WM kompakt: Kanada, Schweiz, Russland punkten, Deutschland ist Gruppensieger

schwer gezeichnet: Ziga Jeglic (SLO) Foto: Peggy Nieleckschwer gezeichnet: Ziga Jeglic (SLO) Foto: Peggy Nieleck
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 Russland – Slowenien 6:4 (1:0, 1:1, 4:3)

Als Witali Atjuschow mit einem satten Schuss von der blauen Linie die erste Überzahl für die Russen zum 1:0 ausnutzte, schien der Bann früh gebrochen. Doch erneut versuchten sie die letztjährigen Finalisten in Schönspielerei, anstatt einmal richtig Andrej Hocevar im Kasten der Slowenen zu prüfen. Wladimir Tarasenko in der 14. Minute und vier Zeigerumdrehungen später Dmitri Kalinin, das war´s eigentlich schon, was das von Chefcoach Wjatscheslaw Bykow so vehement geforderte Schießen betraf. Beide Kontrahenten schenkten sich vor allen Dingen im ruppigen ersten Drittel überhaupt nichts. Slowenen-Youngster Ziga Jeglic musste behandelt werden, Alexej Jemelin wurde gar in der neunten Minute zur Kurzarbeit verdonnert. Und beinahe wäre den Cracks aus der Alpenrepublik gar der Ausgleich gelungen, doch weder Rok Ticar (10.) noch sein Namensvetter Pajic (20.) brachten die Scheibe im Tor unter.

Wer jetzt geglaubt hat, dass sich die Russen endlich auf ihre alten Stärken besannen, sah sich erneut enttäuscht. Es lief einfach nichts zusammen, sogar die Torchancen blieben aus. Bereits in der 23. Minute hatte es Ziga Pance in der Hand, den Gleichstand herzustellen. Doch offensichtlich verließen den wackeren Rechtsaußen von Olimpia Ljubljana die Nerven, denn die Hartgummischeibe rutschte ihm vom Schläger. Doch es kam noch schlimmer für die Russen. Nach einem harten Pass brachte Andrej Hebar den Puck im Kasten der Osteuropäer unter. Auch die Videoschau nutzte den Bykow-Schützlingen nichts. „Keine Torwartbehinderung, sondern Treffer“, entschieden die Unparteiischen. Wie es um den Mitfavoriten auf den Titel bestellt war, zeigte eine Szene Minuten nach dem Ausgleich. Superstar Ilja Kowaltschuk spazierte geradezu aus der Offensivzone und behinderte so einen Angriff seiner eigenen Leute. Diese hatten sowieso Glück, denn Hocevar griff bei einem harmlos scheinenden Schuss daneben, die Führung der Russen war wieder hergestellt. Drei Minuten später will Kapitän Alexej Morosow wohl nicht das 3:1 erzielen. Statt das halbleere Tor zu treffen, passt er lieber zu einem schlechter postierten Mitspieler.

Nachdem Bostjan Golicic zum erneuten Ausgleich traf, wobei ihm die Russen „freundlicherweise“ zwei Versuche gestatteten, begann die spektakulärste Phase der ganzen Partie. Drei Tore innerhalb 66 Sekunden, wann hat es das schon einmal gegeben? Ein „Pfund“ von der blauen Linie sowie ein Treffer, bei dem die Scheibe in Zeitlupentempo die Torlinie überquerte, bedeuteten das 4:2. Doch die bissigen Slowenen ließen nicht locker. Eine Bogenlampe nach einem Bully brachte ihnen den Anschluss. Der Stadionsprecher sagte die drei Treffer hintereinander an, musste wohl erst seine Papiere ordnen. Schließlich sorgte eine Aktion, bei welcher die Russen wieder nicht früh genug angriffen, für den erneuten Ausgleich. Ein kurzes Chaos vor dem Tor der tapferen Alpenländler nutzten die cleveren Russen aus und erzielte so ihren Treffer Nummer fünf.

