DEB-Team: Gewogen und für zu leicht befundenNach WM Absch(l)uss

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Mit einem 1:8 (1:3/0:3/0:2) gegen Tschechien verabschiedete sich das DEB-Team gestern von der 76. Weltmeisterschaft, beendete das Turnier damit als Zwölfter und verfehlte mit dem Verpassen der direkten Qualifikation für die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi auch ihr Minimalziel. „Wir haben uns bemüht, konnten das Tempo der Tschechen aber nicht mitgehen“, sagte Bundestrainer Jakob Kölliker.

Gewogen und für zu leicht befunden. Für viel zu leicht. Zwanzig Gegentore kassierte Deutschland in den letzten zwei Turnierspielen. „Auf diesem Niveau dürfen solche groben Fehler, wie sie uns unterlaufen sind, einfach nicht passieren“, sagte Angreifer Patrick Reimer. Das System von Jakob Kölliker, in der Abwehr Mann- statt Raumdeckung zu spielen, wollte dabei allerdings kein Akteur als Entschuldigung gelten lassen. „Das ist Unsinn. Zum Schluss zählen immer die Zweikämpfe und individuelle Entscheidungen“, meinte Stürmer Evan Kaufmann und Kölliker sagte: „Dieses System spielen alle Nationen.“

 Natürlich wurde sofort die Frage nach der Zukunft des 58-Jährigen laut. „Wir sollten das nun alles erst einmal sacken lassen. Die Erwartungshaltung war nach den beiden Viertelfinalteilnahmen von 2010 und 2011 sicher hoch, aber da waren wir auch viel stärker besetzt. Vor drei Jahren haben wir schlechter abgeschnitten, daher darf jetzt nicht sofort der Stab gebrochen werden“, sagte DEB-Präsident Uwe Harnos und Jakob Kölliker ergänzte: „Klar, dass nach zwei solchen Watsch'n Emotionen geschürt werden. Wir haben die WM zwar verbockt, aber es war nicht alles schlecht und deshalb würde ich auch sehr gerne weitermachen.“

 Aller Voraussicht nach wird der Schweizer dies auch dürfen, wenn auch in anderer Funktion. Denn beim Deutschen Eishockey Bund sind die Vorstellungen über die künftige Ausrichtung schon viel zu weit gediehen. Kölliker soll als Sportdirektor fungieren und ein Trainer nach dem Vorbild der USA und von Kanada nur noch als Teilzeit-Kraft für Turniere verpflichtet werden. Eine Idee, die durchaus Sinn macht, zumal mit Assistenztrainer Harold Kreis von den Adlern Mannheim bereits jemand im Trainer-Stab ist, der das deutsche Liga-Eishockey über die Saison konstant im Blick hat. Und Kölliker hat seine Qualitäten als General Manager beim Schweizer Verband auch schon unter Beweis gestellt, weshalb ihm aus der Liga für diese Position der Rücken gestärkt wird. „Herr Kölliker ist ein sehr guter Mann, um neue Strukturen vom Nachwuchs bis hinauf in den Seniorenbereich einzuführen“, sagte zum Beispiel Peter John Lee, der Manager von Meister Eisbären Berlin gegenüber der BILD-Zeitung.

 Strukturen, die der DEB schnell braucht. Schon im Frühjahr 2013 steht nun ein Qualifikationsturnier an, in dem ein weiteres Ticket für Olympia vergeben wird. „Wir bemühen uns darum, dieses Turnier auszurichten“, so Harnos. Hoffentlich können die Fans dann andere Gesänge anstimmen.