Eishockey-Experten diskutierten über die WM„Ziel ist die schwarze Null“

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Doch diskutierten Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, Dirc Seemann, Chefredakteur und Direktor Content Sport1, Henner Ziegfeld, Generalsekretär des deutschen Eishockeybundes, der Ex-KEC-Spieler Mirko Lüdemann und Peter Schönberger, Geschäftsführer der Kölner Haie, im Laufe des Abends auch angeregt über eine bessere Bindung des Nachwuchses und die Wirtschaftlichkeit des Sportes. Moderiert wurde der Abend in den Räumen des SID in Köln von Daniel Schüler.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft, dass das Turnier geplantermaßen in zwei Städten in unterschiedlichen Ländern ausgetragen wird. Schweden und Finnland machten es vor, allerdings hatten sie sich erst im Nachhinein darauf geeinigt, als die beiden die jeweiligen WM-Turniere als Einzelausrichter bekommen hatten.

Am 5. Mai fällt das erste Bully, die Vorbereitungen für diesen Moment laufen bereits seit einigen Jahren. 2013 hatten sich deutsche und französische Städte getrennt um die Austragungsrechte der WM beworben. Doch durch das 50-jährige Jubiläum des Élysée-Vertrages, der die deutsch-französische Freundschaft begründet, einigte man sich jedoch auf eine gemeinsame Bewerbung. „Wir merken, dass das Interesse am Eishockey wächst, doch noch immer kann der Sport jede Aufmerksamkeit brauchen. Seit die Telekom als Medienpartner eingestiegen ist, ist die Reichweite in Deutschland gestiegen. Darauf wollen wir aufbauen“, sagte Peter Schönberger. Marketingaktionen wie die Eisfläche am Eifelturm, die Umgestaltung des internationalen Hochgeschwindigkeitszuges Thalys in den Veranstaltungsfarben und Asterix und Obelix als Maskottchen sollen die Öffentlichkeit stärker auf die Weltmeisterschaft aufmerksam machen. Ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft käme einer positiven Reputation des Sportes selbstverständlich ebenfalls entgegen. „Die deutsche Mannschaft ist in den letzten Jahren immer besser geworden. Wir haben bewiesen, dass wir keine Fahrstuhlmannschaft sind, sondern uns in der A-Gruppe festgesetzt haben. Vor allem die ersten Gegner haben es dieses Jahr in sich. Allerdings kann bei der WM im eigenen Land wirklich alles passieren“, so Mirko Lüdemann.

Gönner im Eishockey – Genuss oder Gefahr?

Im Anschluss daran lenkte Moderator Daniel Schüler das Gespräch auf ein ernstes Thema. Die Süddeutsche Zeitung hatte vor einigen Tagen einen Artikel über die Lage der DEL veröffentlicht, der aufzeigte, dass die meisten Vereine finanziell von einem Gönner abhängig sind – ein Thema, das die Expertenrunde spaltete. So stand Franz Reindl dem Einfluss von Mäzenen tendenziell positiv gegenüber: „Ich bin stolz, dass es Menschen gibt, die in den Eishockey-Sport investieren. Dass Vereine pleitegehen, passiert überall im Profisport. Wir wollen viel lieber aufs Positive schauen. Gönner sind wichtig für den Verein und den Nachwuchs“. Verhaltener äußerte sich Peter Schönberger, Geschäftsführer der Kölner Haie, zu dem Thema: „Eishockey ist nach wie vor ein Minus-Geschäft. Wir sind auf Gönner angewiesen. Grund dafür sind unter anderem die TV-Lizenz-Erlöse, die sich nicht mit den Einnahmen im Fußball vergleichen lassen. Das muss ausgeglichen werden. Unser Ziel ist die schwarze Null.“ Als positives Beispiel aus der DEL nennt die SZ die Straubing Tigers. Der Verein, der für seine solide, wirtschaftliche Arbeit gelobt wird, hat einen kleinen Etat von fünf Millionen Euro. Das Defizit des Eisstadions in Höhe von bis zu 800.000 Euro gleicht die Stadt aus. „Es geht auch um das Ziel, das sich ein Verein setzt. Der KEC spielt jedes Jahr um den Titel. Mit dem Budget der Straubing Tigers ist das einfach nicht möglich“, so Schönberger.

Junge Talente binden

Auf die Finanzen kommt es auch in der Nachwuchsarbeit an. Viele talentierte, junge Spieler versuchen ihr Glück früher oder später in den USA oder Kanada. Zu dieser Zeit hat der Verein allerdings schon viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung investiert. Eine Möglichkeit zu finden, diese Talente in der DEL zu halten, ist auch eine aktuelle Aufgabe der Liga und der Vereine. Laut Schönberger erarbeiten die Vereine bereits Konzepte, um die Karriere in Deutschland für junge Spieler interessanter zu gestalten. Diese beinhalten neben verschiedenen Kooperationen auch frühe Profi-Verträge. Auch die Weltmeisterschaft im eigenen Land könnte dem Nachwuchs zu Gute kommen. „Eishockey ist für die ganze Familie kein einfaches Hobby. Die Ausrüstung, die Auswärtsspiele – da müssen alle mitziehen. Die Weltmeisterschaft ist immer gut für das Interesse der Jugend. Darauf hoffen wir“, sagte Henner Ziegfeld, Generalsekretär des deutschen Eishockey-Bundes.

Franziska Bähr

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