Neue Schwedenhappen (1)Die Eishockey-WM aus einem anderen Blickwinkel

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Zunächst Ärger

Geärgert habe ich mich, bevor ich den Trip (wegen meiner saublöden Flugangst natürlich mit dem Auto) nach Schweden antrat. Ich hörte auf einen großen Teil meiner Kollegen, die den Adlerträgern eine furchtbare Weltmeisterschaft prophezeiten. Soviel ich weiß, hat sich überhaupt kaum ein Kollege nach Finnland verlaufen bzw. verflogen, wenn man einmal von den TV-Leuten, den Herr- und Frauschaften vom Radio sowie den Kollegen der Agenturen absieht. Einer (den Namen verrate ich aus Korpsgeist nicht) sagte in Bietigheim-Bissingen während der furchtbaren Olympia-Qualifikation zu mir: „Werner, du hast zwar schon 30 Weltmeisterschaften gesehen, aber die schlimmste wirst du in ein paar Wochen im hohen Norden erleben.“

Krupp hatte damals Recht

Nun, es kam nicht so schlimm, und deswegen ärgere ich mich, dass ich nicht doch nach Finnland gefahren bin. Pat Cortina hat, wie ich meine, das Beste aus dem ihm zur Verfügung stehenden Spielerreservoir gemacht. Hinter den Top-Nationen Finnland, Russland, den USA und der Slowakei , gegen die unsere Jungs ohnehin verloren hatten, belegten sie einen fünften Rang und ließen wenigstens die Katastrophen-WM vom letzten Jahr vergessen. In drei Jahren drei verschiedene Bandenchefs, das gibt es normalerweise überhaupt nicht bei den Deutschen, die meist Kontinuität gewohnt sind. Wie sagte Uwe Krupp noch vor zwei Jahren in Pressburg (Bratislava) nach einem erneut erfolgreichen Turnier? „Wer weiß, vielleicht wird die nächste WM wieder eine Katastrophe wie 2009.“ Recht hatte er, der Kölner, obwohl damals noch längst nicht feststand, dass der zweimalige Stanley-Cup-Gewinner seinen Abschied nach sechs Jahren einreichen musste, wollte oder vollzog.

Durcheinander am ersten Tag

Natürlich verlief der erste Tag wieder nicht so, wie es normalerweise hätte sein sollen. Gewitzt von der letzten WM in Schweden, wo ich im Hotel bar zahlen musste und nach langem Suchen in der Altstadt endlich eine Bank fand (in den Wechselstuben gab es nur „gleitende“ Kurse von finster dreinblickenden Herrschaften), „bewaffnete“ ich mich vorher mit schwedischen Kronen. Am Abend angekommen, erklärte mir die freundliche Mitarbeiterin, dass der gesamte Betrag von meinem Konto abgezogen wird. Da stand ich nun mit einem Kilo Kronen. Zumindest weiß ich nach Rückkehr ins heimische Duisburg, wie viel die Banken am Wechselkurs verdienen. Denn wohl oder übel werde ich fast die gesamten Krönchen zurück tauschen müssen. Aber ansonsten war der erste Tag erfolgreich. Die nette Dame, die sich an mein Gesicht Gott sei Dank noch vom letzten Jahr erinnerte, händigte mir kurz vor Schalterschluss im Pressezentrum eine Karte aus, die zum kostenlosen Gebrauch der öffentlichen Verkehrsmittel berechtigt. Bevölkert wurde der mir schon vom Vorjahr bekannte Raum vor allen Dingen von tschechischen Kollegen, die durch die Bank nachdenkliche Gesichter präsentierten. Ob sie ein bisschen Respekt oder gar Angst vor dem anstehenden Match gegen die erfolgreichen Schweizer haben?

Noch einmal Cortina

Noch einmal komme ich zurück auf Pat Cortina, der in meinen Augen ein akzeptables Debüt hingelegt hat. Was hätte er denn angesichts der zahlreichen und mitunter fadenscheinigen Absagen (Cortina: „Das werde ich nicht vergessen.“) großartig machen können? Gut, ich hätte zum Beispiel die „harten Hunde“ Marcel Müller und David Wolf mitgenommen. Doch Einstimmigkeit dürfte es so gut wie nie bei Nominierungen zu einer Teamsportart geben. Dafür, dass er sich in der sogenannten A-Gruppe (zu Anfang des Jahrhunderts hat er Absteiger Italien trainiert und war jahrelang bei den Ungarn verantwortlich an der Bande) längst nicht zu Hause fühlt, hat er einen ganz guten Job gemacht.

Zachs Debüt verlief noch dezenter

Wissen Sie noch, lieber Leser, wie Hans Zachs Debüt verlief? Nein, denn eigentlich redete man nur von Erfolgen des ehemaligen Alpenvulkans, der nach der WM 1998 bis 2004, genau wie Krupp sechs Jahre, das Zepter übernahm. In seinem ersten Turnier in Sloweniens Hauptstadt Laibach (slow. Ljubljana) schaffte er nicht die Qualifikation und stieg mit dem Team ab. Bei der folgenden B-WM in Dänemark belegte er einen schlappen vierten Platz. Erst 2000 im schlesischen Kattowitz (poln. Katowice) sorgte er auch sportlich für den Aufstieg, obwohl sein Team als nachmaliger Ausrichter ohnehin „dabei“ war. Erst danach begann die Erfolgsserie des Bad Tölzers.