WM-Wunder: Der Kreis schließt sich!Die Eishockey-Nationalmannschaft begeistert Jung und Alt

Bundestrainer Harold Kreis hat den 25-köpfigen der deutschen Nationalmannschaft für die Eishockey-Weltmeisterschaft 2024 in Tschechien nominiert. (Foto: dpa/picture alliance/ASSOCIATED PRESS)Bundestrainer Harold Kreis hat den 25-köpfigen der deutschen Nationalmannschaft für die Eishockey-Weltmeisterschaft 2024 in Tschechien nominiert. (Foto: dpa/picture alliance/ASSOCIATED PRESS)
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Ich wische mir immer noch den Schweiz von der Stirn. Die Nation ist im Fieber. Frühlingsmärchen. Frühlingserwachen.  Frühlingsgefühle. Alles auf einmal. Ich jedenfalls bin im Ausnahmezustand. Ob Bayern München oder Borussia Dortmund am letzten Bundesliga-Spieltag Deutscher Fußball-Meister wird? Interessiert mich nur am Rande! Für mich zählt am Sonnabend nur eines: Das Halbfinale der deutschen Eis-Wunderknaben gegen die USA. Gelingt der nächste Coup nach den WM-Halbfinals 2010 und 2021? Erneut der Finaleinzug wie den Silber-Helden bei Olympia 2018? Gibt es die erste WM-Medaille seit 70 Jahren? Ich traue dieser Mannschaft alles zu. ALLES! Harold hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Kreis junger Männer um sich geschart, die begeistern. Jung und Alt.

Dieser Mann lebt seinen Traum. In der Endphase einer langer Trainerlaufbahn erfüllte er sich nämlich noch ein Herzens-Wunsch: Eishockey-Bundestrainer. Endlich! „Ich habe schon viel erlebt in meiner Karriere, aber jetzt als Bundestrainer zu arbeiten, ist etwas ganz Besonderes für mich. Es ist eine große Ehre“, sagt er fast demütig.

Babyboomer werden oft als rückständig bezeichnet. Von den nach 1980 Geborenen, Millennials und der Generation Z. Fehlverhalten im Umgang mit dem Klimawandel, Vorbehalte gegen technischen Fortschritt, Diversität und politische Korrektheit, so die Vorwürfe. Ja, auch ich, Jahrgang 1965, kenne das Augenrollen, wenn ich meinen Patenkindern erzähle, dass sie nicht wüssten, wie man etwa eine Straßenkarte liest, Fleetwood Mac eine Musikgruppe war, nicht das neueste Modell von Apple, Led Zeppelin kein beleuchtetes Luftschiff.

In der Bibel wurde Alter noch wertgeschätzt. Heute ist einer wie Methusalem nicht mehr angesagt, nicht mehr Vorbild, sondern für die Kids nur noch nervig. Motto: Sich zu Weihnachten zwar gerne das Smartphone einrichten lassen, aber sonst gerne belehren, dass man von so vielem keine Ahnung habe. Ist das wirklich so? Stimmt das Klischee? Nein! Harold Kreis ist der personifizierte Gegenbeweis. Er ist ein Mittler zwischen den Welten, den Generationen. Auch bei ihm gab es Zweifel. Antiquierte Trainingsmethoden. Aus der Zeit gefallen. Nicht mehr modern genug. Hieß es. Nicht so innovativ wie seine jungen und sehr erfolgreichen Vorgänger Marco Sturm und Toni Söderholm.

Disziplin. Wille. Leidenschaft. So sein Mantra. Selbstmitleid ist nicht seine Sache. Noch weniger duldet er Unpünktlichkeit. „Ich mag es nicht, wenn jemand meine Zeit verschwendet. Und ich werde auch Ihre Zeit nicht verschwenden.“ Verlässlichkeit und Vereinstreue kann man für den gebürtigen Kanadier unter dem Oberbegriff deutsche Tugenden summieren. 17 Jahre spielte er als Verteidiger in der Bundesliga, dann in der DEL, 15 Jahre als Kapitän: erst für den Mannheimer ERC, dann für die  Adler. Zwei Mal wurde er Meister, 1980 und 1997. Für das Nationalteam bestritt er 180 Länderspiele. Die Schlüsselfrage war: Wie gut kann er mit jungen Spielern?

Überragend! Ist die Antwort. Er klebte ein neues Zauberwort auf die Straße des Erfolges: Teamgeist! „Mein Puls war über 200. Es war unglaublich, wie sich jeder in jeden Schuss geworfen hat“, sagte JJ Peterka nach dem Coup gegen die favorisierten Eidgenossen. Die Skepsis, die Kreis begegnete, weil er als 64-Jähriger so anders ist als seine Vorgänger, ist verflogen. Zusammen sind wir stark. Ein Generationen übergreifendes Motto. „Spieler brauchen eine menschliche Wertschätzung.“ Das ist das simple Geheimnis. Kein Hexenwerk. Gegenseitiges Verständnis. Aufeinander zugehen. Man muss nur wollen. Der Kreis ist heiß. Auf die erste WM-Medaille seit 1953. „Es ist mal wieder Zeit.“ Einer für alle. Alle für einen: „Wir müssen einfach so spielen wie gegen die Schweiz. Mit Herzblut, mit Leidenschaft und einfach jeder für jeden“, bringt es Peterka auf den Punkt. Das Klima ist prima.

Babyboomer, Millennials, Generation Z, das geht. Richtig gut sogar. Man muss es nur wollen. Ja, Kreis und seine Jungs halten uns dieser Tage allen den Spiegel vor. Ich werde das Halbfinale mit meinen Patenkindern schauen. Sport verbindet. Generationen. Der Kreis schließt sich. Schön.


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