Ein verdienter Weltmeister – egal wer gewinntKanada und Schweden stehen sich am Sonntagabend gegenüber

Jubeln die Kanadier um Nate MacKinnon – oder stoppt der „King“ Henrik Lundqvist den Weltmeister und führt Schweden zum Titel? Die Entscheidung fällt am Sonntagabend. (Fotos: Roland Christ)Jubeln die Kanadier um Nate MacKinnon – oder stoppt der „King“ Henrik Lundqvist den Weltmeister und führt Schweden zum Titel? Die Entscheidung fällt am Sonntagabend. (Fotos: Roland Christ)
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Dass der 26-fache Weltmeister aus Kanada auf den neunfachen Titelträger Schweden trifft, ist ein Duell zweier Turnierfavoriten. Dass es aber tatsächlich zu diesem Finale kommt, hatte einer schon vorher gewusst: Deutschlands Verteidigerstar Dennis Seidenberg. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Nordamerikaner hatte er dieses Endspiel prognostiziert. Und er schickte auch gleich seinen Tipp für den Sonntagabend hinterher: „Ich denke, dass Schweden gewinnt“, sagte Seidenberg. Ob er richtig liegt?

Möglich ist das schon, denn die zusätzliche Verstärkung der Tre Kronor zum ohnehin bestens besetzten Team mit Torhüter Henrik Lundqvist von den New York Rangers und Stürmer Nicklas Bäckström von den Washington Capitals hat diese Mannschaft noch einmal deutlich aufgewertet. Doch wozu Kanada fähig ist, hat das Team von Jon Cooper bereits im Halbfinale gegen Russland gezeigt. Nach 40 Minuten gegen den Rekordweltmeister mit 0:2 im Hintertreffen zu sein, würde für viele andere die sichere Niederlage bedeuten – nicht aber für Kanada. Mit einer großen Willensleistung und vier Toren in den letzten 20 Minuten stürmten die Jungs aus dem „True North“ doch noch ins Finale und können bei einem Sieg mit Rekordweltmeister Russland und dessen 27 WM-Titeln gleichziehen. „Für uns war es im zweiten Drittel mit vielen Strafzeiten schwer. Das gleiche galt für Russland im letzten Abschnitt.“ Ohnehin ehrt es Cooper, mit wieviel Lob und Einfühlungsvermögen er von den Spielern spricht – von den Spielern des Gegners wohlgemerkt. So fragte ein russischer Journalist, wie ihm denn „seine“ Spieler gefallen hätten. Damit meinte er Torhüter Andrei Vasilevski sowie die Stürmer Nikita Kucherov und Vladislav Namestnikov, die allesamt für Tampa Bay Lightning spielen, wo Cooper Cheftrainer ist. „Jeder einzelne russische Spieler hat heute ein herausragendes Spiel geboten“, betonte Cooper, „wie auch jeder kanadische Spieler.“ Russland auf der anderen Seite musste für das Viertelfinale von Köln nach Paris reisen und für das Halbfinale wieder nach Köln zurückkehren – und die Fahrt nach Paris war auch noch verbunden mit einer Zugpanne, die die Reise mehr als drei Stunden länger dauern ließ. Russlands Trainer Oleg Znarok zeigte in der Niederlage Größe: „Das hat uns nicht im geringsten beeinträchtigt.“

Derweil ist die Vorfreude der Schweden auf dieses Spiel riesig. Sie brannten freilich kein Feuerwerk beim 4:1 im Halbfinale gegen Finnland ab, was aber zum einen auch Kräfte für ein Finale schont, dass nur 24 Stunden später ansteht. Zum anderen war auch Kanada nicht über 60 Minuten gegen Russland in Topform. „Das ist das, wofür wir hierher gekommen sind“, sagte Schwedens Stürmer Victor Rask zum Erreichen des WM-Endspiels.

Das Finale wird freilich auch ein Duell der beiden Topscorer ihrer jeweiligen Mannschaften sein. Sowohl der Schwede William Nylander (sieben Tore, sieben Vorlagen) als auch der Kanadier Nate MacKinnon (sechs Tore, acht Vorlagen) kommen auf 14 Scorerpunkte, was lediglich Russlands Artemi Panarin (vier Tore, zwölf Vorlagen) überbietet, der auf 16 Punkte kommt und dies im Bronze-Spiel freilich ebenfalls noch ausbauen kann.

Mit Blick auf die Torhüter ist der Glamour-Faktor bei den Schweden deutlich größer. Der „King“ der New York Rangers, Henrik Lundqvist, hat seit seiner Ankunft bei der WM vier Spiele absolviert, alle vier gewonnen und hatte dabei eine Fangquote von 93,02 Prozent. Und letztlich beeindruckt „Hank“ bereits durch seine Anwesenheit. Diesen Status muss sich Calvin Pickard von der Colorado Avalanche natürlich erst noch erarbeiten, doch die Fangquote des Kanadiers, der in sechs von neun WM-Spielen des Titelverteidigers im Tor stand, ist mit 93,38 Prozent sogar knapp besser.

Natürlich spielt die Eishockey-WM in der europäischen Öffentlichkeit eine größere Rolle als in der nordamerikanischen, was sich natürlich auch in der Fanunterstützung niederschlägt. Das kann ein Vorteil für Schweden sein. Wer aber glaubt, dass Kanada nicht in Köln ist, um den dritten WM-Titel in Folge und die 27. Weltmeisterschaft insgesamt zu gewinnen, der hat ganz eindeutig eines nicht verstanden: das Herz der Kanadier.

Der Ausgang ist also völlig offen, sodass am Sonntag ab 20.45 Uhr ein packendes Endspiel bevorsteht. Die Pre-Game-Show startet bereits um 20.15 Uhr. Um 16.15 Uhr spielen Russland und Finnland um Bronze.

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