Harte Gegner, große Chancen

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Ist Russland unschlagbar? Kann man gegen sieben Slowaken gewinnen? Wie stark ist Aufsteiger Slowenien?

Der 22.Mai 2010 hat der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft ein echtes Gefühlschaos beschert. Einerseits himmelhochjauchzend: Als krasser Außenseiter ins Turnier gestartet hatte sich das Team um Bundestrainer Uwe Krupp erstmals seit 72 Jahren bis ins WM-Halbfinale vorgekämpft. Was für ein Märchen!, schallte es da nicht nur in den Katakomben der Eishallen. Und dann zu Tode betrübt: 1:2 hieß es am Ende gegen eine ganz und gar nicht so übermächtige russische Mannschaft. Eine kleine Unaufmerksamkeit hatte den Traum vom Finale im eigenen Land zunichte gemacht als sich Pavel Datsyuk nach ungenauem Passspiel die Scheibe schnappte und ins Tor schoss. Aber diese Russen haben es einfach drauf.

 In den vergangenen zehn Jahren standen sich Deutschland und Russland insgesamt vier Mal bei Weltmeisterschaften gegenüber. Das bessere Ende hatte immer das Team aus Osteuropa. Im Auftaktspiel 2009 in Bern war die Klatsche besonders hart. 0:5 hieß es gegen den späteren Turniersieger, und der damalige Kapitän Andreas Renz musste zugeben: "Es war für uns eine Ehre, aber auch eine Lehre." Möglicherweise war die Mannschaft vor dem Rekordweltmeister auch ein wenig in Ehrfurcht erstarrt. Bei der am 29. April beginnenden Weltmeisterschaft 2011 in der Slowakei heißt der Auftaktgegner wieder Russland. Mit dem Wissen, eines der weltbesten Teams an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben dürfte die deutsche Mannschaft genug Selbstvertrauen getankt haben, sich der russischen Übermacht nicht kampflos hinzugeben.

 Die '17 Tage im Mai' – wie ein Film zur WM 2010 in Deutschland heißt (hier zu bestellen!) und auf die man als deutscher Eishockey-Fan träumend zurückblickt – dieses Gefühl soll wiederbelebt werden. Das Märchen weitererzählen, das ist offiziell natürlich nicht der Plan, doch Uwe Krupp glaubt, die Weichen für eine erfolgreiche WM-Teilnahme gestellt zu haben. Der 4:2-Sieg über den Weltranglisten-Vierten Finnland bei der Euro Hockey Challenge im April soll Auftrieb geben. Die Scheibe flach halten – so lautet dennoch das Mantra vom DEB.

Russland hat in Bratislava zuletzt verloren

Die russische Mannschaft selbst dürfte lässig ins Turnier gehen: Weltmeister 2009, 2008 und 1993 in Deutschland als Team Russland, davor insgesamt seit 1920, der ersten IIHF-Weltmeisterschaft, 22 Mal unter der Flagge der Sowjetunion. Die deutschen WM-Begegnungen in den vergangenen zehn Jahren gingen allesamt an das russische Team. Einziges schlechtes Omen, das den Russen wenigstens ein bisschen Furcht einflößen könnte: Bei der letzten WM in Bratislava (damals noch Tschechoslowakei) flogen sie nach einem 2:2 gegen Schweden im Viertelfinale raus.

Im zweiten Spiel der  Vorrunde wartet die Slowakei. Mit Sicherheit kein leichter Gegner: Achter der Weltrangliste, Weltmeister 2002, Vizeweltmeister 2000 und noch dazu 2011 mit Heimvorteil. Ein diffiziler Gegenpart. Bei der letzten WM-Begegnung hatte das deutsche Team die Zuschauer auf seiner Seite und rang die Slowaken dank Kampfgeist und Durchhaltevermögen mit 2:1 nieder. Am 1. Mai 2011 werden im Eisstadion Zimný štadión Ondreja Nepelu (benannte nach dem 1989 in Mannheim an den Folgen von  AIDS verstorbenen slowakischen Eiskunstläufer Ondrej Nepela) – das während der WM aber Orange Arena heißt – in Bratislava die meisten der 10.110 Plätze mit Slowaken besetzt sein. Selbstvertrauen ja oder nein? Zählt man nur die WM-Begegnungen der letzten zehn Jahre mit ist die Bilanz mit 2:2 ausgeglichen, die vorerst letzte WM-Partie ging wie gesagt auch an die Deutschen. Im jüngsten direkten Vergleich jedoch schlittschuhten die Slowaken als Sieger vom Platz: mit 4:1 bei Slowakia-Cup im Februar dieses Jahres.

Wann beginnt das Märchen?

Alle Hoffnungen, sollte nicht vorher schon ein Märchen beginnen, ruhen auf dem Spiel gegen Slowenien. Die slowenische Nationalmannschaft rangiert auf Platz 19 der Weltrangliste. 2010 blieb das Team von John Harrington bei der B-WM ohne Niederlage und stieg auf. Doch seit Jahren bewegt sich die Mannschaft zwischen Auf- und Abstieg: für das Oberhaus zu schwach, für die Division I zu stark. Auch Deutschland wandert auf einem schmalen Grat, ist im Ergebnis aber konstanter oben als die Slowenen. In der einzigen WM-Begegnung seit zehn Jahren gewann das deutsche Team am 9. Mai 2005 in Innsbruck in der Abstiegsrunde mit 9:1. Dennoch blieb Slowenien damals erstklassig, Deutschland stieg mit dem damaligen Bundestrainer Greg Poss ab. Auf ihn folgte Uwe Krupp. Beim bislang letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften siegte das deutsche Team in der Olympiaqualifikation 2009 mit 2:1. Damals absolvierte Goalie Dennis Endras sein zweites Länderspiel von Beginn an. "Die Partie gegen Slowenien wird das Schlüsselspiel der WM, egal wie wir gegen Russland oder die Slowakei spielen", sagte DEB-Sportdirektor und Generalsekretär Franz Reindl nach dem Spiel der deutschen Mannschaft gegen Weißrussland.

 Russland, die Slowakei und Slowenien – auf die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft warten drei völlig unterschiedliche Gegner. Bundestrainer Uwe Krupp, der seine letzte WM als Coach der deutschen Nationalmannschaft absolviert, hatte nach dem Erreichen des Viertelfinales 2010 im Spiegel-Interview seine Mannen als "Krieger" bezeichnet. Das klingt martialisch, definiert aber den Anspruch, den der ehemalige Spitzenspieler an sein Cracks stellt: sie sollen bis zum Umfallen kämpfen. In Märchen ist das doch auch oft so.

WM-Gegner Deutschlands 2011 – So gingen die WM-Begegnungen seit 2001 aus:

 Russland

15.Mai 2010 2:3

22.Mai 2010 1:2

24.April 09 0:5

8.Mai 01 1:3

 Slowakei

18.Mai 2010 2:1

05.Mai 08 4:2

30.April 07 1:5

30.April 03 1:3

 Slowenien

9.Mai 05 9:1