Was macht eigentlich... Bastian Steingroß?Spieler, Trainer, Funktionäre von einst

Bastian Steingroß im Einsatz für die Dresdner Eislöwen (Foto: Roland Krivec - www.stock4press.de)Bastian Steingroß im Einsatz für die Dresdner Eislöwen (Foto: Roland Krivec - www.stock4press.de)
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Hockeyweb: Herr Steingroß, wie geht es Ihnen derzeit und was machen Sie gerade?

Steingroß: Uns geht´s den Umständen entsprechend gut, wir haben gerade viel zu tun. Ich arbeite derzeit in meinem „normalen“ Beruf und sonst hatte ich am Wochenende meine Schiedsrichter-Einsätze; das fällt jetzt leider weg, doch das macht nichts, wir haben im Dezember unser neues Haus bezogen und so durfte ich heute die alte Hecke wegreißen und rund um das Haus gibt es viel zu tun. Ich hatte mal gedacht, ich höre mit Eishockey auf und kann meinem Körper etwas Gutes tun, doch dem ist leider nicht so!

Hockeyweb: Wie und warum wird man eigentlich Schiedsrichter? Was genau mussten Sie dafür tun?

Steingroß: Um Schiedsrichter zu werden, bewirbt man sich in den Landesverbänden. Ich habe mich damals beim Baden-Württembergischen Verband beworben zu einem Leistungscamp. Dazu sollte man gut Schlittschuhlaufen können, denn am Anfang wird mit zwei Mann gepfiffen. Und: Die Regeln sollte man gut kennen, denn ich muss sagen, ich habe 20 Jahre gespielt und eigentlich keine Ahnung gehabt… Wir meckern viel als Spieler, aber am Ende haben die Schiris meistens Recht, das fiel mir erst viel später auf. Ich persönlich habe früher am Wochenende viel Nachwuchs gepfiffen neben meiner Spielerkarriere. Danach wird man immer besser und man wird dann empfohlen für den Deutschen Eishockey Bund, dieser lädt Dich dann zu Eis- und Regeltests ein. Wenn man dort gut abschneidet, bekommt man eine Lizenz und man fängt als Linienrichter an und schaut, wie weit man es dort schafft; dann entscheidet man sich, ob man den Weg als Hauptschiedsrichter gehen kann. Bei mir war es so, dass meine Spielerkarriere von über 20 Jahren mir dort sehr geholfen hat; für ehemalige Spieler und talentierte Linienrichter gibt es die Möglichkeit, durch den Schiedsrichterausschuss in das sogenannte Trainee-Programm aufgenommen zu werden. Dort wird man durch regelmäßige Lehrgänge über die Saison hinweg intensiv an der Ausbildung zum Hauptschiedsrichter geschult, zum Beispiel durch Videos, Tests und Coaching während der Spiele. So wird versucht, die Schiedsrichter schnell besser zu machen - und Gerd Müller ist der absolut wichtigste Mann in dem Programm.

Hockeyweb: Gab es einen Moment als Spieler, in dem Sie dachten, das kann ich auch oder sogar besser?

Steingroß: Ich hatte mit Lars Brüggemann selbst zusammengespielt und verfolgte seine Laufbahn als Schiedsrichter sehr genau. Das war für mich ein Ansporn, wenn man sieht, die Jungs haben lange und erfolgreich in der DEL gespielt und wurden danach gute Schiedsrichter. Da dachte ich, das will ich auch. Als die Entscheidung fiel, wieder nach Berlin zurück zu gehen, war für mich die Entscheidung nahe: Trainer, Manager? Da bist du nie wirklich zu Hause, so war die Karriere als Schiedsrichter für mich eine gute und logische Wahl! Die Jungs aus dem Landesverband waren wirklich immer sehr nett zu mir und ich merkte schnell: Das macht mir großen Spaß! Die Idee war gut und deshalb bin ich auch dabeigeblieben.

Hockeyweb: Vor den Spielen stehen ja bekanntlich die Spieler im Fokus, die Vorbereitung der Schiedsrichter geht im Tumult meist unter. Wie bereiten Sie sich auf die Spiele vor?

Steingroß: Die Spiele sind immer unterschiedlich: Man muss sich zuerst überlegen: In welcher Liga wird gepfiffen, Videobeweis ja oder nein? Die Vorbereitung ist immer gleich, obwohl man sich immer anschaut: Ist es ein wichtiges Spiel, ein „Sechs-Punkte Spiel“, vielleicht eine Vorgeschichte bei Spielern, Troublemakern oder Top-Scorern, die im Fokus stehen? Darauf bereitet man sich intensiv vor. Derbys sind dabei immer speziell, insbesondere Vorgeschichten bei Spielern oder Trainer, damit man im Spiel gleich weiß, was einen erwartet. Die Vorbereitung als Schiedsrichter ist meistens aufwendiger als zu meiner Spielerzeit! Zudem werden wir überwiegend bei den Spielen von Schiedsrichter-Coaches begleitet und auch dementsprechend eingestellt sowie nach den Spielen unmittelbar analysiert.

