Augsburg bleibt auf Europas ThronTV Augsburg

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Als am Sonntagabend gegen 22 Uhr die Schlusssirene des Finales ertönte und die Augsburger auf ihren alles überragenden Tormann Patrick Schenk zustürmten gab es kein Halten mehr. Dennoch unterschied sich der Triumph irgendwie von dem des Vorjahres. „2013 waren wir von unseren Emotionen so übermannt, dass es irgendwie gar nicht möglich war all diese aufzusaugen. Damals lief alles so surreal ab, so schnell und rapide. Ich will nicht sagen, dass der Erfolg vergangenes Wochenende weniger emotional war, aber auf Grund der Tatsache, dass es der zweite Europapokaltitel war und wir das alles schon einmal erlebt hatten, konnten wir das alles viel intensiver und wirklicher mitnehmen als 2013“, so der überglückliche TVA-Kapitän Stefan Gläsel.

Dass für einen solchen Triumph alles zusammenpassen muss unterstreicht auch nochmal Trainer Andreas Gerstberger: „Neben der Leistung der Mannschaft gibt es so viele Faktoren, welche auf das Abschneiden an einem solchen Wochenende Einfluss haben. Auch solche, auf die wir selber keinen Einfluss haben, wie beispielsweise das Wetter oder die Kabinenvergabe. An diesem Wochenende hat einfach wieder alles gestimmt, aber das wäre ohne die Unterstützung des Hauptvereines nicht möglich gewesen. In erster Linie sind hier Helga und Günther Löhnert zu nennen. Was die beiden wieder geleistet haben war der Wahnsinn, da kann ich gar nicht alles aufzählen. Ich weiß nur, dass wir ohne ihre Verdienste keine so große Zufriedenheit in der Mannschaft gehabt haben und ohne die hätten wir das Turnier definitiv nicht gewonnen.“

Ein besonderer Dank gilt auch der Mannschaft der Irish Moose Linz. Allen Landesmeistern, darunter auch den Linzern, stand eine der großen Eishockeykabinen in direkter Nähe zum Spielfeld zu. Auch der TVA war am Freitag dort einquartiert, hätte aber über das Wochenende in die Kabine einer Schule, welche circa 800 Meter von der Halle entfernt ist, ausziehen müssen. Die Linzer zeigten sich als wahre Sportsmänner und ließen den TVA über das gesamte Turnier in ihrer Kabine verweilen.

Der sportliche Ablauf des Turniers ist eigentlich schnell erzählt. Die Augsburger schafften das Kunststück alle sieben Turnierspiele zu gewinnen, hatten zum rechten Zeitpunkt das nötige Quäntchen Glück und in Torhüter Patrick Schenk den alles überragenden Mann des gesamten Turniers in ihren Reihen.

Nach souveränen Vorrundensiegen gegen Wien und die ersatzgeschwächten Vesterbro Starz, konnte man am Samstag in der Zwischenrunde auch Kopenhagen und Lugano relativ ungefährdet schlagen.

Damit kam es im Viertelfinale zum direkten Kabinenduell zwischen Augsburg und Linz, wobei trotz dieser prekären Situation die Fairness von beiden Seiten immer gewahrt wurde. Der TVA machte in diesem Spiel sein mit Abstand schwächstes des ganzen Turnieres und sah zwei Minuten vor Schluss schon wie der sichere Verlierer aus. Nur zwei Powerplaytore von Fettinger und Becherer retteten die Schwaben in die Verlängerung und dort ging die Dramatik weiter. Den Österreichern wurde vier Sekunden vor Ende der Overtime zurecht ein Penalty zugesprochen, welchen Schenk aber vereiteln konnte und sein Team so am Leben hielt. Einmal damit angefangen machte der Torsteher gleich damit weiter und parierte drei von fünf Linzer Penaltys. Fettinger und Dotterweich konnten auf Augsburger Seite verwandeln und so war es Maximilian Nies, der den entscheidenden Schuss versenkte und den Traum von der Titelverteidigung am Leben hielt.

