IHC Atting zieht sich aus der 1. Bundesliga zurückErneuter Abschied

IHC Atting zieht sich aus der 1. Bundesliga zurückIHC Atting zieht sich aus der 1. Bundesliga zurück
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Die erste Herrenmannschaft wird 2017 in der dritthöchsten Spielklasse, der Regionalliga Bayern antreten. Der ISHD wurde dies noch vor dem offiziellen Meldeschluss am Dienstag mitgeteilt.

Dazu erklärt der Verein im Wortlaut:

„Das Ganze war eine schwere Entscheidung, aber wir sind der Meinung, dass es in der aktuellen Situation das Beste für den Verein ist. Wir können bestimmte Voraussetzungen momentan einfach nicht erfüllen und auch nicht erzwingen. Daher hoffen wir auf Verständnis der Mitglieder, Eltern, Fans und Sponsoren.

Die Hintergründe sind vielfältig, aber letztlich immer wieder auf einen Hauptgrund zurückzuführen. Die fehlende Heimspielstätte mit ISHD-Bundesligazulassung (20 x 40 Meter Spielfläche, ganzjährig verfügbar) in der Umgebung: Zwar fand man in der Ausweichstätte Donaustauf hervorragende Bedingungen vor und verfügte über außerordentlich gute Kontakte zu den dortigen Verantwortlichen, die Entfernung von 40 Kilometern stellte jedoch ein großes Hindernis dar. Vorstände, Spieler, Trainer und Helfer, die alles ehrenamtlich gestalten, sind an ihre Grenzen gestoßen, haben diese teilweise nun überschritten.

1. Die Zuschauerzahlen 2016 lagen (wie vorausgesehen) trotz Werbung und Zusatzangeboten nur bei rund einem Viertel von denen, die 2014 in Straubing zu verzeichnen waren. Gelder aus Eintritt und Verkauf waren daher deutlich weniger. Ein Minus entstand aufgrund erhöhter Sponsorenzahlungen und Unterstützung der Gemeinde aber nicht.

2. Ein Großteil der Spieler kommt aus dem Raum Straubing, ist aber berufstätig (oft im Schichtbetrieb), befindet sich in der Ausbildung oder im Studium. Ein geregeltes Training zweimal in der Woche wie bei einem Bundesligateam nötig, war daher oft auch zeitlich nicht möglich. Alle Spieler sind reine Amateure und kommen sogar für die Fahrt zum Spiel- und Trainingsort selbst auf.

3. Der Nachwuchs spielte gleichzeitig in Straubing. Durch die Entfernung nach Donaustauf klappte die Einbindung der jungen Spieler in den Spiel- und Trainingsbetrieb nicht wie vorgesehen. Auch Kommunikationsfehler spielten dabei eine Rolle. Zum Ende der Saison standen nur noch zehn Spieler im Kader. Diesen hätte man 2017 durch vier bis sechs externe Spieler wieder aufstocken müssen, was so nicht im Sinne des Vereins ist, dessen aktuell erfolgreiches Team zu großen Teilen aus dem erfolgreichen Nachwuchs kommt.

4. Zeitnahmepersonal, Ordnungsdienst und Verkaufsteam (bis zu zehn Personen pro Spieltag) mussten ebenfalls stets die Entfernung auf sich nehmen. Da gleichzeitig die vier restlichen Teams größtenteils in Straubing ihre Heimspiele austrugen, kam es nicht nur bei den Überschneidungen zu Personalengpässen, sondern auch bei vielen anderen Spielen.

5. In der vergangenen Saison wurden vom Gesamtverein mit seinen fünf Mannschaften Heimspiele in drei (Donaustauf, Deggendorf und Straubing) sowie Trainingseinheiten in fünf (Donaustauf, Deggendorf, Straubing Eisstadion, Straubing Ausstellungshalle und in der Mehrzweckhalle Atting) Sportstätten durchgeführt, um den Spiel- und Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten. Ständige Umzüge und Verlegungen führten zu Unzufriedenheit im Verein, besonders im Nachwuchs. Laufschule und zukünftiges Bambini-Team konnten nicht wie vorgesehen und nötig, optimal und dauerhaft gefördert werden, in den drei Nachwuchsteams standen am Saisonende und während der Play-offs Spieler nicht mehr zur Verfügung. Einige wurden bereits von anderen Vereinen angesprochen bzw. werden den Club wechseln.