Hockeyweb: Ihr erstes Spiel in der DEL2 war in Landshut, kurz darauf gleich der erste Auftritt in der höchsten Spielklasse mit einem DEL-Spiel in München. Waren Sie sehr nervös und waren Sie zufrieden mit dem Debüt?

Steingroß: Das erste Spiel war mit Roland Aumüller zusammen das Match Landshut gegen Dresden und es war für mich besonders, da ich in Dresden selbst noch gespielt habe. In Landshut war es das erste Spiel für den neuen EVL-Trainer Leif Carlsson, den ich selbst als kleiner Bub in Berlin noch spielen sah. Da weißt du gleich, die Jungs werden heute Gas geben, ein neuer Trainer ist da, heute geht es um etwas! Man versucht gleich das Strafmaß aufeinander abzustimmen und versucht ein gutes Spiel zu machen. Kurz darauf in München hatte ich Daniel Piechaczek an meiner Seite, der einer der besten Schiedsrichter überhaupt ist. Mit so einer Koryphäe hat man es meist sehr einfach, denn man ist einfach sehr entspannt mit so einem ruhigen und erfahrenen Schiedsrichter.

Hockeyweb: Fußball-Schiedsrichter Urs Meier sagte mal, es gäbe unter den Referees die Möglichkeit durch besonderes Pfeifen eine Art Torjubel oder Anerkennung für die Spieler auszudrücken. Gibt es solche „Geheimsprachen“ auch für die Schiris auf dem Eis?

Steingroß: Nein, so etwas habe ich noch nicht gemacht, dafür nutzen wir mehr den Blickkontakt. Jeder von uns weiß, wenn ein schönes Tor fällt, sagen wir das auch den Spielern. Wir versuchen viel zu sprechen und zu kommunizieren, denn wir wollen ja eigentlich keine Strafen haben. So versuchen wir viel Einfluss auf die Spieler auszuüben und ich versuche den Spielern selber der Schiedsrichter zu sein, den ich mir selbst immer gewünscht habe. Hierzu muss jeder seinen eigenen Weg finden.

Hockeyweb: Wie ist Ihr Ziel für die Zukunft, wo wollen Sie in Ihrer zweiten Karriere hin?

Steingroß: Ich will mich fest etablieren und eine feste Größe werden. Alles andere kommt, wie es eben kommt. Man versucht, seinen Job gut zu machen und das Spiel safe zu machen, dann werden die Leute auf dich aufmerksam werden. Hierzu auch einen großen Dank an Gerd Müller und den Schiedsrichterausschuss, denn hier wird man immer sehr gepusht!

Hockeyweb: Ihre „erste“ Karriere als Spieler war auch sehr erfolgreich mit den drei Meistertiteln in Bietigheim. Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie mit den Titeln?

Steingroß: Der erste Titel war der speziellste, da wir als Underdog gestartet waren, die Mannschaft war neu und dann noch das Derby im Finale gegen Schwenningen, die uns auslachten, wie wir überhaupt ins Finale kamen. Und dann habe ich dort noch zwei Tore geschossen! Das war das i-Tüpfelchen. Beim zweiten Finale war ich leider verletzt und das dritte fühlte sich nicht mehr „so“ gut an wie am Anfang, denn dieser Titel war nicht der einfachste, aber es fühlte sich durch unsere Dominanz über die Jahre einfacher an.

Hockeyweb: Toreschießen ist ja nicht die erste Aufgabe eines Verteidigers, in Spiel sechs der Finalserie 2013 haben Sie Ihren späteren Teamkollegen Silo Martinovic aber ganz schön alt aussehen lassen. War das Ihr wichtigstes Tor?

Steingroß: Kann man schon sagen, es war ein unglückliches Tor, denn Jason Pinizzotto hielt seinen Schläger noch rein und der Puck wurde abgefälscht. Das Glück schien auf unserer Seite zu sein und so war es sicher das wichtigste Tor für mich. Viel besser geht fast gar nicht mehr!

Hockeyweb: Sie hatten viele Teamkollegen. Für unsere Rubrik „Starting Six“ dürfen Sie im Fantasy Hockey Ihre Lieblingsreihe aufs Eis schicken. Wer würde auflaufen?

Steingroß: Also im Sturm muss ich auf jeden Fall mit meinem Kollegen und Trauzeugen Björn Bombis gehen, obwohl ich leider nur ein Jahr mit ihm zusammenspielen konnte. In der Mitte spielt Danny Bousquet als Center und auf Außen stelle ich Marcus Sommerfeld auf! Mit ihm habe ich auf und neben dem Eis viel Zeit verbracht. Im Tor steht Silo Martinovic, mit dem ich sehr viel erlebt habe. In der Verteidigung stelle ich mich selbst auf, hinten links! Und rechts verteidigt Max Prommersberger, da ich so lange mit ihm zusammenspielte wie mit keinem Anderen. Diese Sechs sichern sich auf jeden Fall das Heimrecht für die Playoffs.

Bastian Steingroß, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Viel Erfolg für Ihre weitere Karriere und alles Gute!