„Gespenstische Bombe“: Finnen von Ehrhoffs Tor beeindrucktPresseschau zum deutschen Auftakt

Die deutschen Fans konnten zufrieden sein. (Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de)Die deutschen Fans konnten zufrieden sein. (Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de)
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Den Anfang machen wir mit dem Finnen. So überschreibt Ilta-Sanomat (iltasanomat.fi) den Ticker zum Nachlesen mit: „Veli-Matti Savinainen erlöst Löwen im Thriller“. Die kühlen Finnen schreiben zu Beginn der Verlängerung doch recht emotional: „Das erstaunliche Drama geht weiter.“ Christian Ehrhoffs Tor war eine „gespenstische Bombe“ und „den Ausgleich von Thorsten Ankert lässt die Hartwall Arena komplett verstummen“. Auf hbl.fi (Hufvudstadsbladet) findet man Sätze wie: „Kontiola hält uns im Spiel“. Zudem spricht man von einem Beinahe-Arbeitsunfall. Auf hs.fi hingegen ist man recht sachlich: „Tor in der Verlängerung bringt Löwen den Sieg über Deutschland“. Und bei Keskisuomalainen (ksml.fi) wird man ehrlich: „Löwen siegen knapp – Es war schwierig“. Über den ersten Abschnitt finden sich durchgehend lobende Worte über das finnische Spiel. Beim Ausgleichstor von Felix Schütz werden aber nicht die gute Übersicht und der Wille der DEB-Auswahl gesehen, sondern viel mehr die Schwächen der eigenen Abwehr. Dann bekam man es offenbar mit der Angst zu tun: „Die Katastrophe war nahe“. Das Team hat „jedoch noch viel Raum für Verbesserungen“.

Die Nachbarn aus Österreich sahen sich natürlich die Spiele ihrer Gruppengegner an. Heute.at fast knapp zusammen: „Finnland ist zum Auftakt der Heim-Weltmeisterschaft nur knapp einer Blamage entgangen.“ Die Kleine Zeitung beginnt im ersten Absatz mit: „Gastgeber Finnland mühte sich gegen Deutschland zu einem 4:3-Sieg nach Verlängerung“, ehe man weiter unten lesen kann: „Sensation lag in der Luft“. Das Fazit des Blattes beschließt den Bericht: „Für Deutschland dennoch ein gewonnener Punkt im Abstiegskampf.“ Der Kurier ist offensichtlich sehr erstaunt über die Leistung des deutschen Teams. In großen Lettern sieht die Überschrift „Deutschland punktet gegen Finnland“ fast wie eine Drohung aus. Auch hier ist das Wort von der entgangenen Blamage zu lesen. In Finnland sind viele Fans ohnehin nicht über die vielen Absagen zur WM erfreut, so heißt es weiter: „Nach dem unerwartet schweren Auftakt wird die Kritik wohl noch lauter werden.“

In Schweden ist man natürlich viel mehr mit der eigenen Niederlage gegen die Eidgenossen beschäftigt. Doch im Bericht bei aftonbladet.se klingt schon ein wenig stichelnde Schadenfreude mit. „Finnland nahe am Auftaktfiasko“. Später liest man: „Löwen retten sich mit 4:3 im Sudden Death“, „Finnland tat sich schwer, den Deutschen ihr Spiel aufzuzwängen.“ Doch dann gab es ja noch den Siegtorschützen. „Veli-Matti Savinainen vom finnischen Meister Ässät rettet Finnland mit einem Schuss ins lange Eck vor einem totalen Fiasko.“ Bei den Reportern von dn.se sitzt der Schock wohl noch tiefer. Seiten über Seiten, Bericht über Bericht und Kommentar über Kommentar ein Wehklagen über das Spiel gegen die Schweiz. Das Spiel Finnland gegen Deutschland schafft es gerade mal zu einer gut versteckten, etwa zehnzeiligen Meldung: „Finnland war auf dem Weg zu einem Alptraum-Start in die Eishockey-Weltmeisterschaft.“ Man attestiert den Finnen „Torchancen in Hülle und Fülle“. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei expressen.se und beim Göteborgs-Posten.

So wie die Schweden trauern, herrscht große Freude in der Schweiz. Die Neue Zürcher Zeitung (nzz.ch) meldet gewohnt trocken: „Deutschland gewinnt Punkt gegen Finnland“. Weiter heißt es nüchtern: „Dass die Einheimischen überhaupt die Overtime erreicht hatten, verdankten sie Petri Kontiola, der 89 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit mit seinem zweiten Tor zum 3:3 ausglich.“ Bei Tagblatt.ch kann man denselben Artikel mit anderer Überschrift lesen. Diese lautet hier „Finnland siegt erst in der Verlängerung“. Der Blick macht es natürlich wieder etwas dramatischer: „Wahnsinns-Wende in der Gruppe B! Die Deutschen drehen einen 2:1-Rückstand bis zur 57. Minute in eine Führung. Aber Finnland schlägt zurück, gleicht zwei Minuten später zum 3:3 aus und gewinnt in der Verlängerung noch mit 4:3.“ Diese paar Worte sind übrigens der vollständige „Bericht“.

Die Onlineausgabe der slowakischen Tageszeitung Nový Čas, zu Deutsch „Neue Zeit“ (cas.sk) sah von „Anfang an hohes Tempo“. Die Ausgabe lobt das DEB-Team und findet, dass man zwar oft einen Schritt langsamer war, dies jedoch mit Einsatz ausgleichen konnte. Außerdem bescheinigt man den Deutschen „solide Fähigkeiten“ und den Finnen das „traditionell Nicht-Verwerten von Chancen“.

In Tschechien schreibt sport.lidovky.cz: „Finnland besiegt Deutschland 4:3 nach Überstunden“. Hier hat man auch etwas genauer hingesehen. Denn sowohl Christian Ehrhoff als auch Marcel Goc werden lobend erwähnt. Man lobt die Cortina-Truppe auch dafür, dass man zweimal einen Rückstand ausgleichen konnte und bis in die 59. Minute sogar geführt hat. Nach dem Spielverlauf zeigt sich der finnische Goalie Joni Orti sogar froh über den knappen Sieg: „Es war kein leichtes Spiel, aber das hatte ich erwartet. Wir haben das Spiel gedreht und zwei Punkte, das ist toll.“

Erwartungsgemäß beschäftig man sich in Nordamerika bisher nur in Form von Ergebnismeldungen mit der Weltmeisterschaft.