Der Hockeymann aus AssenheimInterview mit Patric Pfannmüller

Patric Pfannmüller engagiert sich für das Skaterhockey in Assenheim. (Foto: Rhein-Main Patriots)Patric Pfannmüller engagiert sich für das Skaterhockey in Assenheim. (Foto: Rhein-Main Patriots)
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Die vereinseigene Halle bietet ausreichend Dach über dem Kopf. Der Inlineverein ist eng verbunden mit dem Namen Patric Pfannmüller. Der Dachdecker ist Denker und Lenker der Hockeygemeinschaft - früher als Spieler, heute als Funktionär. In Fachkreisen hört er auf den Namen „Hasi“. Pfannmüller ist der Hockeymann aus Assenheim und spricht hier über seine große Liebe, wie er zu ihr kam und was sich da noch entwickeln kann. 

Herr Pfannmüller, wie sind Sie zum Inline- und Skaterhockey gekommen?

Patric Pfannmüller: Ich habe früher im Nachwuchs des EC Bad Nauheim gespielt. In den 90ern wollte ich mit ein paar Jungs vom Eishockey im Sommer trainieren. Wir haben es auf Inlineskates probiert. So hat sich Inlinehockey entwickelt. Es ist eine ideale Alternative oder auch Ergänzung zum Eishockey. Mitte der Neunziger kam das Bosman-Urteil (Öffnung des Arbeitsmarktes für Ausländer, Anm. d. Verf.) mit gravierenden Auswirkungen auf dem Eishockeymarkt. Deutsche Spieler waren für die Vereine nicht mehr so interessant. Betroffene wie ich mussten kreativ werden. Seither ist der Inlinesport in den Mittelpunkt gerückt.

Die Inlineskates haben es ihnen angetan. Sie haben sogar einen Verein gegründet!

In Assenheim spielen wir seit 1996 auf Inlinern. Es fing beim ortsansässigen Turnverein an. Wir wollten hochklassig spielen, die Außenspielfläche reichte dafür nicht aus. Nach der Abkopplung vom Mehrspartenverein waren Ende 1998 die Assenheim Patriots geboren. Ab 1999 nahmen wir am Spielbetrieb im Inlinehockey teil. 2000 begann der Hallenbau in Eigenregie. Zehn Jahre nach der Gründung sind wir zum Skaterhockey gewechselt und haben uns umbenannt. Seither heißen wir Inline-Verein Assenheim (IVA) Rhein-Main Patriots. Wir beziehen die Region im Namen ein ohne unseren Heimatort zu vernachlässigen.

Wie lief es sportlich nach der Gründung?

Wir waren erfolgreich. Wir sind im Inlinehockey jeweils sechsmal Deutscher Meister und Pokalsieger geworden. Das war eine tolle Zeit! National haben wir alles erreicht. International sind wir im Europapokal der Landesmeister Dritter geworden. Aber die Strukturen im Inlinehockey sind kompliziert. Viele Vereine sind nicht in der Lage die Professionalisierung mitzugestalten. Deshalb entschieden wir uns 2009 für den Wechsel vom Inline- zum Skaterhockey.

Ein sportlicher Neuanfang...

Wir mussten damals unten in der Regionalliga starten, sind dort Meister geworden. 2010 gewannen wir die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd. Wir hatten den Durchmarsch in die 1. Bundesliga geschafft und waren bis 2015 erstklassig.

Und dann?

Es folgte Unruhe im Verein. Wir stiegen ab. Nach dem Abstieg haben wir uns strukturell und personell verändert. 2016 wurde die Nachwuchsarbeit intensiviert. Wir setzen bei den Herren vermehrt auf eigene Spieler. Das stärkt die Identifikation mit dem Verein und der Region. Wir haben uns in der 2. Bundesliga gut zurechtgefunden und sind Vizemeister geworden. 2017 haben wir nur knapp den Aufstieg verpasst.

Warum sind Sie mit ihrem Verein vom Inlinehockey zum Skaterhockey gewechselt?

Unsere Sportkommision im Inline-Skaterhockey Deutschland (kurz: ISHD) leistet vorbildliche Arbeit. Der Betrieb im Skaterhockey ist wesentlich strukturierter und organisierter als im Inlinehockey. Die Mitgliederzahlen sind höher. Es ist eine gesunde Basis vorhanden und eine klare Linie erkennbar. Sportlich ist Deutschland die stärkste Nation in Europa. Wir bewegen auf einem sehr guten Level.