Tore: 1:0 (4;22) Atjuschow (Kowaltschuk, Radulow – 5:4), 1:1 (29;15) Hebar (Gregorc), 2:1 (35;41) Afinogenow (Kornejew), 2:2 (42;49) Golicic (Sivic, M. Hocevar), 3:2 (46;15) Kulikow (Kaigorodow), 4:2 (46;53) Artjuchin (Afinogenow, Kaigorodow), 4:3 (47;21) Golicic (D, Rodman), 4:4 (51;28), 5:4 (56;19) Radulow (Kowaltschuk, Gorowikow), 6:4 (59;22) Sinowijew (Saripow). – Zuschauer: 9.090. – Strafminuten: Russland 8 + 5 + Spieldauer Jemelin, Slowenien 6. – Schiedsrichter: Kurmann (CH), Persson (SWE).

Kanada – Frankreich  9:1

Im zweiten Spiel des Nachmittags ließen die Kanadier den Franzosen nicht den Hauch einer Chance. Am auch in dieser Höhe verdienten 9:1 Sieg hatte Jeff Skinner (13./55.) mit zwei Toren einen nicht unwesentlichen Anteil. Spiele wie diese wären ein guter Zeitpunkt, um heraus zu finden, wer mit wem auf dem Eis besonders gut harmoniert, meinte der Stürmer nach der Partie und nahm das Match als zusätzliche Übungseinheit. Die Kanadier führten schon nach dem ersten Drittel durch Tore von Marc-Andre Gragnani (2.), der eine Überzahlsituation ausnutzte, Jason Pezza (7.) und Jeff Skinner (13.) mit 3:0. Chris Stewart (37.) und Alex Pietrangelo (37.) legten im Mittelabschnitt nach und erhöhten das eigene Konto auf komfortable fünf Tore. Auch in den letzten 20 Minuten ließ das kanadische Team nichts mehr anbrennen, Brent Burns (42.), Rick Nash (45.), nochmals Jeff Skinner (55.) und Travis Zajac (57.) machten durch ihre Treffer den Sieg perfekt, das Tor von Pierre Edouard Bellemare (30.,PP1) hatte nur statistischen Wert und mit dem Ausgang des Spiels nichts zu tun. Damit sind die Kanadier weiterhin ungeschlagen und somit bei nur noch einem ausstehenden Spiel für die Zwischenrunde qualifiziert, während die Franzosen erneut ohne Punkte bleiben.

Tore: 1:0 (01:02) Gragnani PP1 (Spezza, Phaneuf), 2:0 (06:35) Spezza (Phaneuf), 3:0 (12:02) Skinner (Taveres), 3:1 (29:14) Bellemare PP1 (Treille, Auvitu), 4:1 (36:06) Stewart (Skinner, Tavares), 5:1 (36:49) Pietrangelo, 6:1 (41:41) Burns PP1 (Neal, Nash), 7:1 (47:38) Nash, 8:1 (54:30) Skinner PS, 9:1 (57:44) Zajac (Clutterbuck, Pietrangelo); Strafzeiten: Kanada 10, Frankreich 12; Schiedsrichter: Bulanov (RUS), Odins (LAT)

Schweiz – Weißrussland 4:1

In Kosice traf am Abend die Schweiz auf die Mannschaft aus Weißrussland. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem Großchancen zunächst ausblieben. Allerdings konnte Ryan Gardner ein Powerplay in der achten Minute nutzen, um die Eidgenossen in Führung zu schießen. Zu Beginn des Mittelabschnittes konnten die Weißrussen durch Dmitri Korobov (22.) zwar ausgleichen, danach begannen die Schweizer jedoch ihre Chancen konsequent zu nutzen und zogen durch Tore von Goran Bezina (25.), Ryan Gardner (28.) und einen Unterzahltreffer von Ivo Ruthmann (31.) auf 4:1 davon. An diesem Spielstand änderte sich auch im letzten Drittel nichts, die Weißrussen ließen sich zu Fehlern verleiten und agierten des Öfteren in Unterzahl, was die Eidgenossen zwar nicht zu Ausbau der Führung nutzen konnten, allerdings so auch keine Mühe hatten, das Resultat zu verwalten.  

Tore: 1:0 (07:08) Gardner PP1 (Diaz), 1:1 (21:33) Korobov (Kostyuchyonok, Stepanov) 2:1 (24:11) Bezina (Ruthemann, Gardner), 3:1 (27:03) Gardner (Gerber, Ruthmann), 4:1 (30:51) Ruthemann SH1 (Ambuhl); Strafzeiten: Schweiz 8, Weißrussland 10; Schiedsrichter: Orszag (SLV), Piechaczek (GER)

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