55 Minuten Hockey – fünf Minuten Farce

Ducks starten gegen AhausDucks starten gegen Ahaus
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Kaum war das Spiel beendet, da stand der Trainer beim Schiedsrichtergespann und fragte, was das sollte. Nicht der Rostocker Trainer, dessen Mannschaft gerade 2:9 (0:2, 1:2, 1:5) bei den Duisburg Ducks verloren hatte, und dessen Torhüter – dessen einziger Torhüter – fünf Minuten vor Ende eine Zehn-Minuten-Strafe kassiert hatte, so dass sein Team in der Schlussphase ohne Goalie spielte. Es war Manfred Schmitz, der Coach der Enten, der allerdings nichts über die Unparteiischen sagen wollte. Schiedsrichterin Tina Kirschner aus Neugablonz verteidigte sich: „Soll ich mir denn alles anhören?“

Das war passiert: 4:41 Minuten vor dem Ende gab es eine Strafzeit gegen die Rostocker Nasenbären. Das wiederum passte Torhüter Felix Thomas nicht und der leistete sich einen Spruch in Richtung der Schiedsrichterin. Sie wiederum zückte die Gelbe Karte, was im Skaterhockey das Zeichen für eine Zehn-Minuten-Strafe ist. Nun unterscheidet sich Skaterhockey von Eishockey in diesem Punkt. Denn: Der Torhüter muss seine „Zehner“ selbst absitzen. Da es bereits 8:2 stand und noch eine lange Heimreise bevorstand, zog sich kein Rostocker Spieler mehr als Torhüter um – es ging einfach mit einem Feldspieler mehr weiter. Die Duisburger erhöhten noch auf 9:2 und spielten sich dann – fairerweise – vier Minuten nur noch den Ball immer wieder zu. Fair von den Ducks, doch die Farce war perfekt. Denn mit Bundesliga-Sport hatte das nun überhaupt nichts mehr zu tun.

Das führt zur Frage der Unparteiischen zurück: „Soll ich mir denn alles anhören?“ Natürlich nicht. Und es war auch gepflegt unnötig, dass sich der Nasenbären-Goalie nicht im Zaum hielt, aber mal ehrlich: Der Keeper hat keinen Gegenspieler schwer gefoult. Er war der einzige Keeper. Und das noch in einem bereits entschiedenen Spiel. Denn was ein Schiedsrichter auch hat, das ist die Gesamtverantwortung für ein Spiel. Angesichts der Regellage im Skaterhockey: Ja. In diesem Fall hätte sich Tina Kirschner das anhören müssen. Fingerspitzengefühl wäre gewesen, dem Keeper die Gelbe Karte nach Spielende zu zeigen, um ein anständiges Spiel bis zum Schluss zu gewährleisten. Doch Tina Kirschner trägt nicht alleine die Schuld an diesem peinlichen Ende eines Bundesliga-Spiels. Auch der Verband ISHD sollte sich schleunigst klar darüber werden, wie unnütz diese Regel ist, dass ein Torhüter selbst auf die Strafbank muss. Denn es ist im Eishockey gerade aufgrund solcher Situationen schon seit Jahrzehnten so, dass ein Feldspieler für den Torwart die Strafe absitzt. Und es tut nicht weh, beim „großen Bruder“ sich die eine oder andere Sache abzuschauen.

In den 55 Minuten zuvor war das Spiel eine einseitige Angelegenheit. Ohne an die Leistungsgrenze gehen zu müssen, beherrschten die Duisburger das Spiel gegen acht Rostocker Feldspieler und einen Torhüter. Die Gäste kämpften stark, aber zu mehr reichte es nicht.

Tore: 1:0 (5.) Nagat, 2:0 (8.) Czajka, 3:0 (26.) Kevin Wilson , 3:1 (30.) Ciupka, 4:1 (31.) Müller, 5:1 (43.) Müller, 5:2 (45.) Russnak, 6:2 (49.) Patrick Schmitz, 7:2 (53.) Müller, 8:2 (55.) Nagat, 9:2 (56.) Kevin Wilson (ENG). (the)