Die Vorstandschaft hat diese Probleme bereits im Sommer erkannt und in den vergangenen Wochen bis zum Meldeschluss der 1. Bundesliga (15. November) einige Lösungsmöglichkeiten durchdacht. Keine davon war eine Option:

1. Eine von einem Investor angebotene Halle als Spielstätte in Straubing hätte eine Jahresmiete von rund 35.000 Euro verschlungen (aktuelle Jahresmiete für alle Spielstätten 2016 ca. 7.000 Euro) und war nicht zu finanzieren.

2. Ein Wechsel des Spielortes mit teilweiser Auslagerung von Personal (Verkauf, etc.) war ebenfalls nicht möglich. Eine erneute Ausnahmegenehmigung für den Bundesliga-Spielbetrieb für das Eisstadion Straubing wurde nicht erteilt.

3. Ein Zusammenschluss mit einem Verein in der Umgebung hätte maximal das Spielerproblem gelöst, nicht aber das der Entfernung, fehlender Einnahmen oder fehlenden Personals.

4. Ein Rückzug in die 2. Bundesliga ist sowohl sportlich als auch aufgrund der Entfernungen und dortigen Anforderungen ebenfalls keine Option und führt in Teilen während der Saison wieder zu denselben Problemen wie oben beschrieben.

Daher hat sich der Vorstand für einen Neuanfang in die Regionalliga Bayern entschieden, in der bis auf wenige Ausnahmen im Frühjahr und im Herbst in Straubing gespielt wird. Alle Teams und alle Vereinsmitglieder sind dann wieder unter einem Dach vereint und wir laufen nicht Gefahr, durch zwanghaftes Aufrechterhalten der Bundesliga-Mannschaft den Gesamtverein mit seinen nun über 200 Mitgliedern zu gefährden.

Die aktuelle Vorstandschaft ist nämlich im Februar 2016 mit den Zielen angetreten, den Nachwuchs zu stärken (Hauptsponsor Amplus trägt das nachhaltige Nachwuchskonzept voll mit und bleibt dem Verein treu), die alten Werte der Gründungsphase Ende der Neunzigerjahre wieder zu beleben, den Verein durch seine Präsenz in der Gemeinde zu festigen und die Hallenthematik erneut aufzugreifen. Ein Teil davon ist gelungen, die Gründung der Fördergruppe hat daran großen Anteil.

Ein Teil davon ist aber nicht gelungen. Ausschlaggebend war nun die Hallensituation. Aus dieser ziehen wir nun die Konsequenz. Obwohl nun wieder in Straubing gespielt werden kann, bedeutet dies nicht das Ende der Probleme. Denn wir müssen weiter davon ausgehen, dass das Eisstadion Straubing (wegen Sanierung der Piste, Zeitpunkt unklar) und die Ausstellungshalle (wegen anderweitiger Belegung) irgendwann einmal dauerhaft nicht zur Verfügung stehen. Dann stehen wir völlig ohne Spielort da. Daher muss unser Ziel weiter sein, eine eigene Spielstätte in der Umgebung zu bekommen. Dazu steht die Vorstandschaft weiter in enger Verbindung mit der Gemeinde Atting.

Wir bedanken uns bei den Spielern der 1. Mannschaft für ihre tollen Leistungen, ihren außerordentlichen Einsatz in den letzten Jahren und ihr Engagement, mit dem sie dem IHC Atting großes Ansehen gebracht haben.

Die Vorstandschaft des IHC Atting

Martin Amann, 1. Vorsitzender
Michael Bauer, 2. Vorsitzender
Kerstin Alzinger, 1. Kassierer
Andreas Koblmüller, Schriftführer“