Glanzloser Pflichtspielsieg gegen Neuling SüdkoreaPresseschau Deutschland – Südkorea

Südkorea landete auch gegen Deutschland auf dem Boden der Tatsachen. (Foto: dpa/picture alliance/AP Photo)Südkorea landete auch gegen Deutschland auf dem Boden der Tatsachen. (Foto: dpa/picture alliance/AP Photo)
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Heute ist die Meinungs-Spreizung in den deutschen Medien beachtlich. So schreibt man in der Sport Bild: „Draisaitl und Co. wahren Viertelfinal-Chance.“ Danach verfeinert man diese erste Aussage  etwas: „Mit dem höchsten WM-Sieg seit 13 Jahren hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft jeglichen Zweifel am Klassenerhalt ausgeräumt und ihre geringe Chance auf das Viertelfinale gewahrt.“ Für den heutigen Kontrahenten sieht man jedoch kaum noch Licht: „Die weiter punktlosen Südkoreaner, die Nummer 18 der Weltrangliste, steuern mit 29 Gegentoren nach vier Spielen schnurstracks zurück in die Zweitklassigkeit.“

Auch bei Sport1 macht man dem Leser Mut: „DEB-Team wahrt Viertelfinalchance.“ Und meint voller Stolz: „Gegen Südkorea gerät das Team von Marco Sturm nie in Gefahr.“ Franz Reindl kommt zu Wort und sagte: „Die Erleichterung ist groß. Das war Stress pur, der geht tief in den Magen rein.“ Und meinte weiter: „Wir sind mit fünf Punkten wieder im Rennen.“ Zum nächsten Spiel, gegen Lettland, sagte er: „Wenn du da drei Punkte machst, ist die Chance da.“ Doch Sport1 rechnet weiter: „Allerdings wird aller Voraussicht nach ein Sieg gegen die Balten allein nicht zum dritten Einzug in Folge in die K.o.-Runde reichen. Die DEB-Auswahl wird wohl auch gegen die Favoriten Finnland am Sonntag oder Kanada am Dienstag punkten müssen.“

Einen kleinen Schritt weiter geht Michael Ryberg für die WAZ/Funke Mediengruppe: „Deutschland erhöht mit 6:1 Viertelfinal-Chance.“ Erleichtert schreibt er: „Die berechtigte Sorge um einen Klassenverbleib ist mit nun fünf Punkten Vorsprung auf die Ostasiaten erst einmal vom Tisch.“ Im ersten Drittel dauerte es etwas, bis man in Spiel fand, doch: „Restzweifel waren dann im Mittelabschnitt zügig beseitigt.“ Die Koreaner kamen auch zu einem Treffer, doch „das 1:6 durch den Ex-Augsburger Brock Radunske kurz vor Schluss war da verkraftbar.“ Doch Goalie Niklas Treutle wird das trotzdem wurmen.

Im Merkur haben Florian Weiß und Andres Knobloch getickert. Ihr Fazit fällt so aus: „Es war nicht das zauberhafteste Eishockey, was die Deutschen gezeigt haben, aber es war souverän und auch in dieser Höhe verdient. Vor allem im Überzahlspiel wurde die Überlegenheit der Deutschen deutlich. Die Reihe um Draisaitl, Ehliz und Kahun war ziemlich dominant.“

Die Bild ist ja für ihre markigen Schlagzeilen bekannt. So tippte Jörg Lubrich: „Schluss mit Abstiegs-Angst! Frust-Sieg gegen Südkorea. Unsere Olympia-Helden träumen wieder vom Viertelfinale.“ Lob gab es für zwei Akteure: „Ehliz, unser Eis-Özil. Der gebürtige Bad Tölzer hat türkische Wurzeln und überzeugt im Turnierverlauf. Einer der besten deutschen Spieler. Immer kampfstark, immer torgefährlich.“ Und „Stark: Im Tor überzeugt wie schon beim 0:3 gegen die USA der Nürnberger Niklas Treutle.“

Für die Eishockey News hat Sebastian Groß geschrieben: „Klassenerhalt gesichert 6:1 – Deutschland feiert gegen Südkorea ersten WM-Sieg in Dänemark.“ Er zitterte offenbar mehr als andere: „Deutlicher Sieg im Do-or-die-Spiel für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft.“ Insgesamt resümiert er: „Ohne zu glänzen, erspielte sich die DEB-Auswahl einen am Ende deutlichen Sieg.“

Insgesamt ist die WM-Berichterstattung in Südkorea eher dünn, hinzu kommt eine siebenstündige Zeitverschiebung. Doch ein paar Artikel konnten wir auftreiben.

So schreibt die SBS News: „Die koreanische Eishockeymannschaft macht sich immer weniger  Hoffnungen, Rang sieben in ihrer WM-Gruppe zu erreichen.“ Im Bericht sind dann immer wieder kleine Erklärungen eingebaut, so dass auch weniger fachkundige Leser folgen können. Man weist darauf hin, dass man „das Ziel hatte, zwei Siege bei der Weltmeisterschaft zu verbuchen. Jetzt sind es noch drei Spiele gehen die USA, Dänemark und Norwegen.“ Und man meint: „Deutschland ist ein Weltklasse-Team.“ Doch trotz der deutlichen Niederlage „zeigte man die beste Leistung gegen Deutschland.“

Dong-a Ilbo schreibt frustriert: „Vierte Niederlage bei der Weltmeisterschaft in Folge.“ Traurig nimmt man zu Kenntnis: „Südkorea wird als schlechtestes Team der Weltmeisterschaft eingestuft.“

Kim Chang Kim geht bei Hankyoreh auf die Gesamtlage ein: „Der Unterschied zwischen Korea und den Kontrahenten war bemerkenswert.“ Außerdem sah man die eigenen Spieler gegen Deutschland nicht topfit: „24 Stunden nach der Niederlage gegen Lettland am Vortag war die Müdigkeit sehr groß.“ Skurril mutet diese Aussage für Europäer an: „204 Minuten nachdem Micheal Swift traf, gelang das zweite Tor.“

In der Yonhap News ist der Tenor nicht anders. „Der in Kanada geborene Stürmer Brock Radunske erzielte im dritten Drittel Südkoreas einziges Tor – das zweite im Turnier.“ Für die DEB-Auswahl lief es bisher nicht rund: „Deutschland kam mit zwei Penalty-Niederlagen und einer Niederlage nach regulärer Spielzeit ins Spiel.“ Das dann aber von den Schwarz-Rot-Goldenen dominiert wurde: „Das Schussverhältnis war 42:26 zugunsten der Deutschen.“ Der Abstieg rückt näher: „Südkorea, trainiert vom ehemaligen Verteidiger der National Hockey League (NHL) Jim Paek, läuft Gefahr, in die zweite Liga abgestiegen. Es bleibt das einzige Land der Gruppe B ohne Punkt, mit drei noch zu spielenden Spielen.“ Ein Grundproblem hat man auch aufgedeckt: „Kein Land musste mehr Powerplays killen – 24.“