Schwedenhappen (19)Die WM aus einem anderen Blickwinkel

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Da prangte doch tatsächlich tagelang eine Aufschrift mit dem polnischen Städtenamen „Sosnowiec“ im Globe. Ob es wirklich Fans aus der Eishockeystadt nahe der oberschlesischen Metropole Kattowitz waren oder Schweden, die von dort stammten, konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.

Es ist immer wieder amüsant anzusehen, wenn Besucher in einer fast leeren Halle (wie bei der diesjährigen WM) auf die Einnahme ihrer Plätze bestehen und nach längerem Tamtam (viele Indianer sagen „Pow Wow“ dazu) sich endlich niederlassen.

Gestern wurden mit dem 69-jährigen Leif „Honken“ Holmqvist und dem 14 Jahre jüngeren Peter „Pekka“ Lindmark zwei berühmte schwedische Torwarte geehrt. Bei Letzterem fällt mir, das muss ich zu meiner Schande gestehen, nur eine negative Episode ein. Die erste WM, die ich in Schweden sah, war 1981 in Göteborg. Dort stand der bedauernswerte Lindmark gegen die übermächtigen Sowjets im Tor. Er kassierte sage und schreibe 13 „Einschläge“.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie quasi im Vorbeigehen die WM in Stockholm gehandhabt wird. Im sogenannten Eishockeyland Schweden sagte einer der freiwilligen Helfer in englischer Sprache (also war er noch nicht einmal aus Schweden) zu seinem Kollegen, dass er noch nie ein Eishockeyspiel gesehen hätte.

Der Respekt war offensichtlich

Ungläubig schüttelte einer der beiden jungen lettischen Fans, mit denen wir zur Straßenbahnhaltestelle gingen, den Kopf. „Was, du kennst Herberts Vasiljevs?“ Als ich dem Verdutzten sagte, dass ich den Ex-Kapitän der Letten sogar gut kenne, ihm mein Handy und auf dessen Sichtfeld den Namen „Herbert“ zeigte, glaubte er mir. Sein Respekt mir gegenüber war offensichtlich. „In Lettland sind Vater Haralds und sein Sohn Legende.“ Das Duo arbeitet in Norwegen und hatte es nicht ganz so weit wie die Mehrzahl seiner Landsleute.

Für mich unfassbar ist, dass die Letten das größte ausländische Fan-Kontingent stellen, nach vor den Russen und klar vor den Deutschen. Ich erinnere mich an die WM 2006, als an der Grenze zwischen Litauen und Lettland bereits auf die Weltmeisterschaft hingewiesen wurde und das Willkommen-Schild in mehreren Sprachen prangte.

Er hieß wohl Caruso

Stilvoll ist es im Globe, wenn das Team mit den drei Kronen aufläuft und die Nationalhymnen beider Mannschaften à capella gesungen werden. Bis auf die tschechische wurden die Gesangsdarbietungen erstklassig vorgetragen. Gestern war dies jedoch nicht der Fall. Aus welchem Grund der Sänger von „Inno di Mameli“ das „Fratelli d´Italia“ vortragen durfte, war nicht ganz ersichtlich. Der Wackere beherrschte weder Melodie noch Text. Ich vermute, dass er Caruso heißt und aufgrund seines Namens den Song schmettern durfte. Die Sängerin, die zum ersten Mal auf schwedischer Seite ihren äußerst beliebten Kollegen vertrat, hinkte derweil bei ihrem Vortrag hinter den Fans her. Sie waren stets eine Zeile weiter als die Schöne.