Chiefs siegen in Kaarst – umstrittene rote Karte

Chiefs siegen in Kaarst – umstrittene rote KarteChiefs siegen in Kaarst – umstrittene rote Karte
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Zu Beginn des Spiels, in dem die Chiefs erstmals in diesem Jahr mit vier Reihen auflaufen konnten, lief aus Uedesheimer Sicht alles nach Plan. Nach nur 26 Sekunden konnte Christoph Clemens ein Zuspiel von David Frerix zum 0:1 verwerten und damit eine starke Anfangsphase einläuten. Die Chiefs hatten vom Start weg viele gute Chancen, spielten druckvoll und hinten gab es eigentlich keinen Anlass, nervös zu werden. Erst recht nicht nach dem 0:2 von Tim Schmitz in der 6. Minute, das erneut Frerix vorbereitete. Auf der Tribüne erwarteten die Uedesheimer und befürchteten die Kaarster Fans nun ein Schützenfest, aber es kam anders. Wie in den letzten Spielen auch kassierten die Chiefs jetzt ein paar, wie Coach Wolfgang Hellwig kommentierte „saudumme und unnötige“ Strafzeiten, und was Iserlohn letzte Woche schon nutzte, machte sich jetzt auch Kaarst zum Vorteil. Marke (8.) und Linde (13.) konnten Chiefs-Goalie Malte Rütten, der heute Olli Derigs eine Pause verschaffte, jeweils in Überzahl bezwingen. Danach war ein Bruch im Uedesheimer Spiel zu sehen. „Vielleicht haben wir sie nach den beiden schnellen Toren ein bisschen unterschätzt“, vermutete Kapitän Marcel Mörsch, wogegen Hellwig sah, „dass Kaarst uns ihr Spiel aufgezwängt und das ganze Tempo aus dem Spiel genommen hat. Wir sind dann auch kaum noch gelaufen.“ In dieser Phase gab es auf beiden Seiten kein Tempo, keine Emotionen, gar nichts. Zuschauer, die in dieser Phase in die Halle kamen, hätten von sich aus wohl kaum erkennen können, dass es sich auf dem Court um ein Spiel der 1. Bundesliga handelt. Erst in Minute 18 passierte wieder etwas Zählbares, Benni Meschke brachte Uedesheim wieder in Führung. Diese hielt jedoch nicht lange, denn als die Chiefs den Ball im Aufbauspiel an die Kaarster verloren, ließ sich Dietrich nicht lange bitten und netzte ohne Gegenwehr zum 3:3 -Pausenstand ein (20.).

Ähnlich verlief anfangs das zweite Drittel. Die Chiefs wurden weiterhin erfolgreich von den super kämpfenden Kaarstern eingelullt und wenn sich mal Chancen ergaben, scheiterte man am Kaarster Goalie. Lediglich Robert Linke fand eine Lücke und brachte grün erneut in Führung (3:4 / 24.). Danach kamen die Emotionen ins Spiel, leider nicht auf die sportliche Art. Beide Teams hatten jeweils einen Spieler auf der Strafbank sitzen und nach einem absolut normalen Zweikampf um den Ball zwischen Linde und Holger Schrills blieb der Kaarster kurz liegen, rappelte sich auf, lief zur Bank und sackte dann davor wieder zusammen. Bisher kein Pfiff, keine angezeigte Strafe. Dann doch ein Pfiff und erstmal fragende Gesichter. Auf dem Feld und der Tribüne gab es hitzige Diskussionen. Dann bekam Schrills nach starkem Debüt die rote Karte unter die Nase gehalten und die Emotionen waren da. „Ich spiele schon lange mit Holger zusammen, er hat noch nie eine große Strafe bekommen, ist absolut kein unfairer Spieler und hat auch in dieser Szene nichts gemacht“, kommentierte sein Sturmpartner Mike Höfgen die Situation. „Der Schiri sagt dem Mace das er nichts gesehen hat und gibt dann doch 5 plus Spieldauer“, war Hellwig entsetzt.

