Schwedenhappen (21)Die WM aus einem anderen Blickwinkel

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Endlich mal vor 23 Uhr daheim

Zum ersten Mal langten wir vor 23 Uhr in unserem Hotel an. Der Grund war eine technische und läuferische Demonstration der Russen, die auf das Toreschießen überhaupt keinen Wert legten, sondern ihre Spielchen gegen Absteiger Italien machten und es gnädig angehen ließen.

Beobachtungen bei Russland gegen Italien

Was mitunter viel interessanter als das Match war, bestand in meiner Nachbarschaft, die wohl aus schwedischen Ehrengästen und dänischen Fans bestand. Da saß vor mir beispielsweise ein älteres Ehepaar, das ich eher zu einem Opernpublikum rechnen würde. Sie setzten brav ihre Papierhelme auf, während die Dame zünftig ein italienisches Fähnchen in ihren Händen hatte und damit winkte. Ungefähr fünf Minuten brauchten sie, um sich ihrer Jacken zu entledigen und sie auch richtig abzulegen. In der ersten Drittelpause hängten sie ihre Helme an der Stuhllehne, so wie man auf Mallorca die Handtücher schon morgens auf die Liegen drapiert. Als sie zurückkamen, setzte sich der Herr kurz entschlossen beide Helme auf, während sich die Dame die Fahne in ihr Haar steckte. Ich bedeutete ihr, dass ich gern das Spiel sehen würde und nicht nur die Fahne. Sie verstand das und nahm lächelnd die Fahne wieder in ihre Hand, kam allerdings ein paar Mal durcheinander, wenn nicht Fahnenschwenken, sondern Klatschen angesagt war.

Mein Interesse wanderte dann Richtung meines Nachbarn zur Linken, der mit einem längeren Gegenstand im Mund herumporkelte. Diese Tätigkeit sieht man öfter bei Krimis, wenn eine DNA-Probe genommen wird. Immerhin brauchte er rund zehn Minuten dafür und ließ sich auch nicht bei dieser unappetitlichen Tätigkeit stören.

Nächstes Jahr niedrigere Preise

Die schwedischen Zeitungen kündigten schon an, dass die Preise für die nächste WM, die ja auch in beiden Ländern stattfindet, wobei diesmal in Stockholm das Halbfinale, Bronze- sowie Endspiel ausgetragen werden, niedriger sein werden. Pech hatten die deutschen Fans, die sich aus Angst schon früh mit den Karten eindecken. Eine Gruppe aus Köln hatte die Tickets schon im Juni gekauft und dafür satte Paketpreise bezahlt. „Nach dem sehr guten Zuschauerzuspruch bei uns vor zwei Jahren und im Vorjahr in Bratislava wollten wir auf Nummer Sicher gehen. Das ging halt daneben. Wir konnte nicht wissen, dass die Spiele quasi vor leeren Rängen stattfinden“, so die Haie-Fans.

Noch einmal Kölliker

Ich möchte keineswegs den Bundestrainer verteidigen, doch kann ich den DEB-Chef Uwe Harnos verstehen, dass er sich hinter (besser gesagt, vor) den Bundestrainer stellt. An einem einzigen Spiel kann man nichts festmachen, obgleich das gleiche Missgeschick schon einmal beim Deutschland Cup passierte. Weiß man noch, dass Hans Zach seine erfolgreiche Karriere als Bundestrainer mit einem Abstieg in die B-Gruppe begann? Und ein Jahr später langte es gerade mal zu einem vierten Platz, wobei Zach den damaligen Youngster Robert Müller ins kalte Wasser warf. Danach ging es endlich aufwärts in der sechsjährigen Ägide unter dem Isarwinkler. Zachs Nachfolger Greg Poss stieg auch zu Beginn seiner Amtsübernahme  in Wien und Innsbruck ab. Er räumte seinen Stuhl sofort nach diesem Flop. Und auch Uwe Krupp als Nachfolger des US-Amerikaners legte vor drei Jahren ein furchtbares Turnier in der Schweiz hin. Ergo: Die Vergangenheit wird mitunter verklärter dargestellt, als sie eigentlich war.