Im Halbfinale am Sonntagmittag kam es dann zur Neuauflage des letztjährigen deutschen Finales zwischen dem TVA und den Samurai Iserlohn. Hatten im Dezember die Sauerländer noch das bessere Ende für sich, so behielten diesmal die Augsburger die Oberhand. Späth nach Traumpass von Routinier Florian Nies und Dotterweich in Überzahl brachten die Schwaben in der ersten Halbzeit mit 2-0 in Front. Schenk machte dort weiter wo er am Vortag aufgehört hatte und hielt alles was es zu halten hab, erst ein abgefälschter Schuss in der vorletzten Minute fand seinen Weg in den Augsburger Kasten. Die Hoffnung der Iserlohner wurde aber je zerstört, denn Nies traf wenig später in das verwaiste Samurai Gehäuse und die Würfel waren damit gefallen. Iserlohn schied aus, Augsburg zog ins Finale ein.

Dort kam es zur Neuauflage des Vorjahres, denn es warteten die Hallamshire Hornets aus Sheffield in England. Von Beginn an entwickelte sich ein hartes, emotionales und vor allem extrem schnelles Spiel. Die Briten hatten sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals personell verstärkt und konnten wie die der TVA drei ausgeglichene Reihen aufbieten.

Vor dem Tor waren im ersten Drittel nur die Hornets erfolgreich, nach einem Zuordnungsfehler in der Augsburger Defensive stand Ganley völlig frei vor Goalie Schenk und verwandelte zum 1-0. Im zweiten Abschnitt spielte der Titelverteidiger aber dann wie entfesselt auf. Erst hämmerte Lukas Fettinger, der später auch völlig zu recht ins All-Star-Team gewählt wurde, die Kugel in Überzahl in den Winkel, dann legte er zweimal traumhaft auf und Gläsel, sowie Nies drehten das Spiel zu Augsburger Gunsten. Als dann auch noch Maximilian Klimek zum 4:1 traf waren die Engländer bedient, bissen sie sich doch reihenweise die Zähne am sensationellen Schenk aus. Auch das zum großen Teil überharte Einsteigen gegen ihn brachte den TVA-Torsteher nicht aus der Ruhe. Hier hätten die Schiedsrichter aber ganz klar einschreiten müssen und die Torhüter besser schützen müssen. In ihrer Verzweiflung an Schenk schien es, als hätten die Briten irgendwann nur noch das Ziel diesen durch eine Verletzung aus dem Spiel zu befördern.

Einzig Pearman konnte den Augsburger Schlussmann auf sportliche Art und Weise bezwingen und verkürzte durch einen verdeckten Schuss auf 4:2.

Im letzten Drittel ändere sich nicht mehr viel, die Augsburger kämpfen um jeden Zentimeter, liefen sich die Seele aus dem Leib und zeigten einen unglaublichen Willen dieses Spiel zu gewinnen. Und falls Hallamshire doch gefährlich vor das Tor kam war da ja immer noch Schenk, der mit einer unglaublichen Ruhe Parade um Parade vollbrachte. Vier Minuten vor dem Ende entschied dann Oldie Florian Nies in seiner ganz eigenen Art das Spiel. Seinen eigenen Abpraller bugsierte er aus der Luft in Maschen des englischen Torwarts Birch, brachte seine Farben damit 5:2 in Front und das Paket „Europapokalsieger 2014 TVA“ zur Post.

Die Fuggerstädter spielten die restliche Zeit souverän runter, bevor kollektiver Jubel einsetzte. „Nach dem Viertelfinale gegen Linz saßen wir in der Kabine und haben uns gesagt: Unser Glück für das Wochenende ist jetzt aufgebraucht, jetzt müssen wir liefern. Ich denke, das haben wir am Sonntag dann auch ganz gut geschafft. Irgendwann hat man gemerkt, dass dieses Team diesen Titel unbedingt haben will. Und wenn uns dieser Spirit erwischt hat, dann wird es ganz schwer uns zu schlagen, ich denke das hat man jetzt am Wochenende auch gesehen. Fantastisch waren sicherlich auch unsere Fans, die uns phänomenal unterstützt haben während des Turniers“, so Turnier-Topscorer Lukas Fettinger.

Wie geht es nach so einem Triumph nun weiter? Ligaalltag ist die Antwort. Am kommenden Wochenende erwartet der TVA Assenheim und Uedesheim in der heimischen Arena. „Mit dem Titel im Gepäck können wir das ganze jetzt schon ein wenig lockerer angehen, schließlich sind wir ja für den Europacup 2015 wieder qualifiziert. Dennoch wollen wir am Wochenende weiter an einer annehmbaren Ausgangslage für die Playoffs arbeiten. Ein kleine Feier für unseren Titel wird es aber trotzdem zeitnah geben“, so Coach Gerstberger mit einem Zwinkern.