Schon ein Drittel aller WM-Tickets verkauftHoffnung auf nachhaltige Wirkung

DEB-Präsident Franz Reindl (links) und Luc Tardif, der Vorsitzende des französischen Eishockey-Verbandes. (Foto: Imago)DEB-Präsident Franz Reindl (links) und Luc Tardif, der Vorsitzende des französischen Eishockey-Verbandes. (Foto: Imago)
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„Mit diesen Zahlen hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet“, sagte Ziegfeld im Rahmen der so genannten Auftakt-Pressekonferenz, die es am Donnerstag in Paris noch einmal geben wird. Übrigens auch mit Henriette Reker. Die Kölner Oberbürgermeisterin reist eigens nach Paris, um die Domstadt auch in der französischen Hauptstadt zu repräsentieren. „Das größte jährlich stattfindende Wintersportereignis der Welt in Köln zu haben, ist eine großartige Sache“, sagte sie. Auch Bernd Neuendorf, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, war vor Ort. „Wir freuen uns darauf. 2017 haben wir die Eishockey-WM, die Tischtennis-WM und den Grand Depart der Tour de France in NRW. Daher haben wir uns auch gerne an den Kosten beteiligt“, sagte er. Und die sind nicht zu unterschätzen: 24,4 Millionen Euro wird das WM-Turnier Kosten. Rund 57 Prozent auf der deutschen Seite, wo ja neben den Vorrunden- und Viertelfinalspielen auch die beiden Halbfinals sowie die beiden Medaillenspiele stattfinden werden. Den Rest schultern die Franzosen. 75 bis 85 Prozent werden über die Ticketverkäufe refinanziert, der übrige Teil über das Marketing. „Wir sind zum ersten Mal in der Lage, die Gewinne aus einem WM-Turnier in die Zukunft, sprich in unseren Nachwuchs, zu investieren. Der DEB hat keine Verbindlichkeiten mehr. Früher musste der Verband das Geld für den Abbau von Schulden verwenden“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl.

Erste so geplante „Doppel-WM“ 

Die Idee zur ersten tatsächlich auch so geplanten „Doppel-WM“ mit zwei Gastgeber-Nationen hatten Reindl und Luc Tardif, der Vorsitzende des französischen Eishockey-Verbandes, bei einem Treffen des internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). „Wir haben eine Lösung gefunden, um ein solches Turnier gemeinsam zu schultern. Wir haben dadurch zwei riesengroße Märkte und profitieren dadurch auf beiden Seiten“, so Reindl.

Tatsächlich beeindruckt die Reichweite, die eine Eishockey-WM ausstrahlt. Weltweit sehen rund 1,2 Milliarden Fernseh-Zuschauer das Turnier. Die Organisatoren erwarten in den Stadien 600.000 Zuschauer; davon sollen nach der Planung rund 350.000 auf Köln entfallen. Den aktuellen Rekord halten die Tschechen, die 2015 insgesamt 742.000 Zuschauer begrüßen konnten.

Frankreich erstmals seit 1968 Gastgeberland einer A-WM

Deutsche wie Franzosen versprechen sich eine nachhaltige Wirkung durch das Turnier. Das gilt besonders für Frankreich. Letztmals waren die Franzosen 1968 Gastgeber einer A-WM. Bemerkenswert ist ohnehin die Entwicklung des oft unterschätzten Nachbarn. Siege in WM-Spielen gegen Kanada und Russland lassen aufhorchen. „Wir haben zudem zuletzt zweimal das Viertelfinale erreicht“, sagt Luc Tardif, der auch Vizepräsident des WM-Organisationskomitees ist; Reindl ist der Präsident. Auch in der öffentliche Wahrnehmung nimmt Eishockey in Frankreich eine immer größere Rolle ein. „Natürlich ist auch bei uns der Fußball die Nummer 1. Zudem ist Rugby sehr wichtig“, so Tardif. Doch dahinter hat der Eishockeysport seinen Platz gefunden. In Paris-Bercy findet alljährlich das Finale des französischen Eishockey-Pokals statt. „Und wir waren zuletzt immer ausverkauft.“ Das bedeutet für die Pariser Arena: 14.500 Zuschauer.

Erfolge stützen das Powerplay-26-Konzept

Doch auch die aktuelle Entwicklung im deutschen Eishockey freut die deutschen Macher. „Das Konzept Powerplay 26 ist natürlich langfristig ausgelegt, ist aber glaubwürdiger, wenn es von aktuellen Erfolgen gestützt wird. Was Marco Sturm als Bundestrainer bislang schon geleistet hat, ist bemerkenswert. Die Spieler sind wieder gerne bei der Nationalmannschaft. Wir haben den Deutschland-Cup gewonnen, haben das WM-Viertelfinale erreicht, haben uns für Olympia qualifiziert und sechs deutsche Spieler haben mit dem Team Europe beim World Cup of Hockey den zweiten Platz belegt“, so Reindl. Mit Handball und Basketball stellt Eishockey in Deutschland die wichtigste Mannschaftssportart nach dem Fußball dar.

Eine Sache ist allerdings auf französischer Seite bemerkenswert: In Paris entsteht derzeit ein riesiges Leistungszentrum für die Eishockey-Nationalmannschaften. „Wir geben unseren deutschen Freunden gerne Tipps. Da haben wir ja nun Erfahrungen gesammelt“, zeigte sich Luc Tardif stolz.

Viertelfinale über Kreuz - oder doch gruppenintern

Gespielt wird vom 5. bis zum 21. Mai. Die Vorrunden-Gruppe mit deutscher Beteiligung wird in Köln ausgetragen, die Gruppe mit französischer Beteiligung in Paris. Ab dem Viertelfinale wird über Kreuz gespielt – außer Deutschland und Frankreich würden aufeinandertreffen. Dann wird das Viertelfinale gruppenintern gespielt. Schon 2012 und 2013 fand die jeweilige WM in zwei Ländern – jeweils in Schweden und Finnland – statt. Allerdings hatten sich die beiden Länder jeweils getrennt beworben und den Zuschlag für jeweils eine WM erhalten. Erst nach der Vergabe einigten sich die Ländern auf eine gemeinsame Ausrichtung. „Unsere WM ist die erste, die konzeptionell so geplant worden ist“, erklärte Reindl.