Entsetzen in den MedienAuch Olympia ist in Gefahr

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Mit dem Titel „Deutschland geht auch gegen Tschechien unter“ beginnt das Internetportal der Süddeutschen Zeitung. Nachdem man vorrechnet, dass nur 16 Tore Differenz für die USA im Spiel gegen die Schweizer zur vorzeitigen Olympiateilnahme reichen würden, steht Noch-Coach Jakob Kölliker in der Kritik: „Für Kölliker, der vor einem Jahr die Nachfolge von Uwe Krupp angetreten hatte, war es vermutlich das letzte Spiel als Bundestrainer. Vor der WM galt es als sicher, dass der 58-Jährige künftig als mächtiger Sportdirektor die Geschicke im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) lenkt. Allerdings könnte die schlechteste WM-Platzierung seit dem sportlichen Abstieg 2009 sowie das teilweise blamable Auftreten auch zu einem Umdenken führen.“

Die mathematische Hoffnung hatte Spiegel Online bereits aufgegeben „Das Debakel ist perfekt: Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Eishockey-WM auch noch die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 verspielt.“ Die Ratlosigkeit auf der Bank kommentiert man so: „Konsterniert verfolgten Spieler und Trainer auf der deutschen Bank den weiteren Verlauf des einseitigen Duells.“

Das Hamburger Abendblatt sieht „Kein Aufbäumen, kein Olympia-Ticket: Zweite peinliche Klatsche innerhalb von 44 Stunden bei der WM in Schweden und Finnland.“ Das verändern der Grundtaktik, was viele Fans und Experten bereits länger nicht nachvollziehen können, steht hier im Fokus: „Die Mann-gegen-Mann-Deckung, an der Kölliker trotz vieler Kritik festhielt, trug auch im Schlussdrittel nicht zur Stabilisierung bei.“

Während Welt Online bitter enttäuscht schreibt „1:8 – DEB verabschiedet sich mit nächstem Debakel“ ist man in der Sportabteilung der Frankfurter Allgemeine fast schon hoffnungsvoll und überschreibt den Artikel mit: „Wenigstens nicht wieder zweistellig“. Später findet man den Weg in die Realität zurück: „Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) muss nun mit einem Qualifikationsturnier im Februar 2013 planen, um das Ticket für Sotschi 2014 nachzulösen.“

Auch die Stuttgarter Zeitung ist vom Auftritt der Deutschen Mannschaft nicht begeistert. Das Kölliker-Zitat „Wir haben unglücklich gekämpft, das Spiel lief völlig an uns vorbei“ findet man öfter, allerding fügt man hier hinzu: „meinte Kölliker und fand damit noch schmeichelhafte Worte für den Auftritt seiner Schützlinge.“

Ob man die Fußball-Fans von Kicker online mit den Zeilen „DEB-Team findet auch gegen Tschechien kein Mittel“ für Eishockey begeistern kann, ist fraglich. Die Kritik wird mit Sätzen wie „Turnier-Aus ohne Gegenwehr“ oder „Das Schlussdrittel verkam zum Schaulaufen der Tschechen“ auf den Punkt gebracht.

Bild.de hatte auch keinen Spaß am Spiel „Peinlich-Pleite gegen Tschechien“. In einem kurzen Statement sagt Philip Gogulla: „Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Das war auch wieder ein Debakel. Gegen Tschechien kann man verlieren, dass man aber wieder so hergespielt wird, ist sehr bedauerlich.“

Das man auch in den ausländischen Medien keine Lobeshymnen auf die Leistung der DEB-Auswahl singt, versteht sich von alleine. Das österreichische Fachmagazin Hockey-News.info schreibt „Tschechien nach Kantersieg auf Platz 3 – Deutschland kommt erneut unter die Räder!“ Die Tschechen fackelten nicht lange: „Das Schicksal nahm bereits nach 118 Sekunden seinen Lauf, als Edmontons Ales Hemsky zum 1:0 für die tschechische Republik einnetzte.“ Hier erkennt man noch das Problem der Strafen: „Die Deutschen machten sich mit sieben Unterzahlspielen selbst das Leben schwer.“

Hockeyfans.at, ebenfalls aus Österreich, sieht: „Peinlich! Deutschland geht auch gegen Tschechien unter“. Und weiter: „Eine enttäuschende, ja sogar peinliche WM ging für Deutschland mit einem weiteren Tiefschlag zu Ende.“

Nachdem das Viertelfinale Schweden gegen Tschechien bereits feststeht, konzentriert man sich im Gastgeberland schon mal auf dieses Duell. So schreibt die Eishockeyabteilung vom Expressen: „Tschechische Republik: Es wird hart gegen Schweden“. Zitiert wurde damit der tschechische Spieler Jakub Krejcik. Etwas beiläufig wird erwähnt, das Tschechien Deutschland mit 8:1 „zerquetscht“ hat.

Auch in Tschechien spielt das anstehende Viertelfinale bereits eine Rolle. So berichtet der Sportteil von Lidové noviny: „Nächster Gegner Schweden“. Im Interview mit dem tschechischen Cheftrainer Alois Hadamczik stellt man ihm die Frage, ob er erwartet hat, die Deutschen mit 8:1 vom Eis zu fegen. Er antwortete „Glücklicherweise haben wir unsere Chancen nach dem 1:1 genutzt. Wenn nicht, hätte das Spiel auch für Deutschland enden können.“ Damit könnte Alois Hadamczik sofort einen Posten im diplomatischen Dienst annehmen.

Im Onlinemagazin ceskatelevize.cz gibt es unter anderem ein Videointerview mit Ales Hemsky. Dort meint er: „Das schnelle Tor hat alles entfesselt.“ Weiter sagt der Stürmer, der die Vorbereitung nicht mitgemacht hat: „Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben. Wir spielten gegen sie bei der Vorbereitung und die Jungs sagten, dass die gut sind. Darum wollen wir sie nicht unterschätzen.“ Das hat offensichtlich funktioniert.

Das Regionalmagazin ostrava.regiony24.cz freut sich natürlich auch auf die Schweden „Nach 8:1 gegen Deutschland ist Tschechen im Viertelfinale. Dort wartet Schweden.“ Das Sportmagazin sport.cz wird sachlicher: „Zum Abschluss des Stockholmer Gruppe gewannen  die tschechischen Eishockeyspieler im Spiel gegen die Deutschen klar 8:1 und erzielten den höchsten Sieg unter Trainer Alois Hadamczik.“ Es folgt die minutiöse Auflistung der acht Tore, ehe man auch hier das Spiel abhakt und das Augenmerk auf das kommende Schweden-Spiel legt.