Bronze für die USANeue Schwedenhappen (10)

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Großes Pech für Lauri Korpikoski und Finnland: Der zweimalige Torschütze hatte im ersten Abschnitt des Penaltyschießens die Möglichkeit, seinem Team mit dessen dritten Treffer Bronze zu bescheren. Doch der Mann von den Phoenix Coyotes versagte, während im anschließenden Tie-Break Alex Galchenyuk bei seinen beiden Versuchen erfolgreich war. So gingen die Finnen ohne Medaille nach Hause, während die Cracks aus Übersee nach einer 2:0-Führung und anschließendem Zittern doch noch Bronze gewannen.

Offenbar hatten die US-Boys an ihrer gestrigen Niederlage gegen das Sensationsteam aus der Schweiz nicht so lange zu knabbern gehabt wie ihre Kontrahenten aus dem Land der tausend Seen. Bevor ein Finne überhaupt die Scheibe kontrollierte, lag sie schon in ihrem Gehäuse. Auch im weiteren Verlauf des ersten Abschnitts waren Stastny & Co. deutlich tonangebend, wenngleich die Treffer fehlten. Finnland kam nur sporadisch vor den Kasten von John Gibson, dem erneut der Vorzug vor Ben Bishop gegeben wurde. Erst in der neunten Minute kamen die Finnen zu einem guten Angriff, doch Juhamatti Aaltonen scheiterte an eben diesem Gibson. Konsequent nutzten die Nordamerikaner dann die erste Überzahl. Ein kurzer Pass von Craig Smith zu Paul Stastny, der bestrafte Lauri Korpikoski durfte die Strafbank wieder verlassen. Typisch für das erste Drittel eine Szene aus der 19. Minute: Sakari Salminen wollte eine torgefährliche Situation kreieren, wurde jedoch so hart vom Gegner bedrängt, dass er sich in wenigen Sekunden im eigenen Drittel wiederfand.

Zwar kamen die Finnen im Mitteldrittel endlich ins Spiel, doch waren ihre Aktionen nur allzu selten zwingend. Der junge Gibson wurde regelrecht warm geschossen. Ob Petri Kontiola (26. bzw. 38. Minute), Kapitän Lasse Kukkonen (ebenfalls 26.) oder Sami Lepistö, Gibson hatte nicht viel Mühe, die Schüsse abzuwehren. Glück hatte der Mann aus Buffalo jedoch, als in Minute 27 Juha-Pekka Hytönen von Amur Chabarowsk (im fernen Osten Sibiriens, kurz vor Japan, spielte einst Pinguin-Kapitän Herberts Vasiljevs) die Scheibe und damit das leere Tor nicht traf. Auf der anderen Seite brauchte Antti Raanta nicht oft einzugreifen. Angesichts der Ami-Führung blieben dann auch die „Rossija-Rossija“-Rufe mehr oder weniger aus.

Der dritte Abschnitt brachte endlich Action auf beiden Seiten, wobei die Finnen das Tempo merklich anzogen. Nur ab und zu kamen die Nordamerikaner jetzt noch aus der Defensive heraus. Glück für Finnlands Verteidiger Ossi Väänänen, dass er bei der Vorbereitung zum Anschlusstreffer die Scheibe noch ein paar Millimeter in der Angriffszone halten konnte. Mit einem abgefälschten Schlagschuss kamen die Finnen zu ihrem ersten Tor. Jetzt folgten die Chancen im Minutentakt. Vor allen Dingen sorgte Aaltonen, ein 27-jähriger Rechtsaußen vom schwedischen Verein Rögle Ängelholm, für viel Wirbel vor Gibsons Kasten. Der Ausgleich kam dennoch überraschend. Supertechniker Mikael Granlund von Minnesota Wild führte die Scheibe unbedrängt von der „Eckfahne“ bis vors Tor, und in Gemeinschaftsarbeit mit Korpikoski stand es 2:2. Jetzt kamen noch einmal die Amis, doch weder David Moss, noch Craig Smith noch Nate Thompson hatten mit ihren Aktionen Glück.

In der Verlängerung hatten beide Teams reichlich Gelegenheit, für die Entscheidung zu sorgen, doch beide Torwarte ließen keine weiteren Treffer zu.

Nach wie vor halte ich das sogenannte Kleine Finale für überflüssig. Zwei Teams, die einen Tag zuvor aus ihren Meisterträumen gerissen wurden, sollten beide mit Bronze geehrt werden. Dies gibt es auch in anderen Sportarten. Da der Spielplan ohnehin im vorigen Jahr auf 64 Partien aufgebläht wurde, könnten die Verantwortlichen getrost auf dieses „Loser-Match“ verzichten. Die zusätzlichen 25 Bronzemedaillen sollten wohl im gut sortierten IIHF-Etat verfügbar sein.

Tore: 0:1 (0;58) Smith (Stastny, Moss), 0:2 (15;58) Stastny (Johnson, Smith – 5:4), 1:2 (48;56) Korpikoski (Väänänen, Granlund), 2:2 (52;18) Korpikoski (Granlund, Kontiola), 2:3 (65;00) Galchenyuk (Penalty). – Zuschauer: 6.836. – Strafminuten: Finnland 2, USA 0. – Schiedsrichter: Reiber (Schweiz), Vinnerborg (Schweden).

Lichtnecker zufrieden

Zufrieden äußerte sich DEB-Schiedsrichterboss Gerhard Lichtnecker über das Abschneiden seiner Schützlinge. „Der Lars (Brüggemann/Anm.d.R.) hat sogar ein Halbfinalmatch leiten dürfen. Ihm traue ich nach ein, zwei Jahren durchaus zu, dass ihm einmal ein Finalspiel gegeben wird.“ Dass „zwei, drei“ Unparteiische nicht den Anforderungen entsprachen, will er gar nicht abstreiten. Dabei sollten wir auch die Linienrichter nicht vergessen. So stand André Schrader zusammen mit dem Schweizer Roger Arm beim Bronzespiel seinen Mann. Zum Thema der Neutralität (die Schiedsrichter pfiffen teilweise die Gruppenspiele „ihrer“ Teams) hatte Lichtnecker eine Erklärung, die allerdings nicht besonders einleuchtend war. „Sie wurden automatisch ausgetauscht, was nichts mit Neutralität zu tun hat.“