Demütigung für deutsches Eishockey-TeamNur die drei Punkte gegen Frankreich sorgen für Erleichterung

Dennis Endras hielt die Franzosen aus. (Foto: Imago)Dennis Endras hielt die Franzosen aus. (Foto: Imago)
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Mit der erwarteten Niederlage gegen Kanada endete das zweite Spiel der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der 79. Weltmeisterschaft in Tschechien, doch das Ergebnis kommt einer Demütigung gleich. Das Team von Bundestrainer Pat Cortina unterlag dem 24-maligen Weltmeister in der Ceskomoravska-Arena in Prag vor 15.046 Zuschauern mit 0:10 (0:4, 0:5, 0:1). „Wir haben eine Lehrstunde erhalten“, sagte Verteidiger Patrick Köppchen vom ERC Ingolstadt.

Superstar Sidney Crosby lebt professionellen Charakter vor

Dass sich die deutsche Mannschaft gegen die Kanadier keine Hoffnung auf eine Überraschung machen brauchte, lag zum einen am desillusionierenden Auftritt beim völlig unverdienten 2:1 über Frankreich zum Auftakt am Samstag als auch zum anderen an der professionellen Einstellung der Ahornblätter. „Wir haben vor jedem Gegner Respekt und werden daher auch gegen Deutschland mit voller Konzentration agieren“, hatte Sidney Crosby vor der Partie gesagt. Der 27-jährige Angreifer der Pittsburgh Penguins ist der Star im Team Kanada. In Pittsburgh hat er in dieser NHL-Saison mit Thomas Greiss, Christian Ehrhoff sowie Marcel Goc zusammengespielt und Tobias Rieder kennt er aus den Duellen mit den Arizona Coyotes. „Sie haben alle Talent, sind gute Schlittschuhläufer und technisch versiert“, sagte Crosby.

Zu dumm, dass nur Rieder bei dieser WM für Deutschland aufläuft. „Ich kenne die Beweggründe für die vielen Absagen im deutschen Team nicht und kann daher nur für mich sprechen. Ich bin in diesem Jahr auch schon früh aus den Play-offs ausgeschieden. Das ist natürlich enttäuschend, doch ich fühle mich sowohl körperlich wie auch mental fit. Wenn du die Chance hast, für dein Land zu spielen, dann ist das eine große Ehre und aus der möchte ich hier in Prag sehr gerne das Beste machen“, sagte Crosby.

Allein Torwart Dennis Endras rettet Deutschland gegen Frankreich

Für ihn und Kanada bedeutet das Beste die Goldmedaille, für Deutschland nichts anderes als die Verhinderung des Abstiegs. Dazu gelang mit dem 2:1 (1:0, 0:0, 1:1) gegen Frankreich zwar ein wichtiger Schritt, doch zeigte das DEB-Team dabei eine Leistung, die für den weiteren Turnierverlauf Schlimmes befürchten lässt. Nach einem halbwegs ordentlichem Beginn und der Führung durch den Münchener Michael Wolf (13.) hieß das Spiel eigentlich nur noch Dennis Endras gegen Frankreich. Der überragende Torhüter vom Meister Adler Mannheim stand wie eine Mauer, parierte unzählige Schüsse und ließ sich lediglich von Damien Fleury (51.) überwinden. Das 1:1 schien in diesem vom Niveau her für eine A-WM unwürdigen Spiel die Verlängerung zu bedeuten, doch Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers gelang exakt 60 Sekunden vor Schluss in Überzahl das 2:1.

„Wir sind extrem erleichtert. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, denn wir wussten, um was es in diesem Spiel ging“, sagte Reimer und auch Matchwinner Dennis Endras war überglücklich. „Mit Blick auf den Abstiegskampf, wäre es ganz bitter gewesen, gegen einen direkten Konkurrenten mit einer Niederlage zu starten. Es hat großen Spaß gemacht, die Franzosen zu entnerven.“ Beim Blick auf die Leistung aber hörte der Spaß bei anderen auf. Der Angriff zeigte sich harm- und ideenlos und in der Abwehr unterliefen nahezu jedem Spieler anfängerhafte Fehler. „So kann man nicht Eishockey spielen. Wir waren viel zu passiv“, schimpfte Michael Wolf und Trainer Pat Cortina meinte mit versteinerter Miene: „Wir hätten mehr laufen müssen.“ Eine Aussage, die der Bankrotterklärung gleichkam, die seine Mannschaft gegen Kanada dann auch auf dem Eis offenbarte.

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