Skaterhockey wird mit einem Ball gespielt und ist körperbetont, während Inlinehockey mit Puck gespielt wird und nicht so physisch ist. Gibt es noch weitere Unterschiede zwischen Inline- und Skaterhockey?

Die Torgrößen zwischen den beiden Sportarten sind ein wenig verschieden, stellen aber kein ausschlaggebendes Kriterium für die Wahl der Sportart dar. Es gibt weitere kleinere Abweichungen, grundlegend sind die Unterschiede der Spielgeräte und der Körperlichkeit.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Patriots?

Wir sind mit rund 260 Mitgliedern ein etablierter Verein, das ist hervorragend. Wir wollen uns aber in allen Belangen verbessern - Schritt für Schritt, Tag für Tag. Unsere Nachwuchsarbeit trägt Früchte. Wir sind von der U10 bis zur U19 in allen Altersklassen erfolgreich vertreten. Unsere Damenmannschaft spielt in der 1. Bundesliga und verpasste nur knapp das Finale in Liga und Pokal. Wir sind zu einer festen Größe im deutschen Skaterhockey gereift. Das Gesamtkonstrukt stimmt mich sehr zufrieden.

Das Ziel mit der ersten Mannschaft ist die 1. Bundesliga, oder?

Der Verein besteht bald 20 Jahre. Das Jubiläum als Erstligist ist natürlich ein Ziel. Es gilt das Motto: „Zusamme Ans!“ Das ist hessisch und heißt so viel wie: „Einer für alle, alle für einen!“ Wir arbeiten zusammen daran, die Patriots besser und zeitnah wieder erstklassig zu machen.

Laufen schon die Planungen für die Jubiläumsfeier?

Ja, es soll zwei Highlights geben. In sportlicher Hinsicht läuft die Bewerbung für die Ausrichtung des Europapokals der Pokalsieger für Juni 2019. Musikalisch-kulturell lassen wir uns für September etwas einfallen. Alle sind herzlich eingeladen mit uns zu feiern!

Den Verein haben Sie damals mit ihrem Vater Jürgen Pfannmüller gegründet. Ist das ihr gemeinsames Lebenswerk?

Zur Vereinsgründung gehören nach deutschem Recht sieben Mitglieder. Das war Gemeinschaftsarbeit von Anfang an. Wir sind stolz darauf, was wir hier auf die Beine gestellt haben. Mein Vater und ich haben da kräftig mitgewirkt bei der Idee und Umsetzung. Die Patriots sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens.

Hat ihr Vater Sie zum Hockey gebracht?

Mein Vater war schon immer am Eishockey interessiert und nahm mich häufig zu den Heimspielen des EC Bad Nauheim mit. Mit sechs Jahren habe ich in der Kurstadt angefangen zu spielen und war in allen Nachwuchsmannschaften. Aufgrund meiner zeitlichen und beruflichen Situation war es schwierig mit dem Profisport. Das Bosman-Urteil war da das i-Tüpfelchen.

War es ihr Ziel höherklassig im Eishockey zu spielen?

Jeder junge Spieler will oben spielen. Es hat nicht geklappt, aber das ist okay. Einerseits ist Eishockey hier nicht so weit verbreitet wie in anderen Regionen – zum Beispiel Bayern oder NRW. Andererseits war mir meine Berufsausbildung wichtiger. Als professioneller Eishockeyspieler ist es schwierig ausreichend Geld zu verdienen. Die damalige Entscheidung mich aus dem Eishockey zurückzuziehen, würde ich unter solchen Voraussetzungen wieder treffen.

Sie sind dem Hockey trotzdem treu geblieben. Ist Hockey täglicher Bestandteil ihres Lebens?

Aufgrund des Vereins werde ich jeden Tag mit Hockey konfrontiert. Ich versuche gelegentlich abzuschalten. Aber der Sport gehört zu mir wie das Amen in der Kirche. Bei uns im Skaterhockey gibt es die Möglichkeit Beruf oder Studium mit hochklassiger Bewegungskultur zu kombinieren. Der Sport kann in den Alltag integriert werden. Die Kombination gelingt mir bis heute, wenn auch in anderer Funktion. Das ist genial!

Ist ihre ganze Familie verrückt nach Hockey?

