Die Chiefs sind raus

Die Chiefs sind rausDie Chiefs sind raus
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Mit nur zwei Treffern in 120 Minuten darf sich niemand beschweren, das dritte Spiel oder gar die nächste Runde in den Play-offs der Skaterhockey-Bundesliga nicht erreicht zu haben. Insgesamt sind die Panther völlig verdient ins Halbfinale eingezogen.

Vor guter Kulisse wollten sich die Chiefs von Beginn an für die Packung der Vorwoche rehabilitieren. Und in Sachen Kampf, Einsatz und Willen kann man der Elesen-Truppe auch keinen Vorwurf machen. Die ersten 20 Minuten waren vom Start weg gut anzusehen. Tolle Zweikämpfe, viel Leidenschaft auf beiden Seiten, es wurde sich nichts geschenkt. Aber auch keine Torchancen. Und das Wenige was durchkam, wurde sichere Beute von Olli Derigs im Uedesheimer Tor und seinem Bissendorfer Pendant Jan-Philip Fiege. Das 0:0 nach dem ersten Drittel war absolut leistungsgerecht und hochklassig. Aufgrund des parallel stattfindenden Trommelduells der Fangruppen spielten beide Teams ein paar Sekunden länger als nötig – es war 60 Minuten lang so laut im „Chiefs Garden“, das man weder seine eigene Stimme, geschweige denn die Pausensirene hören konnte.

Zu Beginn des zweiten Drittels hatten die Chiefs ihre beste Phase, konnten aber einige hochklassige Chancen nicht nutzen. Max Rejhon hatte zweimal die Führung auf der Kelle und vergab, Christoph Clemens hatte nach einem feinen Bauerntrick das leere Tor vor sich, schob die Kugel aber nur die Torlinie entlang und nicht drüber. Es war zum Haare raufen! Und dann kam es, wie es kommen musste. Einige Hochkaräter der Gäste hatte Derigs schon entschärft, auf den Schuss von Lücker hatte der Uedesheimer Goalie in der 26. Minute keine Antwort (0:1). Es herrschte einfach zu viel Gewühl vor seinem Tor.

Vier Minuten später kam mit Kees Slagmolen der erste Spieler überhaupt an diesem Tag auf die Strafbank – und durfte sie nur neun Sekunden später wieder verlassen. Die Gäste brauchten nur eine Chance und Tözen schoss sehenswert zum 0:2 ein (30.). Doch noch waren die Chiefs nicht geschlagen und kämpften weiter. Bissendorfs Keeper Fiege verhinderte nun mehrfach spektakulär ein Tor der Hausherren, aber in Minute 32 war es dann so weit. Mit insgesamt 92 Minuten Anlauf war es Marcel Mörsch, der seinen Kollegen aus der Nationalmannschaft erstmals überwinden und das vielumjubelte 1:2 erzielen konnte. Danach ging es wie schon zuvor rauf und runter, beide Teams hatten ihre Chancen, aber nur einmal traf noch der Gast: Köppl war in der 37. Minute mit dem 1:3 zur Stelle, gleichbedeutend mit dem Pausenstand nach 40 Minuten. Die Chiefs belohnten sich einmal mehr nicht mit Toren für ihre gute kämpferische Leistung, allerdings verpassten sie oft auch den richtigen Zeitpunkt für den Abschluss und spielten sich in der guten Defensive der Panther fest.

Den Schlussabschnitt begann Bissendorf in Überzahl. 50 Sekunden brauchte Hahnemann, um das vorentscheidende 1:4 zu erzielen (41.). Die nächsten Minuten gehörten erneut Panther- Keeper Fiege. Mit dem Mute der Verzweiflung liefen die Chiefs nun an, aber wie eine Wand prallte alles von Fiege ab. Eine letzte Chance gaben die Gäste den Chiefs acht Minuten vor dem Ende, als sie gleich zu zweit die Strafbank drückten. Doch diese fast zweiminütige doppelte Überzahl wurde zum Sinnbild Uedesheimer Abschlussschwäche. Nur mit dem Kopf durch die Wand war Fiege nicht zu bezwingen, und so tickte die Uhr runter ohne dass die Chiefs eine wirklich hochklassige Torchance kreiert hätten. Immer offensivere Uedesheimer luden die Panther danach zum kontern ein, und das nahmen die quirligen Bissendorfer gerne an. Miller (55.), Tözen (57.) und Surkemper (58.) bauten die Führung auf 1:7 aus, der letzte Treffer des Tages ging auf das Konto von Paddy Komor, der mit seinem x-ten Versuch endlich mal ins Schwarze traf (2:7 / 60.). Für eine Aufholjagd kam dieser Treffer freilich etwas zu spät.

„Wir haben heute wirklich alles versucht“, so ein enttäuschter Coach Gerry Elesen nach der Partie. „Aber wie letzte Woche auch haben wir wieder das Tor nicht getroffen. Und so kann man gegen keinen Gegner der Welt gewinnen.“ Nach beiden Spielen war aber auch Elesen der Meinung, „dass Bissendorf verdient weiter gekommen ist. Vielleicht zwei, drei Tore zu hoch heute, aber sie waren doch die bessere Mannschaft.“

Damit können die Chiefs die Saison nun abhaken. Elesen: „Wir haben unser Ziel erreicht, darauf können aufbauen.“ Der Niederländer wird auch in der kommenden Saison hinter der Uedesheimer Bande stehen und hat schon genaue Vorstellungen, was sich bis dahin ändern muss. „Wir werden mal schauen ob wir uns noch punktuell verstärken können. Ich bin sehr optimistisch, dass das auch klappt.“

Nicht mehr planen kann Elesen mit seinen Landsmännern Kees Slagmolen und Stefan Collard. Beide hängen ihre Skates an den Nagel. „Wir sind sehr dankbar, dass sie letzte Saison spontan eingesprungen sind und jetzt eineinhalb Jahre den ganzen Aufwand betrieben haben. Sowas ist in der heutigen Zeit wirklich bemerkenswert.“ Bis Ende des Jahres haben die Chiefs nun Zeit, Verstärkungen an Land zu ziehen.