darauf geeinigt, den Deutschen Meister nur im Rahmen der DIHL zu ermitteln – das verlief jedoch nach dem ersten Jahr im Sande. Auch auf internationaler Ebene gibt es immer mal wieder Gespräche, aber einen Weg zu einer gemeinsamen WM scheint es bislang nicht zu geben.

Wenn es für das Inlinehockey schlecht läuft, könnte das Skaterhockey – der zuständige Verband ist auch hier der DRIV mit der Sportkommission Inline-Skaterhockey Deutschland (ISHD) – ihm den Rang ablaufen. Zwar war es bislang vor allem ein deutsches Phänomen, dass Skaterhockey deutlich besser und breiter aufgestellt ist als die Kollegen vom Inlinehockey, das könnte sich aber ändern. Der internationale Verband IISHF bekommt immer mehr Mitglieder. Bislang gab es nur Europameisterschaften, aber kürzlich wurde Kanada als Mitglied aufgenommen, sodass es im September in Österreich eine „offene EM“ geben wird. Wenn wie vermutet die USA und Mexiko in einem Jahr ebenfalls dazu kommen, wird aus der EM wohl auch offiziell eine WM. Zudem gibt es bereits Versuche, ebenfalls in Asien und Australien Fuß zu fassen, wobei die IISHF hier den Sport langsam aufbauen will, um keine überforderten Nationalteams bei einer WM zu haben.

Die Inlinehockey-Verbände beider Lager sollten etwas tun – sonst könnte das Skaterhockey der mit einigem Recht lachende Dritte der „wundersamen Vermehrung“ einer Sportart sein.