Mein Vater und ich sind schon ewig dabei. Meine Tochter Leni hat den Sport von ganz klein auf kennengelernt und spielt in der U10-Mannschaft. Ich freue mich, dass sie so einen Spaß daran hat. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn sie sich für eine andere Sportart entschieden hätte. Mir ist wichtig, dass sie eine Mannschaftssportart ausübt. Meine kleinere Tochter beginnt bald mit der Laufschule. Meine Schwester Dominik spielt in der Damenbundesliga für Assenheim. Mein Schwager Stefan Napravnik ist Trainer der 1. Mannschaft. Meine Familie ist also sehr involviert. Meine Mutter und meine Frau mal ausgenommen.

Warum sollten Kinder ausgerechnet mit dem Skaterhockey beginnen?

Generell ist es für Kinder sehr wichtig Sport zu treiben. Der Hockeysport fördert die Entwicklung des Kindes, besonders die Motorik und das Sozialverhalten.  Bei uns herrscht durch die langen Auswärtsfahrten ein ausgeprägter Teamgeist, der Spaß kommt nicht zu kurz. Auch ein positiver Aspekt ist die Selbstständigkeit, die das Kind dabei erlernt. Skaterhockey ist zwar zeit- und kostenintensiv, aber das macht den Reiz dieses Sports auch ein bisschen aus.

Wie werden neue Spieler rekrutiert?

Aufgrund der geringen öffentlichen Präsenz der Sportart ist es eine Herausforderung. Wir bemühen uns seit Jahren Kinder und Erwachsene für den Verein zu gewinnen. In der ortsansässigen Geschwister-Scholl-Schule bieten wir eine Schul-AG an. In anderen öffentlichen Institutionen, wie Kindergärten, sind wir präsent. Wenn wir die Ausrüstung auspacken, funkeln die Augen. Darauf setzen wir. Künftig wollen wir noch intensiver auf die Betreuungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet zugehen.

Ist das Training mit Erwachsenen oder Kindern einfacher?

Es ist sehr unterschiedlich und nicht zu vergleichen. Bei den Kleinen muss man auch mit den Eltern klarkommen. In der Herrenmannschaft spreche ich mich nur mit den Spielern ab.  Momentan bin ich sportlicher Leiter der Seniorenmannschaft und Trainer der U10. Beides bereitet mir Freude. Im Seniorenbereich ist die Arbeit aufwendiger. Als sportlicher Leiter einer Bundesligamannschaft benötige ich wesentlich mehr Zeit. Dort müssen organisatorische Dinge wie Gespräche mit Sponsoren und Spielern geführt oder Auswärtsfahrten und Trainingslager geplant werden.

Würden Sie sich mehr Mannschaften in der Umgebung wünschen?

Ja klar! Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir brauchen keine Monopolstellung. Die Popularität unseres Sports steigt, wenn mehr Skaterhockey-Vereine in der Region existieren. Die Entwicklung in Hessen ist schwierig, bundesweit aber entstehen nach und nach Vereine. Eine Kooperation mit den bestehenden Inlinehockey-Vereinen, zum Beispiel aus Frankfurt oder Langen, könnte ausgebaut werden. Auch die Zusammenarbeit mit Eishockey-Clubs ist generell sinnvoll. Vielleicht geht da ja noch was. Wir sind jederzeit für Gespräche bereit.

Sie haben mit Eishockey angefangen, sind dann vom Inline- zum Skaterhockey gewechselt und spielen jetzt wieder Inlinehockey in der Hobbymannschaft der Patriots ohne Ligaspiele. Wie ist es für Sie nicht mehr im Wettbewerb zu spielen?

Rückblickend ist es schön alle Sportarten einmal ausprobiert und Erfahrungen gesammelt zu haben. Aufgrund des Alters kann ich einfach nicht mehr auf höchstem Niveau spielen. Das ist schon in Ordnung so. Ich bin organisatorisch sehr eingespannt beim IVA. Das Training in der Hobbymannschaft ist eine gute Gelegenheit für mich weiterzuspielen und Spaß zu haben.

Wo sehen Sie sich und den Verein in Zukunft?

Erst einmal hätte ich vor etwa 25 Jahren nie gedacht, dass ich einen Verein mit dieser Größenordnung und diesem sportlichen Erfolgen vertreten darf. Was in 25 Jahren sein wird -  ob es den Verein dann noch geben wird, ob er an großer Popularität gewinnt oder ob Skaterhockey als Sportart dann bundes- oder weltweit bekannt sein wird – weiß ich nicht. Ich gebe mein Bestes, dass wir alle gemeinsam vorankommen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Michael Sender

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