Kommentar: Von den Problemen des Inlinehockeys

Kommentar: Von den Problemen des InlinehockeysKommentar: Von den Problemen des Inlinehockeys
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Wer ist eigentlich Eishockey-Weltmeister? Wer hat nochmal die Meisterschaft in der DEL gewonnen? Blöde Frage, werden sich die meisten sagen. Kanada und Mannheim.

Stimmt. Die Frage war wirklich nicht allzu schwer zu beantworten. Im Eishockey zumindest. Aber wer ist eigentlich Inlinehockey-Weltmeister? Und wer ist gerade Deutscher Meister? Auch das ist zu beantworten. Die Antwort dauert nur länger. Weltmeister – das sind Schweden und Tschechien. Deutscher Meister – da hätten wir die Rolling Wanderers Germering, die Kaufungen Sharks und den HC Köln-West.

Etwa in den letzten Jahren. Nein! Gerade jetzt! Ganz aktuell!

Verwirrt? Das kann man zwar mit einer Erklärung des ganzen nicht ändern, aber zumindest erläutern.

Denn grundsätzlich fühlen sich zwei Verbände für das Inlinehockey zuständig. Da wären der Eishockey-Weltverband IIHF und seine angeschlossenen nationalen Verbände wie der DEB. Klar. Inlinehockey ist Sommer-Eishockey. Die Regeln sind sehr ähnlich. Die Ausrüstung ist sehr ähnlich. Und ein Inlineskate sieht fast genauso aus wie ein Schlittschuh. Nur, dass da eben Rollen statt einer Kufe sind.

Der andere Verband ist der Rollsport-Weltverband FIRS. Das liegt auf der Hand. Inlineskates funktionieren mit Rollen – also Rollsport. Das hat auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) überzeugt. So haben die obersten Olympioniken die FIRS als „Governing Body“ für Inlinehockey anerkannt. Und eben nicht die IIHF.

Gut so? Na ja. Man darf Zweifel haben.

Grundsätzlich macht sich eine Sportart lächerlich, die im gleichen Jahr mehrere Weltmeister und nationale Meister hervorbringt.

Aber sollte man daher dem DEB verbieten, die DIHL zu betreiben? Sollte man dem IIHF verbieten, Weltmeisterschaft zu veranstalten? Die Funktionäre in FIRS und im Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) werden sicher laut Ja schreien. Aber eines ist klar. Die Mannschaften in der DIHL sind oft stärker als die in der IHD-Bundesliga. Die Nationalteams bei der IIHF-Inlinehockey-WM oft noch viel stärker als ihr jeweiliges Pendant bei der FIRS-Inlinehockey-WM.

Und da liegt des Pudels Kern. Eishockey ist eine alte gewachsene Sportart. Trotz aller Probleme, die das Eishockey mit sich herumträgt, sorgt dort der EINE internationale und der EINE nationale Verband dafür, dass Trainer ausgebildet werden, dass Schiedsrichter geschult werden, dass sich die Regeln halbwegs sinnvoll weiterentwickeln – weil sie auf aktuelle Entwicklungen des Sports reagieren.

Inlinehockey – oder die Ball-Variante Skaterhockey – jedoch versuchen sich oft verkrampft vom Eishockey zu unterscheiden, dehnen unnötig die Saison in die Länge, variieren noch viel unnötiger in den Regeln. Beispiele? Nehmen wir die Skaterhockey-Bundesliga. Ein Check von hinten ist dort gerade einmal zwei Strafminuten wert. Ein Check von hinten kann jedoch im schlimmsten Fall schwerwiegende Verletzungen verursachen. Dann gibt es dort einen eher putzig anmutenden Freistoß. Ein gegnerischer Spieler kniet sich oft vor den Schützen, verdeckt seinen Hals mit der Hand? Wie oft ich da schon ein Stoßgebet nach oben geschickt habe, wenn ich das gesehen habe? Sie können es sich denken! Einen Freistoß gab es vor Jahrzehnten auch in der Eishockey-Bundesliga. Er wurde nach einer Saison wieder abgeschafft. Zu gefährlich!

Was also tun? Der Punkt ist: Es darf nur einen Inlinehockey-Meister geben. International wie national. IIHF und FIRS hatten vor Jahren bereits über eine gemeinsame WM nachgedacht. Gemeinsam sollten sie sie auch wirklich organisieren. National wären tatsächlich die Rollsport-Verbände die besseren Ansprechpartner. Aber bevor alle DRIV-Funktionäre allzu hoch hüpfen: Auf Ausbildungs- und Regelbasis sollten der DRIV und der DEB einen gemeinsamen Inlinehockey-Ausschuss bilden. Denn da können sich alle Inline-Puristen auf den Kopf stellen: Inlinehockey ist – und bleibt – eine Variante des Eishockeys. Die Sportarten sind sich nun einmal viel zu ähnlich. Also: eine Kooperation von DRIV und DEB wäre das sinnvollste – gerade wenn man sieht, wie sehr die DIHL geschrumpft ist. Aber auch wenn man sieht, wie schlecht die Leistungen der Schiedsrichter viel zu oft in der Skaterhockey-Bundesliga sind.

Bleibt ein Problem. Die Trennung zwischen Inlinehockey und Skaterhockey innerhalb des DRIV. Deutschland ist ein Paradoxon. Es gibt ein Vielfaches an Skaterhockey-Spielern und -Vereinen im Vergleich zum Inlinehockey. International ist das aber anders herum. Nur sechs Nationen nehmen an der Skaterhockey-EM teil. Eine siebte kommt vielleicht bald dazu.

Irgendwann müssen sich die Inlinehockey-Macher fragen, ob man sich nicht für eine Variante entscheidet. Die IHD-Bundesliga (IHD ist die Inlinehockey-Kommission beim DRIV, ISHD die Skaterhockey-Kommission beim DRIV) ist viel zu klein und deutlich weniger organsiert, weil einfach der Unterbau fehlt. Das ist im Skaterhockey ganz anders. Aber dennoch wäre eine Entscheidung für den Puck nicht die allerschlechteste, um die besten Spieler zur WM schicken zu können. Und eine WM gibt es im Skaterhockey nun einmal nicht.

Aber keine Sorge für alle Konservativen. So schnell wird das wohl nicht passieren. Aber dennoch: Es ist und bleibt peinlich, dass es zwei Weltmeister und drei Deutsche Meister in ein und derselben Sportart gibt.

Jahr für Jahr für Jahr.

Ein Kommentar von Friedhelm Thelen