Bitteres Wochenende für die ChiefsZusammenbruch gegen Bissendorf

Bitteres Wochenende für die ChiefsBitteres Wochenende für die Chiefs
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Vor dem Doppelwochenende hatten die Chiefs auf zwei Siege und den damit wohl verbundenen frühzeitigen Klassenerhalt gehofft. Es kam anders, ganz anders. Zwei deftige Niederlagen sorgen nun weder für Ruhe in der Tabelle, noch für besonders gute Stimmung im Neusser Lager.

Samstag in Assenheim siegte der bis dahin Tabellenletzte mit 9:4 (2:0, 5:1, 2:3) gegen Uedesheim. Beide Teams verfügten grade mal über die Mindestanzahl an Aktiven, aber die Hausherren kamen besser ins Spiel und trafen bereits in der ersten Spielminute. Uedesheim fand über die gesamte Partie offensiv kaum statt. „Wir hatten zwar einige Chancen, aber waren schwach im Abschluss. Die Patriots hatten allerdings auch einen guten Keeper im Kasten“, wusste Co-Trainer Daniel Benske zu berichten.

Im Mitteldrittel wurde die Partie dann hektisch, Strafen auf beiden Seiten waren die Folge. Die Chiefs nutzten dies nur beim 5:1 durch Raphael Scheu (39.) und bekamen den Laden sonst nicht dicht. „Wir standen defensiv wirklich schlecht“, musste auch Benske nachher einsehen. 7:1 führten die Patriots nach 40 Minuten – scheinbar eine Vorentscheidung.

Aber plötzlich drehten die Chiefs nochmal auf. Jakob Matzken, Scheu und Tim Bothe trafen innerhalb von drei Minuten gleich zu Beginn des letzten Abschnitts. Warum die Aufholjagd nicht weiter ging? Benske: „Wir waren wieder dran, hatten vermeintlich Oberwasser. Aber dann wollten die Jungs zu viel und haben die Ruhe verloren.“ May wurde förmlich zum 8:4 eingeladen und stoppte den Lauf der Neusser, Ex-Chief Patejdl machte dann den Deckel auf die Partie. Bitter zudem, dass sich Jerome Bonin in der Schlussphase erneut böse verletzte und für den Rest der Saison auszufallen droht.

„Es war eine völlig unnötige Niederlage“, war Benske nachher enttäuscht. „Aber wir haben einfach einen großen Teil der Partie verpennt, da kann man dann nicht mehr viel erwarten. Immerhin haben die Jungs nachher nochmal Moral gezeigt, das macht Mut.“

Von diesem Mut war am Sonntag dann genau 20 Minuten lang etwas zu sehen. Im ersten Drittel spielte Uedesheim richtig stark. Hinten gab Dario Khazaei seinen Jungs mit guten Paraden Sicherheit, vorne spielte man sich einige gute Chancen raus. Marco Hellwig schnürte einen schnellen Doppelpack (6./7.), danach ließ man viele Chancen liegen.

Dennoch hatte man Spiel und Gegner vermeintlich sicher unter Kontrolle. Den Gästen fiel bis auf Fernschüsse wenig ein, Baude traf erst in der Schlussminute der ersten 20 Minuten in Überzahl mit einem Hammer zum 2:1. Aber nur 16 Sekunden später sagte Benni Meschke danke zu einer super Vorlage von Hellwig und stellte den alten Abstand wieder her.

Soweit, so gut. Alles lief nach Plan für die Chiefs. Das 3:2 durch Gollasch (22.) war zwar vermeidbar, aber war noch kein Anzeichen darauf, war kurz danach folgen sollte. Uedesheim hatte auf der anderen Seite selbst gute Chancen auf weitere Treffer, scheiterte aber an Panther-Keeper Sellmann oder an der Latte (Meschke).

Mit dem 3:3 in der 28 Minute brachen dann ohne Vorwarnung plötzlich alle Dämme bei den Chiefs. Man kassierte nicht nur vier Treffer in drei Minuten, sondern insgesamt zwölf (!) im Mitteldrittel. Bei keinem eigenen Treffer dürfte dies ein einsamer Negativrekord sein. Wie Slalomstangen standen die Neusser nun auf dem Feld und ließen die Panther gewähren. Nahezu jeder Schuss der Gäste war nun ein Treffer, auch ein Torwartwechsel brachte nichts.

Die Kabinenansprache nach diesem desolaten Abschnitt war sicherlich nicht schön, aber als es die Uedesheimer im Schlussabschnitt weiter einfach laufen ließen und erneut zwei schnelle Gegentreffer fingen, zogen die Trainer die letzte Reißlinie, nahmen einen Auszeit und forderten zumindest nochmal einen Restfunken Ehre von der Mannschaft ein.

Jakob Matzken und zweimal Robert Eefting machten es ansatzweise erträglich, aber die Chiefs konnten die Gegentorflut nicht stoppen und die Gäste hatten sichtlich Spaß am Toreschießen. Schlussendlich ging auch das letzte Drittel deutlich verloren und ein 6:20 (3:1, 0:12, 3:8) prangte noch nie in der Geschichte der Chiefs auf der Anzeigetafel. Eine historische Niederlage!

„Was soll ich dazu sagen?“ fragte Coach Marcel Mörsch nachher nur achselzuckend. „Wir haben das Spiel 20 Minuten lang sowas von im Griff und brechen dann so auseinander. Darüber muss ich erstmal eine Nacht schlafen.“ Auch Benske war nicht nur vom Spiel, sondern auch nach einem Blick auf die Tabelle entsetzt: „Man kann sagen, dass wir im Schnitt 10 Gegentore bekommen. So viele können wir vorne gar nicht schießen, um viele Spiele in der Bundesliga zu gewinnen. Wir müssen den Laden endlich dicht bekommen.“

Damit dürfte das Derby am kommenden Samstag (18.15 Uhr) in Kaarst noch mehr an Bedeutung gewinnen. Auch Kaarst hat dem Vernehmen nach am Samstag zwei Pleiten gegen Düsseldorf einstecken müssen und ist ebenso wie die Chiefs dringend auf Punkte angewiesen, um einen Abstieg zu vermeiden.