Der Glaube ist zurück

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die Vorbereitungen auf dieses wichtige Heimspiel liefen alles andere als optimal. Nach den Spielen auf dem Pfingstturnier in Köln die Eagles wurden Vierter) kündigten innerhalb von 24 Stunden zwei Leistungsträger. Lars Neuhausen und Jannik Marke sorgten für vorübergehende Aufregung mit ihren Ankündigungen, den Verein sofort  zu verlassen. Marke schließt sich dem HC Köln-West an, der ihn immer schon gerne in seinen Reihen sehen wollte. Neuhausen hat sich noch keinem anderen Verein angeschlossen.

Trainer, der sportliche Leiter, der Präsident und der Vorstand reagierten umgehend mit aktivster Suche nach neuen Spielern. Sozusagen im Eilverfahren schloss sich der 22-jährige Eishockeycrack Benjamin Hanke den Eagles an und Georg Otten besorgte noch Freitagabend den Spielerpass beim Verband. Er wurde zusammen mit den Verteidigern Walczok, Glaubach im Sturm an die Seite von Luca Linde gesetzt und fand auch schnell Bindung in dieser Reihe. Mit seinen 1,85 Meter und 85 Kilogramm machte er nicht nur einen guten optischen Eindruck. Auch seine Ruhe im Spiel beeindruckte. Er wird den Eagles für einige Spiele zur Verfügung stehen. Er spielt Eishockey in der Oberliga und läuft für die Füchse Duisburg auf.

Die Mannschaft schien von den Abgängen nicht beeindruckt zu sein, sondern legte eher eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität an den Tag. Alle waren von der ersten Sekunde an hellwach. Besonders hob sich Torhüter Philipp Inger hervor. Dario Khazaei war erkrankt und der zweite Torhüter Jan Spaltmann kam unmittelbar vor dem Spiel zur Spielstätte. Da er noch kalt war, wurde er auf dem Nebenfeld eingespielt. Inger sollte nur für wenige Minuten das Tor hüten, legte aber dabei eine solch stabile Leistung an den Tag, dass Coach Jan Opial nicht mehr an ihm vorbei kam. Pech für Spaltmann, Glück für das Team.

Das Spiel begann von beiden Seiten sehr konzentriert und jeder versuchte, dem anderen sein Konzept aufzudrängen. Ein munteres Spiel begann, mit zahlreichen Aktionen auf beiden Seiten. Besonders Inger konnte sich mit stoischer Ruhe mehrfach auszeichnen. Aber auch die Abwehr engagierte sich enorm und der Spielaufbau war um etliches besser als in den letzten Spielen. Coach Jan Opial meinte nach dem Spiel, das der Erfolgsgarant für den Sieg in der Einhaltung der taktischen Marschroute lag. Das fehlte in den letzten Partien.

So wechselten sich die Torchancen auf beiden Seiten ohne Torerfolg ab. Erst als der erste Iserlohner Spieler auf die Strafbank musste, fiel der erste Treffer. Ganze 12 Sekunden brauchte der Gastspieler nur auf der Strafbank Platz zu nehmen, denn David Walczok passte trocken auf Luca Linde, der zum Führungstreffer einnetzte. 1:0 (12.) Danach ging es wieder munter auf beiden Seiten hin und her. Die technisch versierten Gäste kamen irgendwie nie hundertprozentig mit dem Boden zurecht, sonst wären sicherlich manche Aktionen erfolgreicher verlaufen. Erfolg hatten sie jedoch, als die Eagles unmittelbar hintereinander mit zwei Spielern in der Kühlbox saßen. Carsten Platz verwandelte einen Querpass zum 1:1-Ausgleich. Die restliche Strafzeit des dritten Eagles brachte die Mannschaft mit vollem Einsatz um die Runden, ebenso wie das erste Drittel.

Im zweiten Drittel konnte Altstar Sascha Jacobs einen sauberen Querpass zur erst - und einmaliger Führung für die Sauerländer verwandeln. 1:2 aus Kaarster Sicht nach 25 Minuten. Dieser Rückschlag ließ aber nicht die Adlerköpfe hängen, denn sie marschierten unbeirrt nach vorne. In der 28. Minute passte Christian Perlitz auf Youngster Thimo Dietrich, der im zweiten Anlauf den Ball über die Linie brachte. 2:2 nach 28 Minuten. Die restlichen 12 Spielminuten in diesem zweiten Drittel verliefen spannend, aktionsreich und immer auf gleicher Augenhöhe. Beide Torhüter durften sich weiter auszeichnen.

Das letzte Drittel musste die Entscheidung bringen. Kaum waren drei Minuten gespielt, wurschtelten Roy Lindner und Marc-André Otten vor dem Iserlohner Gehäuse mit deren beiden Verteidigern den Ball hin und her und plötzlich lag der Ball hinter der Linie. Otten hatte den Schläger als letzter Spieler richtig hingehalten und die Adler führten erneut. Iserlohn erhöhte die Angriffsbemühungen, angespornt von ihrem Trainer Robert Simon. Aber auch in dieser Phase blieb Keeper Philipp Inger ruhig und entnervte die gegnerischen Stürmer. Glück gehörte bei einigen Pfostenschüssen auch dazu. Dagegen zahlte sich mal wieder die Routine von Christian Perlitz  aus, der aus der eigenen Hälfte einen Handgelenkschuss auf das Iserlohner Tor abfeuerte und den verdutzten Keeper zum 4:3 (46.) überwand.

War das schon die Vorentscheidung? Noch nicht. Iserlohn ließ sich nicht hängen und drängte die Adler in die eigene Hälfte. Mit viel Glück und Einsatz wurden Treffer verhindert. Das ging aber nur bis zur 54. Minute so reibungslos. Da war es Tim Linke, der Torjäger der Sauerländer, der zum 4:3-Anschlusstreffer traf. Jetzt wurde es noch spannender und alle Akteure setzten zum Schlussspurt an. In der 57. Minute schlug die Stunde von Neuzugang Benjamin Hanke. Er erlief einen Fehlpass der Iserlohner, setzte sich durch und passte vor dem Torhüter zu Luca Linde, der gekonnt einnetzte. 5:3 und noch vier Minuten zu spielen. Iserlohn ließ sich nicht eine Sekunde hängen und stellte sich sofort wieder am Bullypunkt auf. Zwei Minuten später durften sie noch einmal jubeln und Hoffnung auf ein Unentschieden haben. Assistent Constantin Wichern nutzte seine zweite Schusschance und überwand den am Boden liegenden Inger zum 5:4. Die letzten 120 Sekunden waren an Spannung nicht zu überbieten. Immer wieder warfen sich Eagles in den Weg und 90 Sekunden vor Schluss nahm Iserlohns Trainer den Keeper aus dem Tor, nachdem eine letzte Strafe in diesem sehr fairen Spiel gegen Iserlohn ausgesprochen wurde. Thimo Dietrich traf schließlich ins leere Tor zum 6:4.