Die Chiefs hatten also 5 Minuten in Unterzahl zu bestreiten, teilweise sogar nur zu zweit, denn eine weitere kleine Strafe folgte auf dem Fuße. So kam Kaarst durch Walczok zum 4:4 Ausgleich (30.). Die restliche Dauer der Strafzeit überstanden die verbissen kämpfenden Chiefs mit Malte Rütten als starkem Rückhalt ohne Gegentreffer. Aufopferungsvoll warf man sich jetzt in jeden Schuss und profitierte in dieser Phase auch eindeutig davon, ständig frische Beine auf’s Feld schicken zu können. Mit Ablauf der Strafzeit bot sich den Chiefs die große Chance, zu zweit alleine auf das Kaarster Tor zulaufen zu können. Doch Michael Stumpf bekam die Kugel nicht am hervorragend reagierenden Khazaei vorbei und was Dietrich schon im ersten Abschnitt schaffte, das zeigte er auch im Mitteldrittel: er nahm wenige Sekunden vor der Sirene ein Geschenk an und traf zum vielumjubelten 5:4 (40.).

Auch im letzten Drittel fanden die Chiefs nicht so in die Partie, wie man es sich hätte wünschen können. Viel mehr ließ man sich auf einen offenen Schlagabtausch ein und hatte es Rütten einige Male zu verdanken, nicht höher in Rückstand zu geraten. In Überzahl war dann Linke zur Stelle. Aus unmöglichem Winkel fand er die Lücke zwischen dem Pfosten und der Schulter von Khazaei und es stand 5:5 (44.). Doch auch der Treffer brachte keine Ruhe ins Spiel. Denn die nächste Strafzeit machte wieder alles kaputt. Dietrich gelang in Überzahl der Hattrick, es stand 6:5 (47.). Allerdings boten die Hausherren den Chiefs kurz danach auch die Möglichkeit, in Überzahl zu agieren und Marcel Mörsch sagte nach dem gefühlt 25. Schuss und einem vorhergehenden Pfostentreffer artig danke (6:6 / 48.). Beide Teams hatten danach Chancen zur erneuten Führung, und die Kaarster waren wieder schneller mit dem Toreschiessen. Neuhausen überwand Rütten ein letztes Mal an diesem Tag (7:6, 52.). Kurz darauf hatten die Eagles den Sieg auf der Kelle, aber mit einer absolut spektakulären Parade hielt Rütten seine Jungs im Spiel und sorgte noch mal für Motivation auf der Uedesheimer Bank. „Dieser Big Save hat uns noch mal richtig Auftrieb gegeben“, sagte der spätere Siegtorschütze Marco Hellwig nach dem Spiel zu dieser Aktion. Die Chiefs gaben sich nicht auf, brachten nun viele Bälle auf’s Kaarster Tor, fanden aber nicht die Lücke. Erst ein weiterer Kunstschuss von Linke brachte den Ausgleich. Wieder zog der Stürmer aus unmöglichem Winkel ab, wieder traf er genau in den Knick und vier Minuten vor dem Ende stand das Spiel auf des Messers Schneide (7:7 / 56.). Auch jetzt machten sich die frischeren Beine der Chiefs bemerkbar, die noch mal Druck aufbauten und auf den Siegtreffer drängten. Das Unentschieden wäre dem Spielverlauf zufolge sicher kein ungerechter Endstand gewesen, aber 64 Sekunden vor dem Ende durften die Chiefs dann doch noch den Siegtreffer bejubeln. Hellwig bugsierte nach herausragender Vorarbeit von Mörsch aus einer Spielertraube vor dem Kaarster Tor heraus die Kugel über die Linie. Viel mehr als ein Pfostentreffer der Chiefs auf das leere Tor der Hausherren passierte danach nicht, Kaarst war geschlagen.

Nach Ostern reisen die Chiefs dann zum nächsten Spiel nach Assenheim (14. April, 19 Uhr).