Feiertag im südbadischen SkaterhockeyFreiburg trifft auf Merdingen

Feiertag im südbadischen SkaterhockeyFeiertag im südbadischen Skaterhockey
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Wenn am Samstagabend um 19 Uhr das erste Bully in der Zähringer Jahnhalle gespielt wird, dürften die Ränge ordentlich gefüllt sein. Eine ganze Spielzeit haben der HC Merdingen und die Breisgau Beasts nicht gegeneinander antreten können. Nun treffen sie in der 2. Skaterhockey-Bundesliga Süd aufeinander. Weil unüberdachte Spielstätten in den beiden Bundesligen nicht zugelassen sind, musste der HCM in der Saison 2014 in der Regionalliga Südwest antreten und wäre hier wohl auch mit verbundenen Augen Meister geworden.

Nun steht das lange angekündigte Dach am Merdinger Hockeyplatz zwar immer noch nicht, Bauarbeiten haben ebenfalls noch nicht begonnen, doch immerhin ist die lang ersehnte Baugenehmigung in der Zwischenzeit eingetroffen, so dass es nun recht schnell gehen könnte.

Der Spielplan ist inzwischen schon kräftig durcheinander geraten, weil die ursprünglich schon ab Mai terminierten Spiele verschoben werden mussten, was bei den Gastvereinen nicht auf viel Begeisterung stieß. Die Teams aus NRW und Bayern versuchen naturgemäß, ihre Spiele in Freiburg und Merdingen an einem Wochenende zu absolvieren, um Kosten zu sparen. Dies ist nun für manche Teams nicht mehr möglich, doch den Supergau, den Entzug der Bundesligalizenz, wollte der Nationale Verband ISHD auch vermeiden. Im schlimmsten Fall, dass das Dach zum ersten Heimspiel nicht bereit steht, kann man ins Freiburger Eisstadion ausweichen, doch man ist guter Dinge am Tuniberg.

Sportlich kann man dies auch durchaus sein. Vor der Saison gab es nämlich einen Paukenschlag an der Wechselbörse. Mit Alex Kinderknecht, Anton Bauer und Thomas Issler wechselten gleich drei Beasts zu den Panthern, was in ganz Deutschland für Aufsehen sorgte, immerhin hatten die beiden in der abgelaufenen Spielzeit knapp 140 Scorerpunkte gesammelt und waren maßgeblich am 3. Platz der Freiburger in der 2. Bundesliga beteiligt.

Über die Gründe der Trennung will der Freiburger Trainer Dirk Müller nicht viele Worte verlieren. „ Wir haben sechs Jahre lang zunächst als Teamkollegen und später im Trainer-Spieler-Verhältnis großartig zusammengearbeitet. Wir hatten viele Erfolge nicht zuletzt auch dank dieser Spieler, aber in vielen Partnerschaften gibt es manchmal Momente, in denen eine Trennung oder ein Tapetenwechsel beiden Seiten gut tut“, gibt sich der Coach versöhnlich. „Ich wünsche den dreien viel Erfolg, natürlich nur nicht gegen uns.“

Unbestritten ist das Talent des Trios nur schwer zu ersetzen, doch haben die Freiburger scheinbar einen Weg gefunden, dies über das Kollektiv abzufedern. Jonas Falb beispielsweise hat bei seinen ersten Auftritten nach seinem Wechsel aus Bräunlingen einen guten Eindruck hinterlassen und Spieler wie Kapitän Luis Dischinger müssen nun noch mehr Verantwortung übernehmen. In Deggendorf bewies man Eindrucksvoll, was mit Teamgeist und Willen möglich ist, nachdem man im vergangenen Jahr ein enges Spiel dort noch verloren hatte, konnte man es diesmal nach Rückstand noch für sich entscheiden. Am Sonntag folgte eine derbe Klatsche in Atting, wo man aber auch auf ein Team traf, das „in dieser Besetzung nichts in der 2. Liga verloren hat“, so Müller. Ansonsten verläuft die bisherige Spielzeit für die Beasts mehr oder weniger nach Plan. Aus sechs Spielen holte man drei Siege, das war so zu erwarten gewesen. Einzig die Niederlage in Spaichingen kommt in den Ordner „vermeidbar“. Der HCM konnte sich dagegen am vergangenen Freitag mit 11:7 in Spaichingen durchsetzen, vierfacher Torschütze hier: Anton Bauer.

Das Team um Kapitän Kevin Bitsch nur auf die drei Neuzugänge zu reduzieren, wäre allerdings fatal. Mit Robert Peleikis, Niko Linsenmaier und Alex Brückmann spielen drei Aufstiegshelden des EHC Freiburg in den Merdinger Farben in der eisfreien Zeit Skaterhockey und das ebenfalls sehr erfolgreich. Dazu noch erfahrene, trotzdem noch junge Spieler wie Petermann, Bitsch oder Schopp und fertig ist der Play-off-Kandidat.

Die Aufstiegs-Play-offs sind für den Lokalrivalen aus Freiburg, der mit Christoph Mathis den EHC-Goalie im Feld aufbietet, hingegen nur die buchstäblich hoch hängende Wurst. „Wir wollen so lange es geht am vierten Platz dranbleiben, aber eine Play-off-Qualifikation wäre für unser Team eine Sensation, da haben mit Crefeld, Atting, Schwabmünchen und Merdingen andere Teams deutlich höhere Ambitionen.“, gibt Müller die Favoritenbürde gerne an andere Teams ab. „Wir wollen die großen Teams speziell zu Hause ärgern, das wird auch am Samstag nicht anders sein, egal ob das nun das Derby ist oder nicht. Meine Mannschaft wird mit Sicherheit sehr heiß auf das Spiel sein.“

Die Bilanz der Freiburger ist allerdings verheerend. Seit 2001 konnte man gegen Merdingen (und deren Vorgängerverein Kollnau) nicht mehr in einem Pflichtspiel gewinnen. Vor zwei Jahren, als man letztmals aufeinander traf, gingen beide Spiele ins Penaltyschießen, wo die Beasts beide Male den Kürzeren zogen. Ein Unentschieden nach 60 Minuten würde sicher auch den Zuschauern gefallen, die am Samstag zahlreich in der Jahnhalle erwartet werden. Es wird empfohlen, rechtzeitig an die Halle zu kommen, um lange Wartezeiten an der Kasse zu vermeiden.