Zwei Niederlagen gegen Freiburg - Steelers vor dem Halbfinal-Aus

Steelers im Aufwind!?Steelers im Aufwind!?
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Der SC Bietigheim-Bissingen ist auf dem Weg zum Saisonziel Playoff-Finale mächtig ins Straucheln geraten. Mit 1:4 und 0:6 unterlag das Team von Danny Naud am Wochenende zwei Mal dem EHC Freiburg deutlich und liegt nun in der Serie mit 1:2 zurück. Am Freitag hatte es zunächst noch gut ausgesehen für die Steelers. Aus einer defensiven Grundhaltung heraus ließen sie Freiburg kaum zur Entfaltung kommen. Chancen waren hüben wie drüben eher Mangelware. Dennoch schoss Markus Wieland knapp zweieinhalb Minuten vor Ende des ersten Drittels die Steelers in Überzahl sogar in Führung. Auch im Mitteldrittel sah die Welt für den SCBB noch in Ordnung aus, auch wenn EHC-Kapitän Bedrich Scerban nach knapp fünf Minuten, ebenfalls durch ein Powerplay-Tor, der Ausgleich gelang. Bietigheim war weiterhin im Spiel und hatte durchaus noch die Chance zu gewinnen.

Das sah im Schlussdrittel dann ganz anders aus. Die Steelers verloren zusehends ihre Linie und Freiburg kam immer besser ins Spiel. Dazu kam noch ein katastrophaler Fehlpass, den Dion Del Monte dankend annahm und zum Freiburger Führungstreffer verwandelte. Nun war endgültig die Ordnung im Bietigheimer Spiel dahin. Dennoch wäre immer noch was für den SCBB drin gewesen, wenn, ja wenn Andrej Kovalev, Jens Stramkowski oder Craig Teeple ihre Chancen frei vor Rostislav Haas genutzt hätten. So spielte aber Freiburg sein Spiel clever runter und wurde dabei noch tatkräftig von Schiedsrichter Osswald unterstützt. Hatte der Unparteiische in den ersten beiden Dritteln einfach nur schlecht gepfiffen, so stellte er nun fast nur noch Bietigheimer vom Eis. Robert Gratza sah das ähnlich und kassierte kurz vor dem Ende noch eine Disziplinarstrafe, als er dem Referee höhnisch applaudierte. Die Wölfe störten sich daran wenig und nutzten durch Daniel und Dion Del Monte zwei weitere Überzahlspiele zum 4:1-Endstand.

Steelers-Trainer Daniel Naud suchte die Schuld hinterher aber keineswegs beim Unparteiischen: »Wir haben zwei Drittel lang gut gespielt. Im dritten Drittel haben wir nachgelassen«, fand er die Schuldigen in den eigenen Reihen, »Freiburg ist clever genug, das auszunutzen.«

Mit der Niederlage vom Freitag war der SCBB im Heimspiel am Sonntag schon ein wenig unter Zugzwang. Zu allem Überfluss fehlte auch noch Torjäger Darren Ritchie, der sich in Freiburg nach einem Check an der Schulter verletzt hatte. Das Spiel begann ruppig und bereits nach 4:03 Minuten musste Freiburgs Alexander Andrijewski nach einem Stockcheck mit einer Spieldauerdiszi vom Eis. Bietigheim konnte die anschließenden fünf Minuten in Überzahl nicht zu einem Tor nutzen und Freiburg konnte sich wieder befreien. Ein Übriges dazu tat die Bietigheimer Hintermannschaft, die nach tollen Leistungen zu Beginn der Playoffs wieder in die alte Schwäche zurückfiel. So gelang Robert Brezina nach gut 14 Minuten das 1:0 für Freiburg. Peter Gulda ärgerte sich offensichtlich so über den Treffer, dass er den Torschützen mit einem Stockcheck niederstreckte und ebenfalls zum Duschen geschickt wurde. Freiburg stellte sich dann im Überzahlspiel geschickter an. Zumal wenig später auch noch Markus Wieland auf dem Sünderbänkchen Platz nehmen musste. Mit so viel Platz ließen sich die Wölfe nicht zwei Mal bitten, und Robert Brezina erhöhte mit seinem zweiten Treffer auf 2:0.

Im zweiten Drittel hatten die Steelers-Fans unter den knapp 3400 dann mit einem Aufbäumen gerechnet, doch nach einem Fehler tauchte Björn Bombis frei vor Fatikov auf und stocherte die Scheibe an dem Weißrussen vorbei ins Netz (24:04). Die Ordnung im Bietigheimer Spiel war nun völlig dahin. Nach vorne entstand kaum Produktives, dafür passierten nimmer wieder haarsträubende Fehler. Einen solchen Fehler nutze Peter Mares in der 31. Minute. Er steuerte allein auf Fatikov zu und ließ dem Bietigheimer Schlussmann mit einem platzierten Schlenzer keine Chance.

Mit 0:4 ging es ins letzte Drittel. Solche Ergebnisse zu drehen ist im Eishockey nicht unmöglich. Deshalb wollte Danny Naud ein Zeichen setzen und brachte Christian Rohde für Leonid Fatikov, den allerdings keine Schuld am deutlichen Rückstand traf. Das Zeichen ging aber mächtig in die Hose, denn schon nach einer Minute und 38 Sekunden verlor Rohde im Getümmel den Überblick und Daniel Del Monte schob zum 0:5 ein. Die Bietigheimer Moral war nun völlig dahin und Freiburg hätte sich eigentlich zurücklehnen können. Doch als Christian Rohde einen Schuss genau auf den Schläger von Dion Del Monte abprallen ließ, sagte der auch nicht Nein und vollstreckte zum 0:6-Endstand (46:51).

Angesichts der schwachen letzten vier Drittel hörte sich Danny Nauds Statement hinterher dann beinahe wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde an. »Das schöne an den Playoffs ist, du kannst 0:20 verlieren und hast doch nur ein Spiel verloren«, so der Bietigheimer Trainer. Er richtete den Blick aber auch gleich nach vorne: »Meine Mannschaft wird am Dienstag in Freiburg bis zum Letzten kämpfen.«

Ob das allerdings reichen wird, gegen die spielerisch wie taktisch zuletzt überzeugenden Freiburger, ist mehr als fraglich. Zumal Darren Ritchie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wieder nicht dabei sein wird. Er wird voraussichtlich zehn Tage pausieren müssen. Und auch Kapitän Craig Teeple wirkt nach wie vor gehemmt und noch nicht richtig fit. Und dann ist da ja auch noch die Statistik. Nur eines der letzten neun Spiele in Freiburg konnten die Steelers gewinnen. Hoffnung liefert da höchstens Freiburgs Trainer Thomas Dolak, als er eigentlich auf das Sonntags-Spiel bezogen meinte: »Das Heimteam steht immer unter Druck.« Der Druck auf Bietigheim scheint aber noch wesentlich höher. Denn mit einer Niederlage am heutigen Dienstag in Freiburg sind die Träume vom Finale und damit auch von der DEL vorerst ausgeträumt.

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