Ein Fazit aus deutscher SichtKommentar

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Dort gewann sie lediglich 3:2 gegen die Ungarn, in Schweden beendete sie die Spiele gegen Italien und Dänemark siegreich. Damals handelte es sich um eine Vierer-, heuer um eine Achtergruppe. Damals wurden Niederlagen gegen die Außenseiter Frankreich, Dänemark und Österreich eingefahren, jetzt verließen die Cracks um Kapitän Marcel Goc unter anderem gegen Lettland, Norwegen und Tschechien mit hängenden Köpfen das Eis, wobei sie aus den beiden letzten Partien 20 (!) Gegentreffer kassierten.

Den Grund für dieses Debakel in erster Linie in den zahlreichen Absagen zu suchen, halte ich nicht für sinnvoll. Denn immerhin liefen die Adlerträger mit 16 Akteuren der letzten WM auf.  Und Co-Trainer Harold Kreis, bis dato Garant für den Erfolg, steht nach wie vor an der Bande.

Das deutsche Team wirkte hochgradig führer- und kopflos. Keiner nahm das Heft in die Hand und ging der Truppe mit gutem Beispiel voran. Verlieren kann man immer, dafür ist die Weltspitze zu eng beieinander, vor allen Dingen zwischen den Rängen eins und fünf sowie sechs und 13. Entscheidend ist das „Wie“, und hier zeigten sich erschreckende Defizite. Den Torleuten einen Vorwurf zu machen, wäre zu einfach. In der Verteidigung machte der Wolfsburger Christopher Fischer seinen Job ganz ordentlich, während alle anderen den Beweis für ihre Berufung schuldig blieben, aus welchen Gründen (mangelnde Erfahrung, Überforderung) auch immer. Im Sturm klappte es einigermaßen mit dem Trio Patrick Reimer, Christoph Ullmann und Philip Gogulla, das als einzige Reihe nicht dem Wechselfieber (O-Ton Kölliker: „Das kam jeweils auf die Teamkonstellation und die Rollenverteilung an“) des Bundestrainers zum Opfer fiel.

Damit sind wir beim Bundestrainer, der im übrigen auch nach dem letzten Match keine Selbstkritik übte, sondern lediglich zugab: „Das waren keine Niederlagen, sondern Schlappen. Die WM ist verbockt.“ Ob er überhaupt der richtige Mann ist, muss angesichts zweier Niederlagen in Folge mit 20 Gegentoren bezweifelt werden. Generalsekretär Franz Reindl verließ jedenfalls die Pressekonferenz vorzeitig. Er wird sich seinen Teil gedacht haben. Kleinlaut gab der Schweizer zu, dass sein Team mit dem Tempo der Tschechen nicht mitkäme und dass es kein Selbstvertrauen gehabt hätte.

Wird DEB-Boss Uwe Harnos jetzt doch wieder überlegen, ob es besser sei, einem Vereinstrainer zusätzlich den Job eines Bundestrainers zu übertragen? Vorstellbar ist dieses Modell immer. Und wenn Harold Kreis oder irgendein anderer sein Herz bei der Aufstellung sprechen lässt und im Eventualfall einen seiner Leute mitnimmt an Stelle eines anderen, wäre das so schlimm? Schließlich ist ein Justin Krueger, aus welchen Gründen auch immer, auch dabei, von Kevin Lavallee ganz zu schweigen.

Damit sind wir bei den Fans. Ich bin mir nicht sicher, ob es Galgenhumor oder Ausdruck unserer Spaßgesellschaft ist, dass es die deutschen Zuschauer (übrigens waren sie lediglich auf dem dritten Rang hinter den Russen und Letten) sich auf ironische Gesänge beschränkten und sich lieber mit dem Maskottchen, einem Vogel, ablichten ließen. Mir fiel auf, dass in der ganzen Feiergruppe nur ein Fan sauer war. Nach der Melodie von „Where´s your Papa gone?“ sang er „haut den Vogel um“. Im Gespräch war jedoch fast ständig herauszuhören, dass man mit allem unzufrieden war, nicht nur mit den Leistungen unserer Mannschaft.

Bleibt zu hoffen, dass Entscheidungen bald gefällt werden und die Fans nach einem wunderschönen Sommer wieder zu ihren Lieblingen halten.