Bestes Auswärtsspiel in diesem Jahr

(Foto: Crash Eagles Kaarst)(Foto: Crash Eagles Kaarst)
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Dabei fing die Fahrt nach Assenheim mit einer Hiobsbotschaft an. Stürmer Luca Linde musste wegen einer Zahnentzündung kurzfristig absagen, dafür nahm das Trainergespann Verteidiger und Junior Christoph Glaubach mit und stellte die Reihen um. Somit reisten die Kaarster mit fünf Junioren an, was dem Spiel überhaupt nicht schadete. Alle integrierten sich perfekt und kompensierten mit unbändigem Einsatz jeden nicht besetzten Stammplatz. Lange hatte Kaarst schon nicht mehr solch ein ausgeglichenes Team.

Das sehr faire Spiel hatte viele spielerische und besonders kämpferische Momente. Dadurch und durch die guten Schiedsrichterleistungen blieb das Match über die ganze Zeit sehr flüssig und immer auf hohem Niveau. Kaarst schien heute den größeren Biss und Willen zum Sieg zu haben. Sie gingen erstmalig über die gesamte Spielzeit von 60 Minuten hoch konzentriert zu Werke. 

Dass sie gelernt haben, niemals aufzustecken bewies die Anfangsphase. Assenheim wollte das Heft in die Hand nehmen, aber Kaarst störte den Spielaufbau sehr früh und gelang nur durch einen Fehlpass in den eigenen Reihen in der vierten Minute in Rückstand. Tim May nutzte den Querpass von Topscorer Hannes Ressel zur Führung. 60 Sekunden später eroberte sich Assenheims Christian Unger an der Seite den Ball zurück und schob den Ball zu Pierre Wex, der leicht auf 2:0 erhöhte. Kaarst war keineswegs geschockt und stürmte weiter. Viele Chancen ergaben sich, die aber der gute Keeper Ingo Schwarz alle vereitelte. Machtlos war er aber zum ersten Mal in der 14. Minute, als der wieder sehr agile Pascal Mackenstein den Anschlusstreffer erzielte. Vorausgegangen war eine blitzsaubere Kombination über das gesamte Feld und den abschließenden genauen Pass von Jannik Marke.

Dem Passgeber blieb es auch vorbehalten bei einem Penalty anzutreten. Die Trainer gaben dem 17 Jährigen das Vertrauen, aber trotz einer raffinierten Variante fiel der Assenheimer Torhüter nicht auf den Trick herein und wehrte ab. Kaarst hatte bis zur Pause noch einige weitere Einschussmöglichkeiten, die aber nicht den Weg über die Linie fanden. 

Im zweiten Abschnitt setzten beide Mannschaften ihr jeweiliges System fort. Kaarst war mehr am Drücker, vergab Chancen und Assenheim verlegte sich unfreiwillig aufs Kontern. In der 32. Minute war es endlich soweit. Der Kaarster Anhang hatte Grund zum Jubeln. Kapitän Michael Geiß schloss mit einem fulminanten Schuss nach Vorlage von Tim Hauck zum erlösenden 2:2-Ausgleich ab. Danach folgten muntere Momente. Angriff auf Angriff brandete auf das Assenheimer Tor. Jedoch fiel der nächste Treffer in der 36. Minute wieder für die Gastgeber. Marco Kluin passte auf Marco Forster, der zum umjubelten 3:2 für Assenheim verwandelte. Kein Problem sagten sich die Adler. Keine zwei Minuten danach passte Verteidiger Bastian Dietrich mustergültig durch zwei Verteidiger der Assenheimer hindurch und Namensvetter Thimo Dietrich nahm sich die Kugel und verwandelte kaltschnäuzig durch die Beine des Keepers. So abgezockt sieht man selten ein Tor eines 16-jährigen Juniors. 3:3 stand es somit kurz vor dem letzten Pausenpfiff und ein entscheidendes letztes Drittel stand allen Akteuren bevor.

Den besseren Start erwischten aber wiederum die Gastgeber. Nach 2 Minuten klingelte es im Kaarster Tor. Für einen kurzen Moment ließ man Assenheims Stürmer Marcel Patejdl zu viel Platz, der auf Eagle Keeper Dario Khazaei abzog. Er konnte den scharfen Schuss parieren, aber in seiner Nähe stand Robertino Lehmann, der nur noch ablegen brauchte. 4:3 nach 42 Minuten. Kaarst ließ nicht locker und machte sich erneut auf die Aufholjagd. Trotz Trainingsrückstandes waren keine konditionellen Defizite zu sehen. Eher aufseiten der Assenheimer. Ihr Spiel wurde immer defensiver und sie konnten sich kaum Luft und Raum verschaffen. Vielleicht hofften sie aber auch, sich über die Zeit zu retten. Dies schlug ab der 51. Minute fehl. Pascal Mackenstein passte hinter dem Tor in den Rücken der Abwehr auf Junior Dominik Boschewski, der fünf Meter vom Mittelkreis entfernt entschlossen abzog. Sein Gewaltschuss fand den Weg in den Winkel. 4:4 und Riesenjubel in der Kaarster Mannschaft und deren Anhang. Nun waren die Emotionen kaum noch zu halten. Nicht blindwütig, aber entschlossen setzten sie ihre Marschroute fort, ohne zu pausieren. Die Trainer stellten noch kurz die Reihen um und wechselten im Halbminutentakt. In der 54. Minute fand der Jubel kein Ende. Sascha Drehmann passte auf Verteidiger David Walczok, der frei vor dem Tor auftauchte und ins rechte Eck einschießen wollte. Assenheims Ingo Schwarz hielt diesen Schuss, aber Walczok setzte nach und erzielte im zweiten Anlauf halb liegend den Führungstreffer. 4:5 in Minute 54. Welch ein herrliches Zahlenspiel! Assenheim ließ die Köpfe hängen, versuchte jedoch die letzten Kräfte zu mobilisieren und drängte auf den Ausgleich. Kaarst stemmte sich mit aller Energie dagegen, angetrieben von lautstarken Anfeuerungsrufen von der Tribüne. Minute um Minute verrann und jeder Ballbesitz wurde ausgiebig bejubelt. Am Ende stand ein erarbeiteter wichtiger Auswärtssieg auf dem Konto, der dafür entschädigt, dass man in Spaichingen und Atting eingeplante Punkte zurückließ.